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Segeberg Gänseliesel bekommt ihren Kopf zurück
Lokales Segeberg Gänseliesel bekommt ihren Kopf zurück
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22:19 09.09.2013
Seit neun Monaten ist die Brunnenfigur des Künstlers Ervin Bossanyi kopflos. Der verbliebene Teil der Gänseliesel, wie sie von Bad Segebergern genannt wird, ist hinter der üppigen Bepflanzung es Brunnenbeckens kaum noch zu erkennen. Nun soll sie endlich restauriert werden. Quelle: Fotos: nam (2)/hil

Es ist bereits neun Monate her, dass Unbekannte den sogenannten Gänselieselbrunnen am Eingang zur Fußgängerzone in Bad Segeberg mutwillig zerstörten. Der schönen Brunnenfigur wurde in der Neujahrsnacht der Kopf abgeschlagen und der Torso zertrümmert. Die Suche nach den Tätern hat die Polizei inzwischen erfolglos eingestellt. Die verbliebene untere Hälfte der Brunnenfigur ist derzeit kaum noch zu sehen. Sie verschwindet hinter Büschen, die im Brunnenbecken gepflanzt wurden. Ein schrecklicher Anblick, findet Edith Jahnke-Duffy. Die Bad Segebergerin wohnt ganz in der Nähe, läuft fast jeden Tag an den kläglichen Überresten der Figur vorbei und fragt sich oft, was mit der Gänseliesel passieren soll. Inzwischen gibt es darauf eine Antwort: Die Brunnenfigur wird restauriert. „Der Auftrag ist vergeben“, berichtete Robin-Arne Otten von der Stadt auf Anfrage.

„Das ist ja eine tolle Nachricht“, Edith Jahnke-Duffy erfreut. Sie habe schon das Gefühl gehabt, die Stadt habe das Interesse am Brunnen verloren. Die Skulptur des jüdisch-ungarischen Künstlers Ervin Bossanyi (1891 bis 1975) ist für die ältere Dame von besonderer Bedeutung. Sie kenne den Sohn des Künstlers: Jo Bossanyi. „Er lebt in England, in Oxford“, sagt Edith Jahnke-Duffy, die selbst eine Weile dort gewohnt habe. Außerdem besitze sie ein „sehr schönes Buch“ über Leben und Werk Bossanyis. Sie bedauert, dass in Segeberg kaum etwas bekannt sei über den Künstler, der 1928 dieses „kleine Kunstwerk“ Brunnenfigur schuf. „Er hat in ganz Schleswig-Holstein wunderschöne Sachen gemacht“, sagt sie. Bis er mit Frau und Kind nach England flüchtete, als sich die „braunen Horden“ in Deutschland breit gemacht hatten. Im Ausland erwarb er sich großes Ansehen mit seiner Kunst, betont Edith Jahnke-Duffy. Eine „großartige, bewundernswerte Arbeit“ seien seine Glasfenster in der Canterbury Cathedral.

Bossanyis Brunnenfigur wird von einem Landsmann restauriert. Josef Farkas ist Ungar, lebt aber seit über 20 Jahren in Deutschland, ist Maler, Bildhauer und Kunstprofessor. Der 77-Jährige hatte aus der Zeitung von der zerstörten Figur erfahren und seine Hilfe angeboten. In zwei bis drei Wochen werde er mit der Arbeit beginnen, berichtet Farkas Tochter Anna Timmann. Unklar sei noch, ob Farkas die Figur vor Ort zusammensetzen soll oder ob er die Bruchstücke in seine Werkstatt nach Lübeck bekommt, um sie aufzubauen. Farkas, der derzeit in persönlichen Angelegenheiten in Ungarn unterwegs sei, kenne den Brunnen, berichtet die Tochter. Vor über zehn Jahren habe er ihm eine neue Glasur gegeben.

6750 Euro wird die Restauration der Brunnenfigur kosten, sagt Otten. Er hofft, dass die Arbeiten an der Figur noch vor Wintereinbruch abgeschlossen werden können. Nächstes Frühjahr soll dann auch die Bepflanzung entfernt, der Brunnenboden neu gegossen werden und das Wasser wieder fließen.

Auch der Janus-Brunnen soll wieder plätschern
Seit zwei Jahren ist der Janus-Brunnen vor der Volksbank außer Betrieb. Zunächst sei das Bronzerohr zwischen den massiven Steinstelen aus der Halterung gebrochen worden, erinnert sich Robin-Arne Otten. Dort habe es dann einige Zeit gelegen, ist inzwischen aber seit vielen Monaten verschwunden. „Zu Geld gemacht“, vermutet Otten. Mitte Oktober soll aber mit der Reparatur des 1993 errichteten Brunnens begonnen werden.

Billig wird das nicht: 10 000 Euro sind für die Restauration vorgesehen. Laut Otten kostet allein das Bronzerohr 3000 Euro. „Bronze ist das Material für Kunstgegenstände“, sagt er. Die Künstlerin Frauke Wehberg hätte mit ihrem Urheberrecht sicherlich nicht erlaubt, irgendein Metallrohr einzusetzen. Außerdem sei Bronze „verrottungsfest“. Die Rohrkonstruktion sei zudem aufwändig. Das Rohr ist in einer Schräglage zwischen den tonnenschweren Steinblöcken angebracht, das Wasser soll aber trotzdem gleichzeitig aus beiden Enden in die beiden Bassins fließen. Hier müsse ein Sanitärfachmann ‘ran und ein Steinmetz „mit schlanker Hand“, damit die Steine durch die Arbeiten nicht unnötig beschädigt werden, erklärt Otten. „Das ist halt Künstlerarbeit“, begründet er die relativ hohen Kosten.

Der Janus-Brunnen aus Muschelkalk wurde zum 125. Bestehen der Volksbank errichtet. Bei der Gestaltung spielt die Künstlerin mit dem Begriff des zweigesichtigen Janus aus der römischen Mythologie, dem Gott allen Anfangs und Endes, der Über- und Durchgänge.

Nadine Materne

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