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Segeberg „Für mich gab es nichts zum Nulltarif“
Lokales Segeberg „Für mich gab es nichts zum Nulltarif“
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23:18 29.08.2014
Vier Landräte (v. l.): Jan Peter Schröder kommt nach Jutta Hartwieg, ihre Vorgänger sind Georg Gorrissen und Anton Graf Schwerin von Krosigk.
Bad Segeberg

Zum Schluss gab es am Abend stehenden Applaus von 200 Gästen für Jutta Hartwieg bei ihrem Abschied vom Kreis Segeberg in der Jugendakademie. Sie war die erste Landrätin in Schleswig-Holstein. Sie war zudem noch direkt vom Volk gewählt worden und sie war — das wurde in den Reden immer wieder angesprochen — unkonventionell in ihrer Amtsführung und nicht immer kompatibel mit ihrer Verwaltung gewesen.

„Von Anfang an war sie hochtourig im Einsatz“, lobte Kreispräsident Winfried Zylka in seiner ehrlichen Abschiedsrede. Der Umgang mit Menschen sei ihr nicht schwer gefallen. Aber Jutta Hartwieg habe einen „sehr individuellen Führungsstil“ gezeigt, an den sich nach Beobachtungen von Zylka längst nicht alle Mitarbeiter gewöhnt hatten. Er berichtete von spätabendlichen Sitzungen mit Mitarbeitern und auch davon, dass er deshalb selbst manchmal Mühe hatte, rechtzeitig abends nach Haus zu kommen.

Dazu kam: Jutta Hartwieg habe sich gerade an den Wochenenden ein „unheimliches Arbeitspensum“ auferlegt, in dem sie unermüdlich Vereine und Verbände besuchte. Das alles habe sie an die „Grenzen der Belastbarkeit“ geführt. Die Abwahl als Landrätin am 3. April habe Jutta Hartwieg „menschlich tief getroffen“. Jutta Hartwieg habe dem Kreis Segeberg treu gedient, bescheinigte er ihr. Staatssekretär Stefan Studt, Chef der Staatskanzlei, hob hervor, dass sich Jutta Hartwieg um die Metropolregion Hamburg hervorgetan habe. „Sie haben einen tollen Job gemacht, ihre rheinische Frohnatur wird uns fehlen.“ Der frühere Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) und Parteifreund von Hartwieg erklärte: „Du hast viel von Deinen Mitarbeitern erwartet, du hast aber auch selbst sehr viel psychisch und physisch geleistet.“ Ihr Lachen habe ihr Türen geöffnet, erklärte Hans-Joachim Grote, Oberbürgermeister der Stadt Norderstedt. Jutta Hartwig sei emotional, das werde Führungspersonen häufig als Schwäche ausgelegt. „Ich finde es wichtig zu zeigen, das hinter einer Führungsperson mit viel Verantwortung auch ein Mensch steckt“, betonte Grote. „Viele haben geschmunzelt und dann doch gesagt ,Unsere Jutta‘.“

Klartext, aber liebevoll redete ihr Stellvertreter in der Verwaltung, Dr. Georg Hoffmann: Es sei ein Versuch gewesen, das Landratsamt „anders zu führen als es ihre Vorgänger und alle anderen Landräte in den Kreisen getan haben“. Jutta Hartwieg sei vorrangig für die Vereine und Verbände da gewesen, weniger für die Politik. „Ich glaube, dass sich eine öffentliche Verwaltung für diesen Spagat wenig eignet.“ Trotzdem sei es ein spannender Versuch gewesen. „Dabei ist es Ihnen gelungen, sich selbst treu zu bleiben.“ Wenn etwas nicht gelang, haben Sie gelacht, wenn es immer noch nicht klappte, haben Sie geweint und dann wieder gelacht.“

Die Noch-Landrätin selbst bedankte sich bei ihren Beamten und Angestellten, sprach von dem „Kraftwerk Kreisverwaltung“. Die große Vielfalt des Ehrenamts habe sie erst als Landrätin kennengelernt.

Deshalb sei sie oft am Wochenende unterwegs gewesen. „Schmutzige Wäsche“ wusch sie nicht in ihren Abschiedsrede. „Besonders schmerzhaft“ sei gewesen, dass gerade in die Phase des Umbaus im Jugendamt der Kinderschutzfall in Bad Segeberg passierte. Konfrontation gehöre nicht zu ihren Stärken, habe sie dabei erfahren. „Es gab hier für mich nichts zum Nulltarif, darauf bin ich stolz.“

„Du hast viel erwartet, du hast aber auch selbst sehr viel psychisch und physisch geleistet.“
Björn Engholm, ehemal. Ministerpräsident

Wolfgang Glombik

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