Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Pilotin für einen Tag
Lokales Segeberg Pilotin für einen Tag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:09 28.01.2019
LN-Redakteurin Irene Burow nach dem Start vom virtuellen Hamburger Flughafen. An Bord: 132 Menschen. Quelle: Irene Burow
Kaltenkirchen

Mit Schweiß auf der Stirn steige ich aus der Maschine. Nach drei Stunden schmerzt der Kopf. Knöpfe, Hebel, Schalter, Leuchten: Vollkommene Überfrachtung auf engstem Raum. Doch die 132 Passagiere aus Hamburg sind sicher gelandet. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben geflogen. Als Pilotin. Und bin froh, dass es geschafft ist. Zumindest der „Jetlag“ ist echt.

Ich wollte wissen, wie es ist, ein Passagierflugzeug zu fliegen. In Kaltenkirchen gibt es einen Simulator, der kaum näher an die Realität herankommen könnte: Dort steht eine exakte Kopie des Cockpits einer Boeing 737-800. Alle Abstände sind genauso berechnet, alle Instrumente gleich gebaut. Selbst die Aufkleber, Atemmasken für den Notfall und das Telefon – zum Kaffee ordern – gibt es tatsächlich in diesem mit am meisten genutzten Passagierflugzeug der Welt. Das Cockpit ist beweglich. Sechs Elektromotoren können jede Flugbewegung, auch Schräglagen und Turbulenzen, nachstellen. Die Geschäftsführer Michael Pommerening und Miguel Blaufuks sind die ersten Privatunternehmer in Europa, die Simulationsflüge in dieser Form anbieten. Das geht sonst nur bei Fluggesellschaften. Andere Anbieter nutzen fixierte Cockpits.

Anschnallen ist Pflicht

Es ist eine unscheinbare Lagerhalle, in der die Technik steht. „Die schließen wir jetzt ab“, sagt Michael Pommerening. „Wenn wir da drin sind, bekommen wir nichts mehr mit.“ Alles muss draußen bleiben. Nicht auszudenken, meine kiloschwere Kameraausrüstung flöge durch den Innenraum des Simulators. „Das kann schon heftig zugehen. Je nachdem, wie Sie fliegen“, sagt der 55-Jährige. Ich muss schlucken. Die Gangway wird zurückgefahren. Etwa ein Meter Platz ist rund um den zylinderartigen Bau – zum Ausschwenken. „Seit wir das mit einem Flug durch einen Orkan ausprobiert haben, wissen wir, was das Gerät kann“, erinnert sich Pommerening. „Wir haben die Möglichkeiten danach heruntergeregelt.“ Ich bin mäßig erleichtert. Ein Fünf-Punkt-Gurt sichert mich und den Co-Piloten. Anschnallen ist absolute Pflicht.

Cockpit einer Boeing 737-800 original nachgebaut

Hamburg-Hurghada wäre drin

Ich lerne, dass die Leistung der Maschine vom Wetter abhängt, der Name einer Landebahn Auskunft über deren Steigung gibt und nie mehr Sprit an Bord ist, als unbedingt nötig. Wir haben 132 Passagiere an Bord. Und 5,8 Tonnen Kraftstoff. Der Boeing-Typ könnte in der Realität fünf Stunden fliegen, mit maximal 20 Tonnen Sprit. Die Strecke Hamburg-Hurghada wäre drin. Doch wir wollen nur üben. Während drei HD-Beamer regen Flughafenbetrieb an die 200-Grad-Leinwand werfen, wird es laut. Die Triebwerke starten. „Ready for Take-Off“: Ich drücke den Schubhebel langsam nach vorn. Wir werden in die Sitze gepresst. Als 60 Knoten erreicht sind, sorgt ein kleiner Knopf automatisch für nötigen Schub. Wir rollen, immer weiter. Dann das Signal meines Co-Piloten: „Rotate!“ Ich ziehe das Steuerhorn heran, die Nase hebt sich, wir heben ab.

