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Segeberg Gabi, der unersetzliche Praktikant
Lokales Segeberg Gabi, der unersetzliche Praktikant
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18:19 20.02.2016

Seit einem Jahr lebt Gabi Hachicho (28) in Bad Segeberg. Er spricht bereits sehr gutes Deutsch. Sein sehnlichster Wunsch ist es, so schnell wie möglich wieder seinen Beruf als Apotheker ausüben zu können, in dem er bereits fünf Jahre im syrischen Aleppo gearbeitet hat. In der Südstadt-Apotheke von Dr. Michael Noack macht er ein Praktikum, um am Ball zu bleiben. Dort möchte man den jungen Mann, zu dem es eine 24-Stunden-Hotline für arabisch sprechende Kunden gibt, nicht mehr missen.

Für das Team der Südstadt-Apotheke ist der syrische Praktikant ein Glücksfall. Wie zum Beweis betritt gerade der Iraker Walid Alwakil die Apotheke. Seine deutschen Sprachkenntnisse reichen nicht aus, um den Angestellten zu erklären, was ihm fehlt. Der Praktikant ist sofort zur Stelle. Er übersetzt, was der Kunde sagt, so dass Nicola Warnke, Pharmazeutisch-Technische-Assistentin, ein Medikament auswählen kann. Erneut sind die Sprachkenntnisse von Hachicho gefragt, der dem Asylbewerber nun übersetzt, wie er das Medikament einzunehmen hat.

„Ohne Gabi wären wir völlig hilflos. Er ist eine absolute Bereicherung. Er versteht die hiesigen Abläufe und kann sie wunderbar erklären“, sagt Michael Noack, der auf den Praktikanten am liebsten nicht mehr verzichten möchte. Einstellen kann er ihn aber auch nicht, denn bevor der junge Mann in seinem Beruf arbeiten darf, muss er eine B 2-Deutschprüfung bestehen, und sein Studienabschluss muss in Kiel anerkannt werden.

„Dort wird nach Aktenlage entschieden“, weiß Noack. Wenn es gut läuft, müsse sein Praktikant nur das 3. Staatsexamen ablegen, denn die Unterlagen der Tishrin Universität, die dieser aus Syrien mitgebracht habe, seien aussagekräftig. „Ich habe mir alles angesehen. In Teilen geht die syrische Ausbildung sogar über unsere hinaus.“ Auch seine Frau Birgit Noack ist von der fachlichen Qualifikation ihres Praktikanten überzeugt. „Auch die schulische Ausbildung ist sehr gut“, sagt sie.

Das Ehepaar bedauert, den syrischen Apotheker nur wie in einem Schülerpraktikum beschäftigen zu können. Mehr sei nicht erlaubt. Dabei seien die Wirkstoffe in Syrien und Deutschland gleich. Teilweise sind sogar die Namen den Medikamente identisch. „Voltaren heißt auch in Syrien Voltaren“, sagt Gabi Hachicho, der so schnell es geht, auf eigenen Beinen stehen möchte. Einen Platz für den B

2-Sprachkursus an der VHS in Bad Segeberg hat er bereits sicher. Allerdings beginne der Kursus erst in sechs Monaten. „Ich würde gerne früher damit anfangen“, betont er.

Dr. Michael Noack unterstützt seinen Praktikanten, könnte sich vorstellen, ihn einzustellen. Das allerdings nicht ganz uneigennützig. Noack: „Mit ihm ist endlich mal ein anderer Mann in der Apotheke.

Sonst war ich immer allein.“

Petra Dreu

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