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Segeberg Fischdiebe vermiesen Angelteichwirten das Geschäft
Lokales Segeberg Fischdiebe vermiesen Angelteichwirten das Geschäft
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09:14 17.01.2017
Fischdiebe vermiesen Angelteichwirten das Geschäft Quelle: fotolia

Für Einbrecher ist die „dunkle Jahreszeit“ Hauptsaison. Während die Polizei gegen Wohnungseinbrecher gesonderte Maßnahmen ergreift und Statistiken führt, bleibt eine andere Gruppe weitgehend unbehelligt: Fischdiebe. In der Region Bad Bramstedt wurden um den Jahreswechsel zwei Angelteiche leergeräumt, die Diebe entkamen mit mehreren 100 Kilogramm Beute. Die Dunkelziffer liegt mutmaßlich höher. Die Betroffenen sprechen von „organisierten Banden“. Eine Spur hat die Polizei nicht.

Mutmaßlich organisierte Banden räumen nachts die Besatzgehege leer.

„Und nach sechs Wochen bekommt man dann einen Brief, dass das Verfahren eingestellt wird“, sagt Angelteichbetreiber Ralf Lescow. Seit über 20 Jahren ist er im Geschäft, betreibt ein Angelgeschäft und Teiche in Bad Bramstedt. „Die Abteilung Angelteiche macht nicht mehr so richtig Spaß“, so Lescow. Etwa einmal im Jahr – immer im Winter – sei sein Betrieb von Fischdiebstahl betroffen. Zuletzt über Weihnachten. „Ich hatte besondere Fische besorgt: Lachs- und Goldforellen.“ Doch kaum waren die Fische im Wasser, zuerst in einem Netz, wo sich neue Fische vorschriftsgemäß 14 Tage lang an das Wasser gewöhnen sollen, kamen die Diebe. „Die wissen genau, wann wer Fische bekommt“, hat Lescow beobachtet. Im Schutz der Dunkelheit haben die Diebe weitgehend freie Bahn. Bei der Kälte seien auch kaum Nachtangler unterwegs.

Ähnliches schildert Holger Falk, Betreiber des Angelsees Wiemersdorf, den Fischdiebe erst vor knapp einer Woche leergeräumt haben. 500 Kilogramm Forellen. 2000 Euro Schaden. „Das war mein Urlaub“, sagt Falk. Die Diebe gingen professionell vor, brachten Fahrzeuge und Geräte mit. Zimperlich sind sie dabei nicht: „Bei mir wurde das Boot von der Kette gerissen.“ Offenbar hatten die Einbrecher ein eigenes Ruder dabei, um zum Besatzgehege auf den See zu fahren und dieses abzufischen. Sie müssen Behälter dabei gehabt haben, denn, so Falk: „Ich hatte nicht eine Schuppe im Boot.“

In Bad Bramstedt wurde die „dicke Kette“ des Bootes mit einer mitgebrachten Flex durchtrennt, schildert Lescow. 800 Meter durch die Anlage hätten die Diebe zurückgelegt, das Netz „fachmännisch abgefischt“ und das Boot auf der anderen Seite liegen gelassen. Eine Dreiviertelstunde wird die Aktion gedauert haben, schätzt Lescow. Offenbar hatten die Einbrecher auch noch Zeit, den Schuppen auszuräumen: Getränke, Süßigkeiten, Angelbekleidung. Dabei führt Lescow kaum noch Artikel im Kiosk. „Früher hatte ich hier gläserweise Köder stehen.“ Doch diese Zeiten sind vorbei. „Sogar Leergut nehmen die Diebe mit.“

Der Schuppen bei Holger Falk blieb dieses Mal unbehelligt. Den lasse er per Kamera überwachen – nachdem dort vor einem Jahr, als Falk den See übernahm, eingebrochen worden war und Diebe auch den letzten Schokoriegel mitgenommen hatten. Doch die Überwachung von Angelseen sei technisch kaum machbar – oft fehle es an einfachen Voraussetzungen: Strom oder eine Internetverbindung.

Stattdessen setzen die Angelteichbetreiber auf persönliche Kontrollen. „Unregelmäßig, damit sich Diebe nicht darauf einstellen können“, sagt Jürgen Horn, Betreiber von drei Angelseen unter anderem in Großenaspe. Auch er sei einmal im Jahr von Fischdiebstahl betroffen, sagt er. Dabei hätten die Einbrecher in der Vergangenheit riesigen Schaden angerichtet, Zäune ausgerissen, einen Bootsmotor zerstört. Den Verkauf von Ausrüstung und Angelzubehör hat auch Horn bereits weitgehend eingestellt. Den Schaden der vergangenen Jahre schätzt er auf 10000 bis 11000 Euro. „Das mag man gar nicht zusammenrechnen.“

Über die Verwendung des Diebesgutes können die Geschädigten nur spekulieren. „Zum Verscherbeln“, glaubt Holger Falk. Er glaube nicht, dass es möglich sei, die Tiere lebend abzutransportieren. Aber auch geräuchert seien 500 Kilogramm Fisch eine Menge. „Das kann keiner allein essen.“ Dafür brauche es Abnehmer. Auch das sei ein Indiz dafür, dass hier „Profis“ am Werk seien, so Falk.

Wie groß das Problem tatsächlich ist, kann die Polizei auf Nachfrage nicht sagen. „Diebesgut Fisch“ werde in der Statistik nicht geführt, sagte eine Sprecherin. Wahrscheinlich würden auch nicht alle Diebstähle gemeldet.

Lescow erstattet immer noch Anzeige. Er erhofft sich dadurch mehr Aufmerksamkeit der Anwohner. Falls plötzlich irgendwo vermehrt geräucherter Fisch angeboten wird – oder wenn im Dunkeln jemand auf dem See ist: „Da hat nachts keiner etwas zu suchen!“

 Nadine Materne

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