Triebwerk kann schon mal brennen

Sich allein auf die Anzeigen im Cockpit zu verlassen ist gewöhnungsbedürftig, Kurs und Höhe gleichzeitig zu halten, eine Kunst. Die Boeing reagiert nur träge. „Man denkt, es ist leicht. Aber das ist es nicht“, sagt mein Co-Pilot. Lieber würde ich immer weiter steigen. Denn sinken heißt Absturz. Zumindest in meinem Kopf. Den Flieger wieder in die Horizontale zu bringen fühlt sich an, als würde man im Sitz nach vorn kippen. Wir fliegen über die Elbe, am Volksparkstadion vorbei und auf Finkenwerder zu. In einer Links-Kurve schlägt plötzlich das Cockpit Alarm: Mal ist die Kurve zu scharf, mal der Flieger zu tief. . . Alarmsignale von allen Seiten – gefühlt. Der Flieger rüttelt. Der Landeanflug gelingt nur mit Hilfe. Alles andere würde Michael Pommerening auch nicht zulassen. „Abstürze werden nicht simuliert, das verstößt gegen die Fliegerehre“, sagt er. Ob Laien, Erfahrene oder Profis: Jeder kann in dem Simulator Platz nehmen. Kunden wollen Abläufe und Kommandos üben oder Checklisten abarbeiten, erzählt der Geschäftsführer. Manch einer will auch das volle Programm. „Wenn Profis fliegen, sitze ich hinten und mache nur Blödsinn“, schmunzelt er. Dann kann schon mal die Elektrik ausfallen, die Hydraulik klemmen oder ein Triebwerk ausfallen. Fast jedes Problem, mit dem sich echte Piloten auseinandersetzen müssen, kann simuliert werden.

Zu jedem Flughafen der Welt

Nach der Testrunde beamen wir uns erst nach Portugal und landen in Lissabon erneut. Jeder Flughafen der Welt kann angesteuert werden. Über dem Central-Park fliege ich schon recht stabil. Wolkenkratzer erheben sich wie Playmobil. Nach der gelben Staten-Island-Fähre erscheint die Freiheitsstatue. Der John F. Kennedy Flughafen ist nicht mehr weit. Pommerening dreht gern diese Runde mit seinen Kunden. „Wann sieht man die Stadt schon mal aus dieser Perspektive?“ Na, er hat gut Lachen. Er hat’s schon hundert mal gemacht. Ich bin jedenfalls froh, wieder Boden unter den Füßen zu haben. Willkommen in New York.

Software ist Kerngeschäft

Das Unternehmen Simflight gibt es seit den 90er Jahren. Michael Pommerening hatte immer mit Luftfahrt zu tun, als Mitarbeiter bei der Lufthansa oder der Luftwaffe. So kam er mit der Informationsseite Simflight in Kontakt, die vor allem Simulations-Software für heimische PC’s vertreibt. 2016 stieg er als Geschäftsführer ein, Flugsimulation betreibt er aber schon seit Anfang der 80er Jahre. „Der Simulator war eine Bierdeckel-Idee“, sagt er. Gebaut wurde er von der Firma Cockpitsonic. Seit Herbst 2018 kommen Kunden für eine bis acht Stunden zum Fliegen. Seine Privatpilotenlizenz hatte Pommerening einst für die Familie aufgegeben. Doch nun hat er mehr Zeit. „Ich freue mich, mit meinem Beruf Leute glücklich zu machen. Ich liebe das Fliegen. Ich liebe dieses Cockpit“, sagt er. Und auf die Frage, ob er eine echte Boeing 737-800 landen könnte, sagt er ganz klar: „Das wäre kein Problem.“ Infos: fly.simflight.de

Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Wählergemeinschaft BBS konnte sich nach einer emotionalen Debatte im Bad Segeberger Hauptausschuss nicht mit dem Antrag durchsetzen, einen Arbeitskreis zur Planung des etwa 16 Millionen Euro teuren Feuerwehrhauses einzusetzen.

26.01.2019

Nach 18 Jahren als Wehrführer der Feuerwehr Klein Gladebrügge gab Waldemar Röhr sein Amt an einen Nachfolger ab. Mit Tim Schröder (30) und seinem zweiten Stellvertreter Sascha Griese (27) steht nun ein junges Team an der Spitze.

26.01.2019

Die Sanierung der Schmiedestraße wird den Anliegern einiges abverlangen. Mindestens für sechs Monate soll sie für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Auch der Rettungsdienst bleibt außen vor.

25.01.2019