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Fledermausexperte warnt vor Abholzaktion am Waldweg

Bad Segeberg Fledermausexperte warnt vor Abholzaktion am Waldweg

Nabu-Experte Stefan Lüders verweist auf den europäischen Schutz für Fledermausrouten — Kritik wächst am früheren Grünen-Landeschef Peter Stoltenbergl. Das Thema soll jetzt öffentlich diskutiert werden.

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Bäume müssten fallen, wenn die Stadt einer Waldumwandlung zustimmt. Das Haus soll abgerissen und dort größer gebaut werden.

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg. Nachdem die Lübecker Nachrichten die geplante Umwandlung einer Waldfläche am Waldweg in Bad Segeberg öffentlich gemacht haben, soll das Thema jetzt auch im städtischen Ausschuss für Bauen und Umwelt, am Mittwoch, 2. März, (18.30 Uhr, Bürgersaal) in öffentlicher Sitzung diskutiert werden, teilte Bürgermeister Dieter Schönfeld den LN mit. Wie berichtet, sollen am Waldweg auf einem städtischen Grundstück mindestens 20 Buchen gefällt werden. CDU- und SPD-Fraktion kündigten an, diese Maßnahme zu befürworten, schon um wertvolles Bauland zu gewinnen. Laut Beschlussvorlage soll einer Waldumwandlung auf dem Flurstück zugestimmt werden, „um einen erweiterten Neubau auf dem benachbarten Flurstück zu ermöglichen“.

Dort plant, wie berichtet, der Ex-Landesvorsitzende der Grünen und jetzige Sprecher des Kreisvorstandes, Peter Stoltenberg, ein Bauvorhaben. Stoltenberg möchte seinen Bungalow am Waldweg abreißen, um dort größer zu bauen. Ohne eine Waldumwandlung könnte er diese Pläne nicht umsetzen.

Doch nun stellt sich heraus, dass sogar der Naturschutz Probleme mit dem Vorhaben hat. Auch die Fledermauspopulation am Bad Segeberger Kalkberg könnte von dieser Maßnahme betroffen sein. Stefan Lüders, Fledermausreferent des Naturschutzbundes (Nabu) Landesverband Schleswig-Holstein, befürchtet, dass das Fällen der Bäume einen Dominoeffekt auslöst, also nicht nur ein Waldstück, sondern später weitere Flächen für Bauvorhaben „plattgemacht“ werden. Da werde eine Schneise durch den Wald „gefräst“. Es sei „völlig unakzeptabel“, hier eine wichtige Flugschneise der Fledermäuse zu beeinträchtigen, erklärte Lüders. Das widerspreche auch dem Managementplan, der gerade für den Ihlsee vorbereitet werde. Schon jetzt seien viele Flugkorridore der Fledermäuse nahezu zugebaut. Die Trasse am Waldweg sei eine noch relativ unbebaute, dunkle Verbindung vom Großen Segeberger See bis hin zur Trave. Dunkle Verbindungswege seien ideal für Fledermäuse. Lüders: „Dort darf der Waldbestand nicht noch weiter ausgedünnt werden.“ Der Kreis sei gefordert, müsse bei der Erteilung von Baugenehmigungen auch die Naturschutzgesetzgebung im Auge behalten, fordert Lüders. Mehrfach sei es jetzt vorgekommen, dass in Bad Segeberg Baugenehmigungen erteilt worden seien, obwohl die Fledermaus-Gutachten für Flugstraßen der Fledermäuse dagegensprechen. Jetzt schon wieder? Lüders: „In meinen Augen ist dieser Waldstreifen eine Hauptflugstraße für die Fledermäuse der Kalkberghöhlen. Diese Flugrouten sind nach dem FFH-Status geschützt, unterliegen also höchstem europäischen Schutz.“

Eigentlich müsste der völlig veraltete Landschaftsplan der Stadt dringend aktualisiert und erweitert werden. Stefan Lüders kündigte hier einen Vorstoß bei den Landesbehörden an.

Dass es sich bei dem Bauherren, der diese Debatte auslöst, ausgerechnet um einen prominenten Grünen handelt, erstaunt Lüders nicht sonderlich. „Wenn es um die eigenen Interessen geht, ist es völlig wurscht, in welcher Partei der Mensch ist. Da wiegt in der Regel das persönliche Interesse schwerer als der Naturschutzgedanke.“ Er halte es allerdings für „ein Armutszeugnis“. Lüders: „Eigentlich hat Stoltenberg als Grüner Vorbildfunktion.“

Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld kündigte gegenüber den LN an, dass man — sollte es zu einem Votum für die Waldumwandlung kommen — nicht gerade in der Brutzeit die Bäume fällen werde. Die Politiker werden auch entscheiden, ob das städtische Grundstück verkauft werden kann.

Wolfgang Glombik

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