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Franz Thönnes kandidiert 2017 nicht wieder für den Bundestag

Bad Segeberg/Ammersbek Franz Thönnes kandidiert 2017 nicht wieder für den Bundestag

Der Sozialdemokrat gehört dem Parlament 23 Jahre lang an und wirkte schon als Parlamentarischer Staatssekretär — Nach dieser Legislaturperiode zieht er sich zurück.

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So sah‘s zum 20-jährigen Abgeordneten-Jubiläum aus: Franz Thönnes präsentierte eine Stellwand mit Zeitungsausschnitten und Fotos von seiner Nominierung und dem ersten Wahlkampf 1994. *Fotos: Dreu/Roessler

Bad Segeberg/Ammersbek. Ein Mann wirft hin. Das liest sich schön, wäre jetzt aber die völlig falsche Schlagzeile. Denn Franz Thönnes (61) wird sein Mandat als Bundestagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Nord schließlich noch bis 2017 zu Ende führen. Dann aber will er nicht mehr kandidieren — nach 31 Jahren politischer Tätigkeit in Parlamenten, 23 Jahre davon im Deutschen Bundestag. Gero Storjohann (CDU), in vier Wahlkämpfen direkter Kontrahent von Thönnes, sagt: „Diese Entscheidung überrascht mich schon. Von allen Sozialdemokraten ist er mir doch einer der liebsten.“

LN-Bild

Der Sozialdemokrat gehört dem Parlament 23 Jahre lang an und wirkte schon als Parlamentarischer Staatssekretär — Nach dieser Legislaturperiode zieht er sich zurück.

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„Mein Bestreben war stets, durch meine Arbeit die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu beeinflussen, dass das Leben der Menschen besser wird. Für mich war und ist die sozialdemokratische Idee der sozialen Gerechtigkeit die Antriebskraft. Dafür habe ich leidenschaftlich gearbeitet. Stets im Wissen, dass es niemals den Zeitpunkt der vollständigen Verwirklichung geben wird“, sagt Thönnes selbst zu seinem angekündigten Abschied.

Er begann, wie das auf dem „Ochsenweg“ der Sozialdemokraten so üblich ist, in der Partei ganz unten. Aber bereits als Kreistagsabgeordneter in Bad Oldesloe (1986 bis 1994) sowie bald auch als Stormarner Kreisvorsitzender (1986 bis 1992) zeigte sich sein ausgleichendes, moderierendes Talent — auch wenn Thönnes nie ein Blatt vor den Mund nahm, kommunal- wie bundespolitisch stets klar Stellung bezog. Die ganz linke Ecke war nichts für den überzeugten Gewerkschaften , der sich bereits früh in der Gewerkschaftsjugend engagierte.

Bei seiner ersten Bundestagskandidatur 1994 rückte er noch über die schleswig-holsteinische Landesliste in den Bundestag. Vier Jahre später gewann Thönnes den Wahlkreis Segeberg/Stormarn- Nord direkt — und das gegen das als „unschlagbar“ geltende CDU- Schlachtross Peter-Kurt Würzbach. Zur selben Zeit rückte Thönnes als stellvertretender Vorsitzender in der Hierarchie der Landes-SPD auf, 1999 übernahm er sogar den Vorsitz des Landesverbandes. Als er bei der Wahl 2002 den Wahlkreis auch gegen seinen neuen CDU-Herausforderer Gero Storjohann direkt gewann, sahen manche in Thönnes schon einen kommenden Kieler Regierungschef. Doch bei der folgenden Kommunalwahl schmierte die SPD ab, was dazu führte, dass Thönnes 2003 mit nur 47,5 Prozent nicht als Landesvorsitzender bestätigt wurde.

Nun konzentrierte er sich auf die Bundespolitik. Drei Mal hintereinander musste er sich von 2005 bis 2013 direkt geschlagen geben. Dazu CDU-Gegenüber Storjohann: „Erst ein, dann fünf, dann zehn Prozent Vorsprung für mich — so hätte es weitergehen können . . .“

Über die Liste aber war Franz Thönnes stets ungefährdet, übernahm von 2002 bis 2005 das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheits- und danach im Arbeits- und Sozialministerium, bis 2009 die Merkel-Koalition mit der FDP den SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder ablöste.

Franz Thönnes hatte Förderer, Anhänger, aber auch Neider. So sorgte ein bislang unentdecktes „U-Boot“ 2007 dafür, dass seine parlamentarische Immunität aufgehoben wurde: Thönnes hatte seine Frau Rita auf eine von der Eon-Ruhrgas finanzierte Norwegenreise mitgenommen und soll sie dort, so der Vorwurf, als Angehörige des Gesundheitsministeriums ausgegeben haben. Doch Thönnes konnte alles entkräften, zudem hatte er die Reise selbst bezahlt. Alles andere wäre Beobachtern auch widersinnig vorgekommen; denn dieser Sozialdemokrat — der auch nach Jahrzehnten im Norden seine dezente Ruhrpott-Stimmfärbung nie verloren hat — stand auch bei Pressevertretern stets für Aufrichtigkeit, für das klare Wort hinter (und im Glücksfall sogar: vor) allen Polit-Sprachschablonen.

Und wie geht es weiter, wer folgt nach? Ein Vertreter des einflussreichen Stegner-Flügels drängt sich weder in Segeberg noch in Stormarn auf, und wenn die heimische SPD nicht noch einen zugkräftigen Direktkandidaten aufstellt, kann es sein, dass es über die Liste nicht mehr reicht für einen Segeberg- Stormarner SPD-Abgeordneten in Berlin. Und direkt wartet der dreimalige CDU-Gewinner Gero Storjohann (58), der bereits angekündigt hat, noch eine Legislaturperiode dranhängen zu wollen.

Von Essen in den Norden

1954 geboren in Essen machte Thönnes zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann in einem großen Chemiekonzern. Dort lernte er seine Ehefrau Rita kennen und engagierte sich schon früh in der Betriebsratsarbeit. Nach einem Kurzstudium wurde er Gewerkschaftssekretär der IG Chemie-Papier-Keramik.

Vor der ersten Wahl in den Deutschen Bundestag 1994 war er Geschäftsführer der Verwaltungsstelle seiner Gewerkschaft in Hamburg. Seit dem Jahr 1988 lebt er mit seiner Frau, mit der er zwei Söhne hat, in Ammersbek (Kreis Stormarn).

Von Lothar Hermann Kullack

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