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Fünfeinhalb Jahre für Mordversuch

Fünfeinhalb Jahre für Mordversuch

Kiel/Trappenkamp - Die 8. Strafkammer am Landgericht Kiel wies dem Angeklagten aus Trappenkamp Vorsatz und Heimtücke nach.

Segeberg. Die nächsten fünf Jahre wird der 33-jährige Asylbewerber R. aus Afghanistan im Gefängnis verbringen. Die achte Strafkammer am Landgericht Kiel unter Vorsitz von Jörg Brommann verurteilte ihn gestern wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren und sechs Monaten. Staatsanwalt Timo Beck hatte neun Jahre gefordert. R. sitzt seit der Tat am 19. April dieses Jahres in Untersuchungshaft. An jenem Tag hat er in seiner Wohnung am Irisstieg in Trappenkamp den Iraner M. (20) mit einem Messer schwer verletzt. An den Folgen leidet der junge Mann noch immer. R. gestand zwar die Tat, wies aber Vorsatz und Heimtücke zurück. Die Kammer wiederum kam nach einer zweitägigen Beweisaufnahme zu dem Schluss, dass R. durchaus den Vorsatz gefasst hatte, M. zu töten und bei der Tat auch heimtückisch vorgegangen ist. Als Zeugen sagten die Ehefrau des Angeklagten, die gemeinsame neunjährige Tochter, das Opfer, Polizeibeamte und Nachbarn aus; gehört wurde der psychiatrische Gutachter Dr. Michael Jehs. Richter Jörg Brommann ging in seiner Urteilsbegründung noch einmal ausführlich auf die Biografie des jungen Mannes ein, die – zusammengefasst – viele Brüche und wenig Freudvolles zeigt. Er wurde in Afghanistan geboren, wuchs im Iran auf, heiratete seine Cousine und bekam eine Tochter. Bei einem kurzen beruflichen Aufenthalt in Afghanistan wurde er gefangengenommen und gefoltert. Schleuser brachten die Familie 2011 nach Deutschland; Frau und Tochter leben seit August hier, R. kam erst im Dezember ins Land. In der Zwischenzeit hatte seine Frau (30) bei einem Sprachkursus einen iranischen Landsmann (20) kennengelernt, der für sie, die ebenso wie ihr Mann weder Deutsch noch Englisch spricht, dolmetschte und auch darüber hinaus behilflich war. R. fühlte sich durch die Freundschaft der beiden hinausgedrängt und unterstellte ihnen ein Verhältnis; er reagierte empfindlich, beleidigt, schlug seine Frau hin und wieder und verletzte sich auch selbst. Die drei lebten in der Wohnung in wechselnder Besetzung. In dieser Beziehung – die eigentlich schon keine mehr war – überwogen die kritischen und unschönen Momente. R. merkte, dass die familiäre Struktur sich auflöste und verspürte gegenüber M. eine steigende Ambivalenz. Am 19. April griff er zum Messer und ging auf den Iraner los. „Er ist mit Vorsatz vorgegangen“, befand die Kammer. Der Plan, M. zu töten, sei vor längerem aufgrund der konfliktreichen Situation entstanden, auch habe R. die Absicht, M. umzubringen, ein- zweimal geäußert. Für den Vorsatz spreche ebenfalls der gezielte Stich in den Rücken, einige Zentimeter tief. Auch das Mordmerkmal „Heimtücke“ wies die Kammer dem Angeklagten nach: M. habe zur Tatzeit arg- und wehrlos auf dem Bett gesessen, ein Bein über das andere geschlagen und den Laptop auf den Knien balanciert. Und er habe dem hereinkommenden R. die linke Schulter zugewandt. Diese Situation habe R. wahrgenommen und sich zunutze gemacht. „Das Opfer wurde hinterrücks angegriffen“, betonte Brommann. Außerdem habe R. noch mal mit dem Messer nachgesetzt – ebenfalls ein Indiz für Heimtücke. Blieb noch die Frage, inwieweit die Steuerungsfähigkeit bei R. zum Tatzeitpunkt beeinträchtigt war. Und hier stellte der Richter erneut die konfliktreiche Beziehung der Eheleute heraus, die der Nährboden für die Eskalation gewesen sei. Der Affektstau entlud sich in jenem Moment, als R. in das Schlafzimmer kam und seine Frau nebst M. auf dem Bett sitzen sah – eine doch intime Situation. „Das war der Moment, wo ihm der Deckel wegflog“, bemerkte Brommann etwas flapsig. Die verminderte Schuldfähigkeit war auch ein Grund für das vergleichsweise milde Urteil. Ebenso wie der misslungene Mordversuch. Das Opfer, sagte Brommann, sei nicht lebensgefährlich verletzt worden. Zu Gunsten des Angeklagten sprach seine teilweise Geständigkeit und dass er nicht vorbestraft ist. Brommann stellte heraus, das R. als besonders haftempfindlich anzusehen sei: „Er spricht kein Deutsch und rutscht im Gefängnis weiter in die soziale Isolation.“ Mittlerweile ist sein Asylantrag abgelehnt worden. Ob R. die volle Strafe absitzen muss, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

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