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Fußball für Flüchtlinge

Bad Segeberg Fußball für Flüchtlinge

Jeden Montag kicken Trainer von Eintracht Segeberg mit jungen Migranten — zur Integration und Talentsuche.

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Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Iran und anderen Ländern. Bis zu 40 Flüchtlinge nutzen montags die Möglichkeit, bei Eintracht Segeberg Fußball zu spielen — um Kontakte zu schließen, die Freizeit abwechslungsreicher zu gestalten, Deutsch zu lernen.

Quelle: Fotos: Materne/hiltrop (2)

Bad Segeberg. Ein Mix aus verschiedenen Sprachen ist im Vorraum der Sporthalle der Schule am Burgfeld zu hören. Arabisch, Farsi, aber auch Deutsch sprechen die jungen Männer, die bereits eine viertel Stunde vor Trainingsbeginn auf Holger Tiemann warten. Der Mann mit dem Schlüssel. Es ist Fußballzeit. Seit einigen Wochen bietet Eintracht Segeberg den Flüchtlingen jeden Montag, 19 Uhr, ein kostenloses Training an — und das wird gerne genutzt. „Beim ersten Mal hatten wir mit 15, vielleicht 20 Leuten gerechnet“, erinnert sich Tiemann. „Dann waren es über 40.“

Einer der Jungen ist Mohamed. Der 15-Jährige ist eigentlich gar kein großer Fußballfan, erzählt er. Trotzdem kommt er mit den anderen Jungen aus seiner Wohngruppe regelmäßig zum Training. „Um Kontakte zu haben“, sagt er. Als Ausgleich zum Schulalltag und das Warten auf die Entscheidung des Asylverfahrens. Eintracht-Vorstand Tiemann und Mohamed haben sich vor einigen Wochen das erste Mal bei Sportspool getroffen, einer privaten Sportschule, die in Kooperation mit dem Verein „alleineinboot“ bereits länger Sport für Flüchtlinge anbietet. „Doch zum Fußballspielen war die Sportschule zu klein“, sagt Tiemann. „Also haben wir angeboten, das zu übernehmen.“ Für die Hallenzeit am Montagabend habe man nämlich noch keine Mannschaft gehabt. Seither kicken die jungen Männer bei der Eintracht. Bei Sportspool dagegen baut Eigentümerin Mirjam Wilke derzeit eine Muslima-Sportgruppe auf, wo Flüchtlingsfrauen ohne neugierige Blicke trainieren können.

Integration durch Sport — damit hat Tiemann lange Erfahrung. Das beste Beispiel ist Eintracht-Trainer Manam Kohi, ein gebürtiger Afghane. Der 49-Jährige ist Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland geflüchtet. Nach einem Regimewechsel damals sei er in Afghanistan als „Kommunist“ verfolgt worden. Denn Kohi hat in der ehemaligen UdSSR studiert, später in der Ukraine Maschinenbau und Pädagogik.

Mit Hilfe von Schleppern sei er ins Land gekommen. „Ich weiß, was die Jungs durchgemacht haben“, sagt er. Mit seiner Familie kam Manam Kohi damals in der Asylunterkunft in Schackendorf unter, kurz darauf spielte er mit seinem Sohn Sijad im örtlichen Fußballverein. „In einem Spiel gegen Eintracht schoss er sechs Tore“, erinnert sich Kohi. Vor den Augen Tiemanns, der die beiden in seinen Verein holte. „Holger hat uns sehr geholfen“, sagt Kohi, der 1997 seinen Trainerschein erwarb. Sprache lernen, Warten auf Entscheidungen der Behörden, Arbeit finden — er kennt all das. „Es war nicht leicht.“ Doch Kohi hat es geschafft. Und seit 2002 hat er den „Kartoffelausweis“, wie Kohi seinen deutschen Pass scherzhaft nennt. Sein Sohn, heute 26 Jahre alt, studiert in Lübeck.

Dass Manam Kohi nun selbst Flüchtlingen hilft, ist für ihn selbstverständlich. 30 junge Männer sind an diesem Tag zum Training gekommen. Die Halle ist klein. Sie werden in fünf Teams eingeteilt und spielen ein kleines Turnier. Bei der Einteilung der Mannschaften achtet Kohi auf eine gute Mischung der Nationalitäten. Damit sich die Jungs mit Respekt begegnen, erklärt er.

Und das klappt inzwischen auch, sagt Tiemann. Anfangs habe es schon mal das ein oder andere „Wortscharmützel“ zwischen den Spielern gegeben. Doch die Aggressivität sei gewichen. „Sie haben gemerkt, dass es hier nicht darum geht, eine Meisterschaft zu gewinnen.“ Und es gelte ganz klar: Wer sich nicht benimmt, kann gehen. Aber als Sportverein sehe er sich in der Pflicht, einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge zu leisten, betont Tiemann. So organisierte Eintracht Segeberg zusammen mit „alleineinboot“ vor wenigen Wochen auch ein internationales Fußballturnier, bei dem Einheimische und Neuankömmlinge gemeinsam Fußball spielten.

Ganz uneigennützig ist das Engagement des Vereins aber doch nicht. „Wir gucken natürlich auch, ob wir hier Talente finden“, so Tiemann. Einige Flüchtlinge seien bereits erfolgreich in verschiedene Mannschaften des Vereins integriert worden. Dazu zählt auch Jawad. Der Afghane lebt mit seiner Familie seit zwei Jahren in Wahlstedt. Er kommt gern zum Spiel. „Es macht einfach Spaß.“

Ich mache mit bei „alleineinboot“
Saskia Gleichmann (47) lebt in Bad Segeberg und ist seit November bei „alleineinboot“ aktiv. „Ich habe mehrere Berichte über den Verein im Schleswig-Holstein-Magazin gesehen und fand es super, dass Schüler das machen. Klasse, dass Jugendliche sich so engagieren“, erzählt die OP-Schwester. Dann habe sie davon gehört, dass auch ältere Leute mitmachen können. „Daraufhin bin ich einfach zur Misch-Bar dienstags gegangen, um mir das mal anzusehen. Dort habe ich festgestellt, dass ich schon einige der Organisatoren kenne, wurde zur Klausurtagung eingeladen und bin seither Mitglied.“ Saskia Gleichmann ist Sprach-Patin für einen Jugendlichen. Sie engagiert sich auch, weil sie anderen damit zeigen möchte, dass Ängste oft unbegründet und Flüchtlinge ganz normale Menschen sind, die Hilfe brauchen. „Mir haben die Pegida-Berichte Sorgen bereitet.“ hil
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Nadine Materne

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