Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Frau im Schlaf überfallen
Lokales Segeberg Frau im Schlaf überfallen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:54 06.10.2016
Anzeige
Bad Segeberg/Glasau

Es klingt wie eine Szene aus einem Horrorfilm: Evelyn K. (alle abgekürzten Namen geändert) lag Mitte Juli des vergangenen Jahres nachts in ihrem Bett auf ihrem Hof in Glasau. Die damals 55-Jährige, die alleine lebt und den Hof bewirtschaftet, sah im Dämmerlicht gegen 3 Uhr nachts, wie sich die Klinke der Schlafzimmertür nach unten bewegte, die Tür geöffnet wurde und ein Mann mit schnellen Schritten auf ihr Bett zukam. Was dann folgte, müssen die furchtbarsten Minuten im Leben der Frau gewesen sein: Der Unbekannte sprang auf das Bett, kniete sich auf sein Opfer und würgte es, zog dann das Kopfkissen unter dem Kopf der Frau heraus und drückte es ihr auf das Gesicht.

„Ich hatte sehr viel Cola mit Wodka getrunken.“ Angeklagter Thomas B.

„Ich dachte, das sei ein Albtraum gewesen.“ Opfer Evelyn K.

Die Landwirtin wehrte sich verzweifelt und schaffte es mehrmals, den Angreifer auf Armeslänge von sich wegzudrücken, aber der aggressive Mann würgte sie immer wieder und drückte ihr das Kissen wiederholt mit Kraft auf das Gesicht, sodass die Frau kaum noch Luft bekam und glaubte sterben zu müssen. Irgendwann ließ der Täter von seinem Opfer ab.

Im Gerichtssaal des Segeberger Schöffengerichts, wo der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter wegen gefährlicher Körperverletzung gestern begann, sagt Evelyn K.: „Ich dachte, das sei ein Albtraum gewesen.“ Als sie dann vor ihrem Bett die sorgfältig nebeneinander abgestellten Schuhe des Täters entdeckte, musste sie erkennen, dass das Erlebte Realität war.

Nun sitzt die Landwirtin ihrem mutmaßlichen Peiniger im Gerichtssaal gegenüber. Sie tritt als Nebenklägerin auf. Auf der Anklagebank der ihr seit dessen Kindertagen bekannte Thomas B. (28), der auf dem benachbarten Hof seiner Eltern lebt. Der Angeklagte sieht aus wie der nette Junge von nebenan. Schwer vorstellbar, dass der zierliche Mann eine so grausame und brutale Tat begangen haben soll.

Auch der Angeklagte selbst scheint kaum an die eigene Täterschaft glauben zu können. „An dem Abend haben wir den Geburtstag meines Bruders gefeiert“, erzählt er mit leiser Stimme. „Ich habe sehr viel Cola mit Wodka getrunken, mich gegen drei Uhr nachts auf den Rückweg zum elterlichen Hof gemacht und bin mit dem Fahrrad im Graben gelandet“, erzählt B. weiter. Warum ihn der Weg dann anstatt rechts in Richtung Elternhaus geradeaus einen Berg hinauf zum Hof seines Opfers geführt haben soll, ist ein Rätsel.

Richterin Sabine Roggendorf versucht, mögliche Beweggründe für die Tat herauszufinden, aber der Angeklagte, der noch genau weiß, wann er den Rückweg von der Geburtstagsfeier antrat und dass er Fahrrad fuhr, sagt, dass er keinerlei Erinnerung an Geschehnisse im Haus des Opfers habe. „Ich habe keine Idee“, lautet die wiederholte Einlassung des ratlos wirkenden Mannes. Das Haus kenne er aus seiner Kindheit, habe dort mit den Kindern der Nebenklägerin gespielt. Es sei baugleich wie das Elternhaus, ein Hof aus den 30er Jahren, wie es sie in dieser Gegend einige gibt. Alle Prozessbeteiligten sehen sich Fotos an von dem Gehöft, in das der Angeklagte durch ein Stallgebäude eingetreten sein soll, vom Schlafzimmer, den Kissen, dem Nachthemd des Opfers, von Gegenständen, die DNA-Spuren des Angeklagten enthielten, die ihn zum Tatverdächtigen machen. Die Richterin fragt ihn, ob er sich im Angesicht der Bilder erinnere. Ein Kopfschütteln ist die Antwort des jungen Mannes. Überlegungen werden angestellt, ob der Angeklagte möglicherweise geglaubt haben könnte, er sei zu Hause.

Ob ihm denn so etwas schon öfter passiert sei, dass er alkoholbedingte Gedächtnislücken habe oder aggressiv werde, fragt die Richterin. Der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist, verneint. Auch Fragen nach einem möglichen Nachbarschaftsstreit oder Konflikten verneinen der Mann und auch Evelyn K. Der Bruder des Angeklagten erzählt davon, dass man sich landwirtschaftliche Geräte gegenseitig ausleihe und freundschaftlich verkehre. „Mein Bruder ist ein umgänglicher Mensch und schläft sonst höchstens ein, wenn er betrunken ist“, sagt Frank B. im Zeugenstand.

Evelyn K. wirkt bei ihrer Aussage erstaunlich gefasst. Sie habe das Geschehen im Alltag verdrängt, erklärt die Landwirtin, aber jetzt hole sie das alles wieder ein. Im Dunkeln rauszugehen, wage sie nicht mehr, und sie achte wesentlich mehr darauf, dass alle Türen nachts verschlossen seien. Der Prozess wird am 19. Oktober fortgesetzt.

 Martina Kausch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dieser Schmierfink ist offenbar hyperaktiv: Die Polizei sucht den (eventuell auch die) Täter, der im Verlauf der vergangenen Woche in Sülfeld mehr als 100 Verkehrszeichen, Stromkästen und weitere Schilder bemalt hat.

06.10.2016

Aufgrund des großen Erfolges im vergangenen Jahr gibt es die Veranstaltung in diesem Jahr wieder.

06.10.2016

Weitsicht hat am Mittwoch des Fahrer eines weißen Müllfahrzeugs des Wege- Zweckverbandes bewiesen: Als er durch Pronstorf fuhr, bemerkte er, dass es im Laderaum seines Wagens qualmte, weil der gerade eingesammelte Müll offenbar brannte - und reagierte schnell.

06.10.2016
Anzeige