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Frisches aus der Zapfsäule: Eine Milchtankstelle für Fahrenkrug

Fahrenkrug/Kisdorf Frisches aus der Zapfsäule: Eine Milchtankstelle für Fahrenkrug

Landwirt Jörg Böttger setzt ab Anfang Mai auch wegen der schlechten Marktlage künftig auf Direktvermarktung. Anfang Mai kommt die Anlage, dann geht Fahrenkrugs erste Milchtankstelle ans Netz — die zweite im Kreis Segeberg.

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Landwirt Ingo Pingel-Schümann aus Kisdorf betreibt seit Ende November die erste Selbstbedienungs-Milchtankstelle im Kreis Segeberg. Herzstück ist ein in der Direktvermarktung üblicher Automat.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Fahrenkrug/Kisdorf. Wer durch Fahrenkrug fährt, dem fällt unweigerlich eine große Holztafel an einem Bauernhaus auf. „Hier entsteht eine Milchtankstelle“ steht in großen Buchstaben auf der Platte, die eine Türöffnung verbirgt. Landwirt Jörg Böttger hat sie angebracht und er ist schon gespannt, wie die Leute auf sein Angebot, am Automaten frische Rohmilch „zapfen“ zu können, reagieren werden. Anfang Mai soll es losgehen.

LN-Bild

Landwirt Jörg Böttger setzt ab Anfang Mai auch wegen der schlechten Marktlage künftig auf Direktvermarktung.

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„Ich glaube an die Idee und hoffe auf Erfolg."  Jörg Böttger, Landwirt

Doch noch steckt Böttger mitten in den Vorbereitungen: Einen sechs Quadratmeter großen Raum hat er von seinem Hofgebäude abgetrennt, gerade war der Elektriker da. Auch die blauen Fliesen, die dem Raum mal einen ländlich- idyllischen Touch geben sollen, liegen schon bereit. Anfang Mai kommt die Anlage, dann geht Fahrenkrugs erste Milchtankstelle ans Netz — die zweite im Kreis Segeberg.

Immer mehr Landwirte sehen eine Chance in der Direktvermarktung. Grund dafür sind die konstant schlechten Milch-Preise, die sie erzielen (derzeit rund 24 Cent). Gleichzeitig wächst der Wunsch der Verbraucher nach regionalen Produkten. Die Milchtankstelle, 24 Stunden für Selbstbediener geöffnet, gehört sozusagen zu einem Direktvermarktungs-Light-Konzept.

Was sich dahinter verbirgt, zeigt ein Besuch bei Milchbauer Ingo Pingel-Schümann. Das leuchtend blaue Hinweisschild lockt schon von weitem auf seinen Hof. 160 Kühe nennt Pingel-Schümann sein Eigen.

Hier an der Segeberger Straße in Kisdorf hat der Landwirt seine Weiden, die Ställe und, in Sichtweite gleich gegenüber, eben auch seine Milchtankstelle. Genauer gesagt ist es ein Holzhäuschen mit offener Front. Die einfache Inneneinrichtung: ein Tischchen mit einer Rolle Küchenpapier, Regale, in denen Glas- und PET-Flaschen fein säuberlich einsortiert sind, wichtige Hinweise, etwa dass Rohmilch vor dem Verzehr kurz abgekocht werden sollte, und ein Automat. Das Herzstück. Der Kunde nimmt also eine leere Flasche, stellt sie in das dafür vorgesehene Fach, wirft einen Euro in einen Schlitz, drückt einen Knopf — und schon füllt sich das Gefäß mit einem Liter frischer Rohmilch. Ende November ist der Landwirt mit seiner Tankstelle gestartet. Die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus: „Am ersten Tag habe ich 70 Liter verkauft, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Das Ziel sind 80 Liter, aber soweit ist es noch lange nicht.“ Klar gebe es starke und nicht so starke Tage, schiebt er nach, aber „es war eine gute Idee und trägt dazu bei, dass es leichter geht“, spielt er auf die prekäre Situation der Milchbauern an.

Ingo Pingel-Schümann glaubt an das Konzept. „Was hier manchmal sonntags los ist — unglaublich. Viele Leute gucken erstmal bei den Kühen vorbei. Ich dachte anfangs das läuft anonymer, aber man schnackt immer mal. Die Leute sind sehr interessiert.“

Auch Jörg Böttger, der in einer Betriebsgemeinschaft mit Landwirt Bernd Reimers mit 65 Kühen auf 1600 Liter Milch am Tag kommt, hält die Tankstelle für sinnvoll. Anvisiert seien mindestens 50

Liter täglich, dann rechne sie sich. „Das hat überhaupt keinen Einfluss auf den Milchmarkt, aber für mich persönlich macht es sich sehr wohl bemerkbar.“ Rund 10000 Autos kämen täglich an seinem Hof vorbei. Etliche potenzielle Kunden. Böttger glaubt an den Erfolg. Gut 20000 Euro hat er dafür investiert.

Milchautomaten in Direktvermarktungs-Konzepten gibt es schon seit einigen Jahren. Neu hingegen ist das Rundum-Marketingkonzept als Milchtankstelle. Es gibt Hinweisschilder, passend bedruckte Flaschen, eine Homepage mit den Standorten. 126 sind es bisher in den Niederlanden, Österreich und Deutschland, ab Mai zwei davon im Kreis Segeberg. Tendenz steigend. Drei Faktoren seien für die starke Nachfrage verantwortlich, sagt Dirk Hensing aus Emsdetten. Er leitet die Generalvertretung, hat das Projekt entwickelt: „Der Milchpreis, das Umdenken im Lebensmittelbereich und die Wertschätzung der Verbraucher für gute Produkte: Beim Essen gilt die Geiz-ist-geil-Mentalität zum Glück nicht mehr.“

Wie einst, nur hygienischer

30 Milchtankstellen , schätzt Jan Hansen, der Automaten und Konzept vertreibt, könnte es in Zukunft in Schleswig-Holstein geben. An der Westküste sei die Nachfrage derzeit besonders hoch.

Wie vor 50 Jahren können Verbraucher ihre Milch immer häufiger direkt vom Bauernhof bekommen. Befüllt werden die Automaten dort mit frischer Rohmilch, also unbehandelter Milch. Sie wird gekühlt gelagert und schmeckt anders als Frischmilch aus dem Geschäft, da ihr Fettgehalt etwas höher ist. Abgefüllt wird sie an den Tankstellen in Glas- oder PET-Flaschen, die können dort gekauft werden oder man bringt sie selbst mit. Aber Achtung: Das Gefäß muss penibel gereinigt sein. Rohmilch sollte vor dem Verzehr abgekocht werden, um ein Restrisiko von Keimen auszuschließen.

Unlängst war es in der Wesermarsch zu schweren Durchfallerkrankungen gekommen, weil Kunden das nicht getan hatten. hil

Von Heike Hiltrop

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