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Frau mit 20 Messerstichen getötet: Anklage wegen Totschlags

Norderstedt/kiel Frau mit 20 Messerstichen getötet: Anklage wegen Totschlags

Landgericht verhandelt Fall vom vergangenen Juli — Angeklagter: Habe die Kontrolle verloren.

Kiel. Über 20 Messerstiche an Oberkörper und Kopf beendeten das Leben von Anny Q. am 30. Juli 2015 in ihrer Norderstedter Wohnung. Mit einer 17 Zentimeter langen Klinge soll ihr Verlobter Jack A. (abgekürzte Namen geändert) in einem Streit auf sie eingestochen haben. Totschlag lautet die Anklage gegen den 57-jährigen Ghanaer gestern zum Prozessauftakt vor der 8. Strafkammer am Kieler Landgericht.

„Der Geschädigten wurden über 20 Stich- und Schnitt- verletzungen zugefügt.“

Staatsanwalt Timo Beck

„Ich habe die Kontrolle über mich selbst verloren. Ich war eine gestörte Person.“

Angeklagter Jack A. (57)

 

Aus dem

Land-

gericht

Das Paar wollte eigentlich bald heiraten, doch es kriselte in der Beziehung. Nach afrikanischem Ritus seien die beiden bereits seit etwa fünf Jahren verheiratet gewesen, sagte der Angeklagte auf Englisch aus. Eine Dolmetscherin übersetzte die Befragung. Eine Anerkennung der Ehe nach deutschem Recht war schwierig, denn Jack A. ist illegal in Deutschland. 1999 sei er mit einem Touristenvisum eingereist. Seither pendelte er hauptsächlich zwischen Paris und Hamburg, schlug sich mit Putzjobs und als Tellerwäscher durch. Nachdem er das zweite Mal in eine Polizeikontrolle geraten war, stellte er einen Asylantrag, der aber abgelehnt wurde.

Vor etwa sechs Jahren lernte der Mann Anny Q. kennen — über die Norderstedter Kirchengemeinde der „True Teaching of Christ Temple“ kennen. Eine Gemeinde aus Afrikanern. Kurze Zeit später zog A. zu seiner Freundin. „Ich habe sie geliebt“, beteuerte A. vor Gericht, der aber auch einräumte, dass er sich von der Beziehung Chancen erhofft hatte, in Deutschland bleiben zu dürfen. Etwa durch ein gemeinsames Kind.

Ein Wunsch, der unerfüllt blieb und für Probleme sorgte. Anny sei zuletzt häufiger sauer gewesen über ihn, schilderte A. Als sie in die Wechseljahre kam, habe sie ihm vorgeworfen, dass er sie nicht verstehe, da er schon drei Kinder in Afrika habe. Es kam dann häufiger zu Streit. Im April 2015 schließlich habe sie ihn aus der Wohnung geworfen, berichtete Jack vor Gericht. Sie habe ihm vorgeworfen, dass er sie als schlechte Frau bezeichnet habe, weil sie keine Kinder bekomme.

Vom Ältestenrat in der Kirchengemeinde bekräftigt, probierten es die beiden im Juni noch einmal. Jack durfte zurück in die Wohnung, bekam aber keinen eigenen Schlüssel, musste jedes Mal neu um Einlass bitten. Als sie Ende Juli verkündete, ein paar Tage zu verreisen, er aber keinen Schlüssel bekommen sollte für diese Zeit, eskalierte die Situation. Es sei abends gegen 22 Uhr gewesen, schilderte A. mit erstickter Stimme den „verhängnisvollen Tag“: Anny habe Melone geschnitten am Esstisch. Sie habe auf dem Stuhl an der Tür zum Flur gesessen. „Als ich ins Bad gehen wollte, musste ich an ihr vorbei“, so Jack. Da habe sie das Messer in die Hand genommen. „Ich hatte Angst.“ Obwohl sie eigentlich eine liebevolle und friedliche Person sei. Laut seiner Schilderung griff der Angeklagte nach Annys Hand, drehte das Messer in ihre Richtung. An die Stiche oder den genauen Verlauf des folgenden Kampfes könne er sich erinnern, erwiderte A. auf detaillierte Nachfragen. „Ich habe die Kontrolle verloren.“

Irgendwann lagen beide auf dem Boden, als es lautstark an der Tür klopfte. Die Nachbarin hatte den Lärm aus der Wohnung mitbekommen, und kündigte an, die Polizei zu holen. Da sei es hinter der Tür bereits still gewesen, zuvor habe sie Hilfeschreie gehört, schilderte die Zeugin.

Dass die Polizei kommen würde, so viel Deutsch verstand auch Jack A. Er wusch sich das Blut ab, zog sich etwas über, versuchte auch Anny mit einem Handtuch sauber zu machen. Ob seine Freundin da noch lebte, habe er nicht gewusst. Auf die Idee, den Krankenwagen zu rufen, sei er nicht gekommen.

Als die Polizei an der Tür klingelte, öffnete A. und ließ sie hinein. Sofort habe er die leblose Frau am Boden gesehen, „überall war Blut“, sagte ein Beamter aus. Widerstandslos habe sich der Angeklagte durchsuchen lassen. „Er war sehr kooperativ.“ Auf die Frage, was passiert sei, habe A. von einem Streit mit seiner Frau berichtet, weil sie ihn nicht mehr heiraten wollte nach deutschem Recht. Doch eine Hochzeit sei seine einzige Chance gewesen auf ein Leben in Deutschland, soll A. gesagt haben.

Ob er nicht verzweifelt gewesen sei, wollte auch die Nebenklage von A. wissen. Doch der verneinte: „Ich habe nie die Hoffnung verloren.“

Der Prozess wird am 18. März fortgesetzt.

Nadine Materne

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