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Segeberg Fund von "Molotowcocktails" überschattet Empfang in Warder
Lokales Segeberg Fund von "Molotowcocktails" überschattet Empfang in Warder
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22:28 26.04.2016
Für eine siebenköpfige Familie aus Afghanistan ist der Gasthof am See ein neues Zuhause geworden. Ihnen stehen Heimleiterin Susanne Neitemeier sowie Mariam Thamass und Wahbe Al Dakhel Allah (hinten, von links) als Dolmetscher zu Seite. Die jungen Frauen der Familie wollten nicht fotografiert werden. Quelle: Fotos: Dreu

Mit Waffeln in Herzform sind die ersten Bewohner, eine siebenköpfige Familie aus Afghanistan, gestern im ehemaligen Gasthof am See in Warder empfangen worden. Doch die herzliche Stimmung in der neuen Kreisunterkunft für Flüchtlinge erhielt einen deftigen Dämpfer, nachdem bekannt wurde, dass zwei Tage vor dem Einzug der Asylsuchenden sowie in der vergangenen Woche möglicherweise „Molotowcocktails“ im Gemeindegebiet gefunden wurden. An zwei verschiedenen Orten waren Glassplitter und Brandspuren entdeckt worden. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und den Staatsschutz in Kiel eingeschaltet.

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Erste Flüchtlinge in die Kreisunterkunft in Warder eingezogen — Im Vorwege sind in der Gemeinde zwei mutmaßliche Brandsätze entdeckt worden — Die Polizei ermittelt.

Zwischen den Ortsteilen Ouaal und Warder sowie zwischen Warder und Rohlstorf sind die möglichen Brandsätze am Wegesrand gefunden worden. Wollte damit jemand Verunsicherung schüren und den Menschen Angst machen? Ob die möglichen Brandsätze aber in einem Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterkunft in Warder stehen und wer sie gezündet haben könnte, ist bislang noch unklar. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagt Oliver Pohl, Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Kiel. Die Spurensicherung habe die Glassplitter eingesammelt und Reste der Brandspuren zur Untersuchung mitgenommen. Derzeit würden sie ausgewertet. Ob es sich bei den Glassplittern und Brandflecken tatsächlich um Reste von „Molotowcocktails“ handele, werde jetzt untersucht, so Pohl.

Von diesen Vorfällen hat die Familie aus Afghanistan, die gestern Vormittag aus der Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster nach Warder gebracht wurde, nichts mitbekommen. Damit bei ihrem Einzug alles problemlos klappt, waren die beiden afghanischen Dolmetscher Mariam Thamass und Wahbe Al Dakhel Allah aus der Flüchtlingsunterkunft in Schackendorf nach Warder gekommen. Darüber freuten sich die Neuankömmlinge sehr, von denen die meisten aber auch gutes Englisch sprechen.

Bei dem Ehepaar handelt es sich nicht um die Eltern der drei Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren und der beiden jungen Frau. Vielmehr ist der Mann der ältere Bruder der Geschwister. Zwar hatten sie Plastiktüten mit Kleidung dabei, doch für den zehnjährigen Normal Ahmad gab es in Neumünster offenbar nur einen Schlafanzug, in dem er in Warder ankam. Auch Essen war der Familie nicht mit auf den Weg gegeben worden.

Davon zeigte sich Heimleiterin Susanne Neitemeier irritiert, die allerdings nur einen kurzen Hilferuf über die WhatsApp-Gruppe der Helfer verbreiten musste. „Ich hatte geschrieben, dass wir zwar genug Reis und Nudeln haben, aber kein Salz und kein Öl. Kurze Zeit später war alles da“, so Susanne Neitemeier, die sich auch über eine Dose voller Herzwaffeln freute, die eine Helferin ebenfalls vorbeigebracht hatte.

„Dieser Helferkreis hier ist einfach enorm“, sagte Susanne Neitemeier, die mit der Hilfe der Ehrenamtlichen ein Spielzimmer und ein Nähzimmer in dem Einfamilienhaus auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs eingerichtet hat. Das Gebäude, das als Gemeinschaftshaus dienen soll, wird in „Haus am See“ umbenannt. Auch das einstige Bettenhaus, in das jetzt die afghanischen Flüchtlinge eingezogen sind, erhält einen neuen Namen — Sonnenhaus. Dafür haben sich die Helfer ins Zeug gelegt und Holzschilder mit einer großen Sonne für das Sonnenhaus und eines mit blauen Wellen für das Haus am See vorbeigebracht.

Kindersitze gesucht

Um in Bad Segeberg einkaufen oder sich in der Kleiderkammer des DRK in Klein Rönnau einkleiden zu können, sind die Bewohner des Flüchtlingsheimes in Warder auf einen Transporter vom DRK-Fahrdienst angewiesen. Was diesem allerdings fehlt, sind Kindersitze. „Die Familien, die uns bereits angekündigt worden sind, werden alle Kinder dabei haben. Deshalb wären wird für noch gut erhaltene Kindersitze in allen Größen dankbar“, so Heimleiterin Susanne Neitemeier. Wer Sitze abzugeben hat, kann sich unter ihrer Telefonnummer 01 51/74405933 melden. pd

Von Petra Dreu

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