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Flüchtlinge: Negativer Unterton in Boostedt

Boostedt Flüchtlinge: Negativer Unterton in Boostedt

Zum 1. Januar kommen die ersten der insgesamt 500 Flüchtlinge in die Rantzau-Kaserne. Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) musste sich in Boostedt kritischen Fragen der Bürger stellen.

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In der ehemaligen Kaserne in Boostedt sollen ab Januar insgesamt 500 Menschen eine Zuflucht finden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Boostedt. Es werden zu Anfang keine 500 sein, aber die ersten Flüchtlinge werden zum 1. Januar in die Rantzau-Kaserne einziehen, informierte die neue Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Mittwochabend auf einer Einwohnerversammlung in Boostedt. Das Thema bewegt die Gemeinde. Bereits eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn musste der Hof Lübbe wegen Platzmangels geschlossen werden.

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„Wer Fragen zur Unterkunft hat, kann sich bei mir melden.“ Katja Ralfs, Amt für Asylangelegenheiten

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„Eine Deckelung unterhalb der 500 wird es aber nicht geben“, verdeutlichte Söller-Winkler. Dafür musste die Staatssekretärin des Innenministeriums viel Kritik einstecken. Die Gemeindevertretung hat einen Beschluss gefasst, in dem sie eine Begrenzung von 250 Bewohnern in der Kaserne fordert. „Ich finde es nicht gut, wie lapidar Sie über unseren Beschluss hinweggehen“, meldete sich etwa Wolfgang Brückner, CDU-Fraktionsvorsitzender in Boostedt. Er blieb damit nicht allein. „Wir stehen vor Flüchtlingsströmen, die für uns nicht vorstellbar waren“, entgegnete Söller-Winkler. Es werde nach weiteren Unterkünften gesucht und die Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster erweitert. „Aber wir müssen gucken, wie wir auskommen.“ Deshalb sei es auch nicht möglich, eine zeitlich befristete Nutzung auf fünf Jahre zu garantieren. „Unabhängig davon, was mein Vorgänger gesagt hat.“

Die Staatssekretärin arbeitete vor gut 300 Zuhörern den Fragenkatalog der Gemeinde ab: Es wird eine medizinische Versorgung geben, Betreuungsangebote sollen aufgebaut werden für Kinder wie Erwachsene. Ein Caterer übernimmt die Verpflegung, am Brandschutzkonzept wird bereits gearbeitet. Die Polizei vom 1. Revier Neumünster wird für Boostedt zuständig und mit Beamten vor Ort sein.

Das Thema Kriminalität schien die Fragen der Boostedter zu dominieren. Dass in Neumünster kein signifikanter Anstieg der Kriminalität aufgrund der Vielzahl der Flüchtlinge zu verzeichnen sei, wollten einige Boostedter offenbar nicht glauben, kommentierten entsprechende Aussagen mit Gelächter. Söller-Winkler und Bürgermeister Hartmut König (CDU) riefen mehrfach zur Sachlichkeit auf.

„In 2014 hatten wir elf Einsätze in der Unterkunft Neumünster, weil sich mal zwei Personen gestritten haben“, betonte Revierleiter Dieter Jung. „Und wie sieht es im Umfeld aus?“, fragte einer im Publikum. Laut Jung habe es in Neumünster knapp 50 leichtere Delikte gegeben. „Das ist aus polizeilicher Sicht verschwindend gering“, so Jung. „Aber nicht für Boostedt!“, meldete sich ein Zwischenrufer.

Auch um die Immobilienpreise machen sich einige Boostedter Sorgen, sie sehen bereits ihre Haus-Finanzierung in Gefahr. Genährt wurde dies von Frank Natusch, Vorstand der Baugenossenschaft Holstein eG. Er bestätigte im Saal, dass die Planungen für ein Wohnprojekt in Boostedt aufgeschoben wurden — wegen der Asylbewerberunterkunft. Man sei auf die 100-prozentige Vermietung angewiesen.

Der negative Unterton in der Diskussion zog sich durch den Abend. Ein Zuhörer machte sich Sorgen um mögliche radikale Ausländer unter den Asylbewerbern, ein anderer fragte die Staatssekretärin, was sie dazu sage, dass nur zehn von 27 EU-Staaten überhaupt Flüchtlinge aufnehmen.

Schließlich summierte ein Gast gar auf, wie viele Flüchtlinge in den kommenden fünf Jahren nach Boostedt kämen: 20000. „Ich kann ihre Schlussfolgerung nicht nachvollziehen“, reagierte darauf Söller-Winkler. „Setzen Sie diese Durchlaufberechnung auch bei Touristen an?“

Zu allem Überfluss verteilte vor der Tür die NPD Flugblätter mit Texten, in denen die Angst vor drohender Kriminalität durch Asylbewerber geschürt wird — unter Nennung von zwei Einzelbeispielen aus Bad Oldesloe und Köln.

Schließlich platzte der Boostedterin Lisa Niwinski der Kragen: „Ich wohne im Neubaugebiet.“ Zu Beginn sei dort fast jede Nacht irgendwo eingebrochen worden. „Es wurde alles geklaut. Und das waren bestimmt keine Asylbewerber.“ Für ihren Einwand gab es viel Beifall.

1,3 Millionen Euro für Asylunterkunft
Die Sanierung der maroden Asylunterkunft des Kreises in Schackendorf kann bald beginnen. Der Förderbescheid des Landes ist da, verkündete Landrat Jan Peter Schröder am Mittwochabend in Boostedt: „Ich hatte ihn heute schon in der Hand.“
Auf knapp 1,3 Millionen Euro beläuft sich die Förderung. „Das sind die angekündigten 70 Prozent der förderfähigen Kosten“, so Schröder. Die Investitionssumme beläuft sich auf knapp 1,9 Millionen Euro. Das Leistungsvergabeverfahren könne nun beginnen. „In diesem Jahr fangen wir aber nicht mehr an zu bauen.“ Baustart sei dann im Frühjahr — je nach Wetterlage. Etwa 90 Asylbewerber leben derzeit in der überfüllten Unterkunft, die nun umfassend saniert und auch um einige Plätze erweitert wird.
Während der Bauarbeiten müssen die Bewohner anderweitig untergebracht werden. Schon jetzt haben die Ämter Probleme, genügend Wohnraum für die stetig steigende Anzahl an Flüchtlingen zu finden. Die angekündigte Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt (siehe Bericht oben) wird eine Entlastung für den ganzen Kreis bedeuten. Wie Evelyn Jäger, Referatsleiterin im Innenministerium, in Boostedt versicherte, werden die in der Kaserne aufgenommenen Asylbewerber auf die Aufnahmequote des Kreises angerechnet. Das sei gesetzlich vorgesehen.
Für dieses Jahr rechnet man für den Kreis Segeberg mit 630 Flüchtlingen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 wurden 327 Asylbewerber aufgenommen.

nam Nadine Materne

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