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Segeberg Fledermausverträgliche A 20 ist möglich
Lokales Segeberg Fledermausverträgliche A 20 ist möglich
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21:27 07.08.2015
Mit sogenannten Bat-Loggern war Noctalis-Leiter Florian Gloza-Rausch beteiligt, das Abflugverhalten der Tiere vom Kalkberg zu untersuchen. 60 Prozent fliegen nach Norden, ein Viertel Richtung A 20 Trasse. Quelle: Fotos: Nam

Seit sechs Jahren endet die A 20 südlich von Bad Segeberg. Eine Prognose, wann der Bauabschnitt bis Wittenborn endlich fortgeführt werden kann, wollte Staatssekretär Dr. Frank Nägele gestern nicht abgeben — im Fledermauszentrum Noctalis wurden aber erste Ergebnisse zu den umfangreichen Untersuchungen im Zusammenhang mit der geplanten Autobahntrasse vorgestellt.

Die Haupterkenntnis: Eine „fledermausverträgliche Gestaltung der A 20 ist möglich“. Und, so Nägele: „Die Fortführung der A 20 auf der bisherigen Linie ist sinnvoll.“

Es ist eineinhalb Jahre her, dass das Bundesverwaltungsgericht die Planung der A-20-Trasse südlich von Bad Segeberg wegen schwerer Planungsfehler verworfen hatte. So waren zwar Fledermausschutzmaßnahmen eingeplant gewesen — ohne aber genau zu wissen, wo die Flugrouten der 25000 Tiere verlaufen, die im Frühjahr und Herbst vom nahe gelegenen Kalkberg allabendlich ausschwärmen. Und wie stark diese frequentiert sind. Zu unwissenschaftlich war dem Gericht die vorangegangene Fledermausuntersuchung. „Zu grob, zu pauschal“, fasste Nägele zusammen. „Wir sollten zählen.“

Also wurde gezählt. Seit März 2014 an insgesamt 100 Standorten, 64 im Bereich der Trasse. „Über 60 Nächte lang haben Zähler auf den Feldern verbracht“, sagte A-20-Planerin Britta Lüth vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV). Umfangreiches Equipment kam zum Einsatz, um Flugrouten, Jagdreviere und Quartiere der Fledermäuse zu erfassen. Einige Tiere wurden dafür sogar mit Knicklichtern versehen. Auch an der bestehenden A 21 wurde das Flugverhalten der Fledermäuse beobachtet.

Die ersten Zwischenergebnisse pries Nägele als großen Erkenntnisgewinn für Straßenplaner und Wissenschaftler. In dieser Detailfülle habe man das Flugverhalten der Fledermäuse nicht gekannt, letztlich müssten die bereits geplanten Schutzmaßnahmen aber nur optimiert werden. Etwa durch Anpflanzungen, um die verschiedenen Fledermäuse zu Unter- oder Überführungen zu leiten. „Fledermäuse orientieren sich an Strukturen“, erklärt Lüth. An Bachläufen, Knicks, Reddern.

Dass dies funktioniert, zeigten die Untersuchungen im Bereich der bestehenden A 21, die die Fledermäuse sogar ohne Schutzmaßnahmen „prima queren“, so Lüth. „Fledermäuse sind sehr intelligente Tiere.

Wo sie vorhandene Strukturen finden, nehmen sie sie auch an.“ Auch wenn sie, wie bei der A 21, eher zufällig vorhanden sind. Zum Beispiel die Ausgleichsfläche der Stadt an der Asylbewerberunterkunft Schackendorf. „Die darf nicht bebaut werden und ist natürlich gewachsen“, so Lüth.

Direkt am Kalkberg, einem der wichtigsten Überwinterungsquartiere Europas, wurde außerdem eine Spezialuntersuchung zum Abflugverhalten der Fledermäuse vorgenommen. 13 fest installierte „Bat-Logger“

haben mittels Ultraschallmessung nicht nur festgestellt, wie die Tiere abfliegen — 60 Prozent nach Norden, etwa ein Viertel nach Süden Richtung Autobahntrasse —, sondern auch welche Arten am Kalkberg unterwegs sind. Neben den typischen Wasser- und Fransenfledermäusen wurden unter anderem auch die auf der Roten Liste stehenden Mausohren festgestellt, sagte Florian Gloza- Rausch, Leiter des Noctalis. Auch völlig neue Flugrouten sind den Experten dabei aufgefallen. Ein Schatz für die Wissenschaftler. Aber auch die Verkehrsplaner haben noch viel auszuwerten.

Die Fledermaus-Untersuchungen waren nur ein Teil der geforderten Nachbesserungen des Gerichts zum Planfeststellungsverfahren für den dritten Abschnitt zwischen Weede und Wittenborn. So gebe es laut Nägele auch Hinweise auf die Haselmaus. Zudem müssen die südlichere Trassen gut begründet ausgeschlossen werden — auch das war den Richtern in Schleswig zu schnell gegangen.

„Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, war Nägeles Antwort auf die Frage, wann es denn endlich weitergeht mit dem Bau der A 20. Den nächsten Planfeststellungsbeschluss werde es erst dann geben, wenn er überzeugt sei, dass dieser allen Maßstäben entspricht. Noch eine Niederlage vor Gericht will Staatssekretär Nägele nicht riskieren: „Eine Chance haben wir noch, die muss sitzen.“

Favorisierte Trasse
Die Planung der A 20 bei Bad Segeberg dauert bereits Jahrzehnte. Aber schon 1999 war die kleine Südumgehung die favorisierte Strecke des Landes. Mögliche Trassenverläufe über Schwissel oder die gar noch größere Südumgehung waren damals bereits aus dem Rennen. Ohne sie eingehender zu prüfen. Genau das war ein Kritikpunkt des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig, als es den Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig erklärte. Hier muss das Land also nachbessern, will es die aktuelle Planung voranbringen. Argumentiert wird damit, dass auch bei südlicheren Trassen das Travetal mit vielen geschützten Bereichen durchschnitten und überbaut werden müsste.

Nadine Materne

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