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Für mehr Mutausbrüche

Bad Segeberg Für mehr Mutausbrüche

Stärken stärken, den Fokus auf Gelingendes setzen und den Mut haben, unvollkommen zu sein: Die Bad Segebergerin Maren Müller hat sich dem positiven Denken verschrieben und gibt Tipps an Eltern, Berufs- und Selbsthilfegruppen. Ein Besuch bei der Ermutigungstrainerin.

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Für Maren Müller ist das Ermutigungstraining auch ein Ausgleich zu ihrem Beruf als Ergotherapeutin, in dem es eher darum geht, was Patienten nicht können.

Quelle: Foto: Irene Burow

Bad Segeberg. Ob sie an diesem Morgen schon etwas entmutigt hat? Darüber muss Maren Müller erst mal nachdenken. Ein Termin am Vormittag sei geplatzt, sagt sie. Was ganz schön gewesen sei, denn das hat ihr erlaubt, viel ruhiger in den Tag zu starten, als es vorgesehen war.

Und gleich wird klar: Kritische Stimmen haben hier wenig Raum. Optimismus geht vor. Die Gegenbewegung zu stärken – das erfordert eine bewusste Entscheidung, sagt sie dann. „Sonst passiert das Negative automatisch“, ist Maren Müller überzeugt. Gegenbewegung, damit meint sie das Gegenteil von dem, was oft zu beobachten ist: Hupende Autofahrer, nörgelnde Kunden an der Supermarktkasse, Meckern über Radfahrer in der Fußgängerzone und allgemeine Unzufriedenheit – gegenüber anderen und mit sich selbst. „Ich erlebe unsere Gesellschaft tendenziell eher negativ“, sagt die 49-Jährige. Zum einen sei das begründet in einer tief verwurzelte Überlebensstrategie: „Man achtet schneller auf das Nichtgelingende, und das Negative wird schneller abgespeichert, damit man Fehler kein zweites Mal macht“, sagt Maren Müller. Zum anderen lebten wir in einer Leistungsgesellschaft. „Wir haben eine hohe Fehlerorientierung in uns. Das fängt schon in der Schule an, wo in der Regel die Fehler angestrichen werden.“ Die Lebensmelodie in anderen Ländern sei teilweise ganz anders.

Wer sich für ein Ermutigungstraining entscheidet, der entscheidet sich erst mal für sich selbst. „Es geht um Freundschaft mit sich.“ Denn die wird oft vernachlässigt. Und für diese Seelenhygiene gibt es Werkzeuge. Man kann sich zum Beispiel fragen, was man für andere tut, um ihnen eine Freude zu machen: Interesse zeigen, an Geburtstage denken, sich melden, Zeit verbringen, Tee trinken, Blumen schenken. „Vieles davon kann man auf sich selbst projizieren“, sagt Maren Müller. Es sei wichtig, sich selbst etwas zu gönnen. Denn nur wenn man gut mit sich umgeht, kann man es auch mit anderen.

Das Repertoire in ihrer „Werkstatt“ hat die Bad Segebergerin über Jahre gesammelt. 2005 hörte sie zum ersten Mal vom Encouraging-Training und war fasziniert von dem positiven Ansatz. Drei Jahre Trainerausbildung am Adler-Dreikurs-Institut folgten. Dort wird auf Basis der Individualpsychologie Alfred Adlers gearbeitet. Diese geht aus von einem optimistischen Menschenbild. Das bedeutet:

Menschen sind sozial, im Kern gut, sie handeln unvollkommen, und sie können Entscheidungen treffen. Also zum Beispiel auch für eine bewusste Lebensgestaltung. „Das ist Alltagspsychologie. Jeder kann sich fragen, was er heute tun kann, um etwas zu verbessern“, erklärt sie. Seit 2008 bietet die 49-Jährige Tagesseminare an, Trainings für Erzieher und in Selbsthilfegruppen, manchmal für Einzelpersonen. Es sind zumeist Frauen, die kommen. Die sich in der Lebensmitte fragen, was noch mehr zu ihnen passt, mehr Erfüllung bringt, außer das Vertraute. Aber es sind auch Menschen im Rentenalter, die soziale Kontakte vermissen und ihr Leben sinnvoll gestalten wollen.

Anerkennung tut gut, diese Rechnung ist im Grunde ganz einfach. Sich und andere aufzubauen, heißt Stärken wahrnehmen und äußern, fehlerfreundlich agieren, aber auch etwas riskieren und so die Lebensqualität zu verbessern. Es heiße aber nicht, eine rosarote Brille aufzusetzen, mahnt die Trainerin. Sie vergleicht Ermutigung mit Dünger im Lebensgarten: Menschen sind wie Pflanzen darin, die mit ein bisschen Unterstützung leichter wachsen und gedeihen. „Sie sind nicht gefeit vor Gewittern und Hagelschauern, aber sie erholen sich leichter.“ Ermutigung heißt auch Grenzen setzen, notfalls Kontakte zu minimieren, wenn sie Energieräuber sind. Oder Ausgleiche schaffen.

Andere aufbauen, ist das auf Dauer nicht anstrengend? „Jein. Anstrengend ist es, wenn Menschen nicht offen dafür sind. Es ist wie in allen gebenden Berufen: Auch ich brauche ein gutes Umfeld, regelmäßige Empathiepartnerschaften“, erklärt Maren Müller. Doch wer am Guten wachsen will, der gehe beschwingter durchs Leben. „Es ist so kostbar. Man sollte keine Jahre vergeuden und sich Kleinigkeiten bewusst machen. Das kann einen Unterschied machen. Ich möchte das konstruktive Miteinander bereichern, denn das kann kein Geld dieser Welt ersetzen.“

Am Montag startet das Training

Am morgigen Montag,

6. November, startet ein Ermutigungstraining über sechs Abende an der Familienbildungsstätte Bad Segeberg, um 19.30 Uhr; Kosten: 48 Euro. Am Sonnabend, 11. November; gibt es ein Tagesseminar „Achtsamkeit und Selbstfürsorge“ an der FBS Bad Segeberg. Gedacht ist es für Menschen, die im Umgang mit Stress gelassener werden und etwas für ihre Gesundheit tun möchten.

Es läuft von 10 bis 17 Uhr, Kosten: 33 Euro.

Anmeldung jeweils unter der Telefonnummer: 04551/9636445.

Maren Müller ist Ergotherapeutin seit 1991 und hat diverse fachliche Fortbildungen absolviert, neben Encouraging-Trainerin ist sie unter anderem Focusing-Beraterin und Encouraging-Trainerin für Arbeit und Beruf; und hat sich mit verschiedenen Entspannungstechniken befasst.

Mehr Infos: www.die-ermutigungswerkstatt.de

Irene Burow

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