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Foto-Beifang im Schwimmbad

Bad Segeberg/Hamburg Foto-Beifang im Schwimmbad

In Hamburg gibt’s jetzt einen Sticker auf die Linse – Segeberger Bäder sehen keinen Bedarf.

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„Ein Fotoverbot könnten wir gar nicht durchsetzen“, sagt Ihlsee-Bad-Chef Rüdiger Ostwald. Er hat kein Problem damit, wenn Gäste im Freibad Fotos machen.

Quelle: Foto: Materne

Bad Segeberg/Hamburg. Die Badesaison nimmt an Fahrt auf, und die sozialen Netzwerke sind voll mit Bildern der User beim Sonnen mit Freunden im Freibad und von den ersten Planschversuche der lieben Kleinen. Dabei allerdings oft auch im Hintergrund: leichtbekleidete Menschen, die wahrscheinlich nicht wissen, dass ihr Foto gerade auf Instagram und Co. gepostet wurde. Um die Badegäste für das Thema zu sensibilisieren, hat die Bäderland Hamburg GmbH vor einem Jahr zunächst ein Fotoverbot erlassen und stellt ihren Gästen künftig Kamera-Sticker zur Verfügung, mit denen die Linse von Smartphones abgeklebt wird. Gute Idee oder doch übertrieben?

LN-Bild

In Hamburg gibt’s jetzt einen Sticker auf die Linse – Segeberger Bäder sehen keinen Bedarf.

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Die Nutzung der Kamera-Sticker ist freiwillig, betont Michael Dietel, Sprecher der Bäderland GmbH. In etwa einer Woche sollen sie erstmals zum Einsatz kommen. Dann können sich die Gäste an bereitgestellten Spendern bedienen. „Es ist für uns ein Instrument der Sensibilisierung“, erklärt Dietel. Die Allgegenwärtigkeit von Smartphones, die zunehmend bessere Auflösung ihrer Fotos und Videos – und der Weg ins Internet sei meist nur ein paar Klicks entfernt. Dabei gehe es um den „Beifang“ der Bilder – den Menschen im Hintergrund in einem sensiblen Bereich wie einem Schwimmbad. Zwar habe es solche Bilder schon immer gegeben, jedoch „haben heutige Fotos eine ganz andere Verbreitung“, betont Dietel. Was vor 20 Jahren als Einzelabzug im Familienalbum landete, könne heute beim Post im Netz von Tausenden gesehen werden. Wer den Sticker nicht nutzen will, kann sein Handy trotzdem benutzen, sagt Dietel. „Er muss aber damit rechnen, vom Badpersonal angesprochen zu werden.“

Auch im Norderstedter Arriba Spaßbad hat man sich bereits mit dem Thema Kamera-Sticker beschäftigt, sagt Oliver Weiß, Sprecher der betreibenden Stadtwerke. Letztlich habe man sich aber dagegen entschieden. „Bei uns gilt bereits seit vielen Jahren ein Fotoverbot im Bad“, sagt Weiß. Dies sei ausreichend, die Zunahme der Smartphone-Dichte habe nicht zu vermehrten Problemen mit Fotos im Arriba geführt. Auch wolle man einer Familie nicht verbieten, Bilder von ihrem Schwimmbad-Ausflug zu machen. Wer allerdings Bilder von Fremden anfertige, werde darauf angesprochen. Und halte sich ein Gast nicht daran, werde auch ein Hausverbot erteilt.

Keinen Bedarf für Kamera-Sticker sieht man im Hallenbad Bad Segeberg. „Wir haben zwar ein Fotoverbot in der Hausordnung“, sagt Leiterin Bianca Lobsien, doch komme es eher selten vor, dass überhaupt ein Gast ein Handy oder eine Kamera mit in den Schwimmbereich nehme. „Höchstens mal bei einem Kindergeburtstag.“ Dann werde es auch erlaubt, ein paar Bilder der eigenen Kinder zu schießen, bevor das Telefon wieder im Spind verschwindet. Bei Unterwasser-Bildern hört aber auch bei Lobsien die Toleranz auf.

Gar kein Problem mit Fotos hat dagegen Rüdiger Ostwald, Chef im Ihlsee-Strandbad. „Wir wollen unsere Gäste nicht bevormunden“, sagt er. Wenn jemand aber offensichtlich dubiose Fotos machen würde am Gelände, würde er sofort einschreiten, stellt Ostwald klar. „Und zur Not rufe ich die Polizei, die sind dann ganz schnell hier.“ Prinzipiell wäre es auch kaum möglich, ein Fotoverbot im Bad zu gewährleisten, zumal es von außen einsehbar sei.

Differenziert sieht auch Barbara Körffer, stellvertretende Landesdatenschutzbeauftragte, das Thema. Einerseits gebe es zahlreiche schutzwürdige Interessen für ein Fotoverbot, gerade in sensiblen Bereichen wie einem Schwimmbad. „Aber es schränkt auch die Handlungsfreiheit ein.“ Prinzipiell begrüße sie es, dass sich die Bäder um das Thema Gedanken machten, denn es gebe häufiger Beschwerden von Menschen, die ungefragt auf veröffentlichten Bildern erschienen – nicht nur in Schwimmbädern. „Was einmal im Internet ist, lässt sich nicht mehr rückstandslos entfernen“, betont Körffer. Sie plädiert generell für einen bedachteren Umgang mit Handyfotos. „Das fängt schon damit an, dass die Bilder oft in einer Cloud gespeichert werden.“ Auf Servern irgendwo im Ausland.

Ab wann werden Fotos strafrechtlich relevant? Das sagt die Polizei:

Eine strafrechtliche Relevanz kann auftreten, wenn Fotos einer Person angefertigt und veröffentlicht werden, ohne dass eine Zustimmung dieser vorliegt. Ausnahmen bestehen, wenn ein zeitgeschichtliches Ereignis dokumentiert wird, die Personen nur „Beiwerk“ einer Aufnahme sind.

Das bloße Fotografieren steht unter Strafe, wenn der „höchstpersönliche Lebensbereich durch Bildaufnahmen verletzt wird“ – etwa in Umkleide-, Toiletten- und Duschräumen. Verboten ist zudem die Verbreitung von Aufnahmen, die dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich schaden können. Ebenfalls verboten sind das Fertigen, Anbieten und die Verbreitung von Bildern, die die Nacktheit unter 18-Jähriger zum Gegenstand haben.

Nadine Materne

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