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Segeberg Gaszähler vergessen: Stadt soll 190 000 Euro nachzahlen
Lokales Segeberg Gaszähler vergessen: Stadt soll 190 000 Euro nachzahlen
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21:44 08.09.2016
Der Gaszähler im Eichenhof tickerte viele Jahre unentdeckt vor sich hin: Jetzt muss die Stadt eine satte Nachzahlung berappen. Quelle: dpa
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Bad Segeberg

. Hand aufs Herz, sind Sie sicher, dass Sie Ihre Gasrechnung der vergangenen Jahre bezahlt haben? Denn die Stadt Bad Segeberg hat das bei ihrem früheren Alten- und Pflegeheim Eichenhof leider versäumt. Sechs Jahre lang hat das niemand bemerkt, jetzt muss die Stadt blechen. Auf 189598 Euro und vier Cent beläuft sich nun die Rechnung, die die hochverschuldete Stadt dem Energieversorger Energie und Wasser Wahlstedt/Bad Segeberg GmbH (EWS) nachzahlen muss. Für den Zeitraum vom 23. November 2007 bis zum 31. Oktober 2013, heißt in der Vorlage für die Politiker im Werkausschuss.

Ein Zähler im ehemaligen städtischen Altenheim Eichenhof blieb über Jahre unentdeckt – Jetzt stellt der Energieversorger EWS eine Rechnung – Schuldfrage ist offen.

Die Schlamperei kam nach LN-Informationen heraus, als 2013 das Unternehmen „Azurit“ das Seniorenzentrum Eichenhof mit 69 Pflegeplätzen als neuer Träger von der Stadt übernahm. Da wurde plötzlich der Gaszähler gefunden. Offensichtlich war auch bei der Stadt jahrelang nicht aufgefallen, dass man energietechnisch scheinbar sehr kostengünstig an der Straße Christiansfelde logierte.

Nun müssen sich die Politiker im Werkausschuss, die sich am 12. September (Bürgersaal Rathaus, 18.30 Uhr) eigentlich nur zur Auflösung des „Eigenbetriebs Betreuung und Ausbildung“ treffen wollten, mit finanziellen Altlasten beschäftigen. Einfach hingenommen hat man bei der Stadt die gesalzene Rechnung nicht, sondern eine rechtliche Überprüfung durchgeführt. Doch der beauftragte Rechtsanwalt hält die Erfolgsaussichten einer Klage angesichts der eindeutigen Rechtslage für „wenig erfolgversprechend“, heißt es in den Unterlagen für die Stadtpolitiker. Die Rechnung sei „ordnungsgemäß“ nach Zählerständen erstellt worden.

Für EWS-Geschäftsführer Winfried Köhler kann so etwas schon mal passieren. Die EWS als Versorger könne ja nicht genau wissen, welche Gaslieferanten die Stadt denn noch so alles habe. Im städtischen Alten- und Pflegeheim Christiansfelde gab es mehrere Gaszähler. Doch bei der Größenordnung von fast 190 000 Euro müsse die fällige Rechnung schon einen größeren Gebäudeteil betreffen, der an dem Gaszähler angeschlossen war, kombiniert Köhler. „Ich selber bin nicht Herr der Zähler.“ Die würden von dem Tochterunternehmen EWS- Net abgelesen. Er habe nur die unangenehme Aufgabe gehabt, „anschließend die Rechnung an die Stadt zu schreiben“.

Es habe wegen der 190000-Euro-Rechnung, so Köhler, intensive Gespräche mit der Stadt gegeben. Immerhin habe die EWS der Stadt für den bislang nicht beglichenen Gasverbrauch Sonderkonditionen eingeräumt. Im Normalfall hätte sie den üblichen Grundpreis zahlen müssen. Köhler gibt zu: „Irgendeiner hat da geschlampt, keine Frage.“ Aber wer, das lasse sich jetzt nicht mehr ermitteln. Auch der Kunde habe „eine Mitwirkungspflicht“, betont Köhler. Das sage er aber „ohne jede Schuldzuweisung“ an die Stadt.

Abteilungsleiter und Werksleiter Karsten Immanns wäscht seine Hände denn auch in Unschuld: „Dafür haben wir unsere Leute, die sich um Gasrechnungen kümmern.“ Das Gas hätte man ja früher ohnehin bezahlen müssen, jetzt komme es eben „geballt“.

Der Werkausschussvorsitzende Dr. Henning Vollert (Grüne) wundert sich, dass so etwas nicht die Buchhaltung bemerkt habe. Für ihn sei so etwas das „I-Tüpfelchen“ für das Altenheim-Projekt, mit dem Misswirtschaft betrieben worden sei. Wie mehrfach berichtet, ging es beim Umbau des städtischen Pflegeheims über Jahre drunter und drüber. An der verfehlten Planung unter der Ägide des früheren Bürgermeisters Hans-Joachim Hampel (CDU) zahle die Stadt jetzt immer noch ab, sagt Vollert. Warum der Gaszähler nicht wenigstens später in der Amtszeit von Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) gefunden wurde, ließ er allerdings offen. Einen kleinen Trost gibt es übrigens doch: Die Stadt Bad Segeberg ist nicht nur Kunde der EWS, sie ist auch an dem lokalen Energieversorger zur Hälfte beteiligt. Insofern profitiert die Stadt auch, wenn bei der EWS nach sechs Jahren endlich wieder die Kasse stimmt. . .

 Wolfgang Glombik

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