Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Freie Therapiepraxen bangen um Existenz
Lokales Segeberg Freie Therapiepraxen bangen um Existenz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:37 05.10.2018
Treffen bei Physiotherapeut Michael Wagner (r.): Die Kolleginnen Mara Kunkel, JytteBuß, Gudrun Schmidt und CDU-Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann. Quelle: Heike Hiltrop
Wahlstedt/Fahrenkrug

 Gesundheitsstandort Segeberg: Das klingt so gut, dass sich schon seit Jahren bestens damit werben lässt. Doch schon angesichts bedrohlich sinkender Hausarzt-Zahlen wird deutlich, dass es mehr bedarf als knackiger Werbesprüche und bunter Flyer. In der Gesundheitsbranche rumort es.

Längst schlagen auch die Physiotherapeuten und Heilpraktiker Alarm. Aus ihrer Sicht steht es schlecht um die freien Praxen, wenn sich nicht bald etwas ändert. Das sagen Michael Wagner, Gudrun Schmidt, Jytte Buß und Mara Kunkel. Die vier sind selbst betroffen und erheben jetzt ihre Stimme. Sie wollen der Forderung ihres Spitzenverbandes, dem der Heilmittelverbände (SHV), Nachdruck verleihen, den Status der Therapieberufe aufzuwerten.

Die derzeitige Lage bereitet ihnen große Sorge: Heilmittelverschreibungen würden von Ärzten gedeckelt, gegenüber festangestellten Kollegen in den Krankenhäusern seien die freien Therapeuten schlechter gestellt – und ihre Ausbildung müssten sie auch selbst finanzieren. Alles zusammen trage dazu bei, dass der Nachwuchs fehle, Kollegen ihren nicht auskömmlichen Job an den Nagel hängten, kritisieren Wagner und seine Mitstreiterinnen.

Therapeuten aus Wahlstedt und Fahrenkrug schlagen Alarm

Sie haben nun Unterstützung beim Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann (CDU) eingefordert. Als Mitglied im Petitionsausschuss kennt er die Situation im Heilmittelbereich seit 2013. Damals sei es in der Petition einer Norderstedterin um die deutlich schlechtere Vergütung gegangen. Zwar kam sie nicht auf die erforderlichen 50 000 Unterschriften für ihr Anliegen. Dennoch habe er eine Anhörung der Petentin möglich gemacht, so Storjohann.

Die Fraktionen erkannten das Problem. Ergebnis: Sie ebneten den Weg dafür, dass bis Ende 2019 Therapieberufe besser bezahlt werden können. Nun läuft diese Frist ab, und es unklar, wie es weitergeht.

Die Forderungen der Therapeuten sind: Abschaffung der Schulgeldpflicht, dafür eine Ausbildungsvergütung für Nachwuchstherapeuten. Doch das wird nicht einfach: Ausgebildet wird an privaten Schulen – und einheitlich sei das auch nicht, so Wagner. Ein weiteres erwünschtes Ziel: die Vergütungen sollen weiter erhöht werden. Wagner: „Wir sind beim Verdienst noch lange nicht dort, wo die normale Bevölkerung liegt.“

Ein Facharbeiter in der Industrie verdiene 22 Euro die Stunde, „wir speisen unsere Mitarbeiter mit 13, 14 Euro die Stunde ab. Mehr können wir als Selbstständige einfach nicht leisten“. Außerdem würden die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Ärzte unter Druck setzen zu sparen. Wagner: „In Niedersachsen haben die KVen den niedergelassenen Ärzten Regressfreiheit versprochen, wenn sie 3,85 Prozent unter den Zahlen vom Vorjahr bleiben, was die Heilmittelverordnungen angeht.“ Das sorge dafür, dass Patienten aus finanziellen Gründen nicht immer die Behandlung bekommen, die für sie nötig sei, bemängeln die Therapeuten, die eine grundlegende Änderung des Systems fordern.

 Teilweise gebe es bei besonderen Behandlungen mit Zusatzqualifikation, etwa für Schlaganfall- oder Parkinsonpatienten, weniger als bei einer normalen Behandlung. „Eigentlich ist man verrückt, wenn man die Qualifikation macht, die viel Geld kostet. Aber wir wollen unseren Patienten bestmöglich helfen“, sagt Gudrun Schmidt. „Bei der Lymphdrainage ist es noch viel dramatischer: Die Ausbildung kostet 9000 Euro, und da sind Arbeitsausfall und Übernachtungen noch gar nicht mit drin. Da zahlt man nur noch drauf“, rechnet die Krankengymnastin aus Fahrenkrug vor. „Wir kämpfen dafür, einen Euro pro Minute zu bekommen.“ „Das zahlt man bei einer Autowaschanlage für die Hochdruckreinigung“, wirft Storjohann ein. Gudrun Schmidt: „Man darf da gar nicht drüber nachdenken.“

Heike Hiltrop

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gewa, das ist Wahlstedts größtes Schaufenster. Etwa 80 Aussteller präsentieren sich, und die ganze Stadt schaut vorbei. Schauen, spielen, informieren heißt es bis einschließlich Sonntag, 7. Oktober.

05.10.2018

Haftbefehl wegen versuchten Mordes: Gegen den 20-jährigen Somalier, der am Mittwoch einen Landsmann in der Landesunterkunft Boostedt mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben soll, wurde am Freitag Haftbefehl erlassen.

05.10.2018

Überraschungsbesuch bei den E-Jugend-Kickern von Eintracht Segeberg: Jann Fiete Arp und Matti Steinmann, Jungprofis beim Zweitligisten Hamburger SV, trainierten mit den Lütten. Und gaben anschließend geduldig viele Autogramme.

04.10.2018