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Für den Frieden: Haushaltsgegenstände aus Waffen

Boostedt Für den Frieden: Haushaltsgegenstände aus Waffen

Die Panzerfaust wird zum Becher, die Gasmaske zum Kerzenständer: Gebrauchsgegenstände aus der Nachkriegszeit sind das Steckenpferd von Olaf Weddern. Kannen, Kellen, Kerzenhalter, Kinderspielzeug: Über 250 „Konversionsgegenstände“ nennt der 47-jährige Boostedter sein eigen.

Wie viel Liebe steckt dahinter, wenn ein Vater aus Mangel alte Munitions-Blechdosen und Holz nimmt, um daraus eine Eisenbahn als Weihnachtsgeschenk für seinen Sohn zu bauen? Sammler Olaf Weddern besitzt über 250 Konversionsgegenstände, die in der Nachkriegszeit entstanden sind.

Quelle: Heike Hiltrop

Boostedt. Seine Sammelleidenschaft fing als Jugendlicher an. Damals, als die Großeltern von Olaf Weddern vom „Scheinflugplatz“ während des Zweiten Weltkriegs auf den Äckern hinterm Haus erzählten. Sogar Flugzeuge hätten dort gestanden. Attrappen. Holzmodelle im Maßstab eins zu eins, um die Alliierten zu täuschen. Bis schließlich doch die echten Bomber kamen. Aus Erzählungen im Dorf erfuhr er vom Absturz einer Lancaster. Er suchte nach Überresten, grub mit einem Freund einen der verbeulten Propeller aus schlammigem Boden. Heute steht der in einem Zimmer seines Hauses, in dem sich allerhand Hausrat und Gebrauchsgegenstände aus der Nachkriegszeit stapeln: Konversionsgegenstände.

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Mit der Dose vom Flohmarkt, die wie auch die Kerzenständer einst Teil einer Gasmaske war, oder das Blechsieb, das unverkennbar die Form eines Helms hat, wurde Wedderns Interesse geweckt: „Ich bin kein Militariasammler, ich habe mich für die friedliche Seite entschieden“, sagt der 47-jährige Dozent an der Fachhochschule in Altenholz und zieht einen hölzernen Nähkasten aus einer der Vitrinen.

Omas Klassiker aus dem Ende der 40er Jahre: Zwei mal zwei Fächer, die sich per Griff aufziehen lassen. Einfache Bauernmalerei auf dunkelblauem Grund schmückt ihn. Niemand würde darauf kommen, dass er aus Munitionskisten zusammengezimmert ist.

„Hier wird noch deutlicher, was es einmal war“, sagt der Sammler, greift nach einer braun emaillierten Kaffeekanne mit Blumendekor und einem Blechbecher, setzt sie aneinander: Die Konturen einer Panzerfaust sind deutlich. Auch die mit einfachen Blümchen bemalte Glasschüssel verbirgt durch ihren trügerischen Schein, für was sie tatsächlich einmal gedacht war: Als nicht zu ortende Mine im Boden vergraben, hätte ihre Detonation Leid und Tod gebracht.

Man sieht den Gegenständen ihren Schreckensursprung nicht an. Nirgendwo liegen Krieg und Frieden so dicht beieinander wie in der wohl deutschlandweit größten Sammlung dieser Art mit bummelig 250 Stücken, denen der Schreckensursprung nicht mehr anzusehen ist. Umgenutzte (Konversion) Dinge, die an genau den Fertigungsbändern entstanden, die im Nazi-Regime Teil der Rüstungsindustrie waren. Manche wurden aus dem gebaut, was in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit zu bekommen war. So, wie die Spielzeugeisenbahn aus Munitionsdosen, das Mini-Karussell aus Gasmaskenteilen und der kunstvoll geschneiderte Wintermantel aus Heeresverpflegungssäcken.

Weddern: „Jedes Stück ist eine Besonderheit.“ Die meisten Gegenstände kamen dieses Jahr dazu, als sich Christian Meyer bei ihm meldete, der eine ganze Museumsabteilung von 1945 bis 1948 abgeben wollte. Alles Stücke aus einem Museum in der ehemaligen DDR, die nicht mehr ins Konzept passten. „So ein Angebot ist einmalig, darum habe ich zugesagt.“ Nun stapeln sich Kisten im Haus. Da sind kleine Öfen aus Blechdosen gebaut, um Essen irgendwie warm zu bekommen, die selbstgeschnitzten Holzschuhe und Vieles mehr – nicht nur Konversionsgegenstände. „Meine Familie hat damit kein Problem“, sagt Olaf Weddern. Dennoch sucht der Familienvater nun ein Museum, das seine Sammlung „am liebsten als Sonderausstellung“ dem Publikum zugänglich macht. „Das alles braucht einfach Fläche.“

 Von Heike Hiltrop

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