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Segeberg Fliegerstaffel wird gelobt: „Die erste Adresse in Europa“
Lokales Segeberg Fliegerstaffel wird gelobt: „Die erste Adresse in Europa“
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23:05 30.08.2013
Aus Hartenholm, wo die Fliegerstaffel Fuhlendorf die ersten fünf Jahre stationiert war, kamen zum Festakt gestern vor 200 Gästen vier Super-Puma und Eurocopter angeschwebt. Am Sonnabend können die Maschinen beim Tag der offenen Tür besichtigt werden. Quelle: Fotos: Materne

In der griechischen Mythologie gelten Seepferdchen als Nachfahren der Zugpferde des Meeresgottes Poseidon. Und sie sind das Wappentier der Fliegerstaffel Fuhlendorf, den Spezialisten für die Seefliegerei. Die Mitglieder der Staffel tragen das Hippocampus an ihrem Overall auf dem Oberarm. Und den Schriftzug „50 Jahre Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf“. Gestern wurde das Jubiläum mit gut 200 Gästen gefeiert.

Angesichts der riesigen modernen Halle am Flugplatz, in der gestern trotz üppiger Bestuhlung und Polizeiorchester noch ganz locker Platz für vier ausgestellte Helicopter war, sind die Anfänge der Fliegerstaffel in einem Wellblechschuppen am Flugplatz Hartenholm kaum vorstellbar. Ohne Licht, Heizung oder Strom, wie ein Zeitzeuge in einem kurzen Film zum Festakt berichtet. Hier wurde die Fliegerstaffel für den Küstenbereich als fünfte im Bundesgebiet im Oktober 1963 gegründet. Zur „Erstausstattung“ gehörten damals zwei Hubschrauber, vier Piloten, vier Bordwarte und zwei Kraftfahrer, zählt Festredner Dr. Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenministerium, auf. Heute sind es 200 Mitarbeiter und 21 Hubschrauber.

Gegründet wurde die Fliegerstaffel als Aufklärungseinheit entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze und der Lübecker Bucht. Aber in fünf Jahrzehnten hat sie sich enorm entwickelt: Luftrettung, Seefliegerei, Katastrophenschutz und Auslandseinsätze sind heute Kernkompetenzen. Ende der 60er Jahre nahm die Bedeutung des Hubschraubers als Transportmittel zu. Zu den Demonstrationen der Atomkraftgegner in Brokdorf flogen die Fuhlendorfer mehrfach Einsatzkräfte.

Hubschrauberpilot Stefan Franke erinnert sich in puncto Transportflüge an die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2010. Damals geriet die „Lisco Gloria“ vor Fehmarn in Brand. „Wir mussten in der Nacht Speziallöschkräfte aus Lübeck dorthin fliegen.“ In diesem Jahr waren die Fuhlendorfer beim Elbhochwasser im Großeinsatz und koordinierten die Lufthilfe der Bundespolizei-Fliegerstaffeln.

Insgesamt transportierten sie 3000 Tonnen Sand und Hilfsgüter in die Flutgebiete und retteten Menschen von Dächern überfluteter Häuser.

In den 70ern wurde der Luftrettungsdienst mit den orangefarbenen „Christoph“-Helikoptern des Innenministeriums aufgebaut. „Seit 1976 wurden 38 000 Einsätze geflogen“, berichtet Bernd Heinemann, 1.

Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, in seinem Grußwort. Der nächste steht am Luftrettungszentrum Siblin: „Christoph 12“.

Seit Mai 1983 fliegen die Fuhlendorfer regelmäßige Umweltstreifen auf Nord- und Ostsee. „Dass die Umweltverschmutzung zurückgegangen ist, ist auch Ihr Verdienst“, lobte Schröder. Auch bei Auslandseinsätzen seien die Fliegerstaffeln in Europa „erste Adresse“. Ob bei Waldbränden in Portugal oder als Partner bei Frontex-Einsätzen im Mittelmeer zur Sicherung der Grenzen des Schengenraumes. „Wir versuchen dort der Schleuser habhaft zu werden“, sagt Pilot Franke. Gleichzeitig könne jeder Überwachungsflug auch schnell zum Rettungseinsatz werden, wenn ein völlig überfülltes Schlauchboot mit Flüchtlingen in Not gerät. „Das geht einem dann auch nah“, sagt Pilot Bernd Wigger, „wenn uns kleine Kinder, sogar Babys hochgereicht werden.“

Beim Tag der offenen Tür am Sonnabend, 31. August, 10 bis 17 Uhr, präsentiert sich die Fliegerstaffel Fuhlendorf (Bocksberg 2) Besuchern.

Fliegerstaffel Fuhlendorf operiert auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Niedersachsen
Die regionale Zuständigkeit der Fliegerstaffel Fuhlendorf umfasst vornehmlich die Bundesländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen, Niedersachsen sowie die Seegebiete Nord- und Ostsee. Um bei der Größe des Einsatzgebietes schnell verfügbar zu sein, operiert die Flugstaffel von verschiedenen Stützpunkten: Auch im niedersächsischen Gifhorn und in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern sind Polizeihubschrauber der Fliegerstaffel stationiert. Außerdem ist sie für vier Luftrettungszentren mit Zivilschutzhubschraubern verantwortlich: Neben „Christoph 12“ in Silben stehen Rettungshubschrauber in Hamburg (Christoph 29), Hannover (Christoph 4) und Bielefeld (Christoph 13).

Nadine Materne

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