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Segeberg Gedenktafel für Hermine Daniels an „ihrer Uhr“ enthüllt
Lokales Segeberg Gedenktafel für Hermine Daniels an „ihrer Uhr“ enthüllt
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20:39 31.08.2016

An die erste Begegnung mit Hermine Daniels kann sich Metallbauer Raymond Dreyer (41) gut erinnern. „Ich war 15 oder 16 und hatte gerade meine Ausbildung bei Kunstschmied Alfred Schmidt angefangen.“ Sein Overall muss nach einem Arbeitstag ziemlich schmutzig ausgesehen haben. Denn als er auf dem Heimweg Hermine Daniels traf, habe sie ihn in die DRK-Kleiderkammer eingeladen mit den Worten: „Wir finden schon was Schickes für Dich.“ Erst später klärte sich für den Neuling auf, wer Hermine Daniels eigentlich ist: Trappenkamps gute Seele. Gut 25 Jahre nach dieser Begegnung hat Raymond Dreyer eine Gedenktafel zu Ehren von Hermine Daniels angefertigt.

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Metallkünstler Raymond Dreyer (l.) mit Bürgermeister Harald Krille.

„Auf Hermine“, prosteten sich gestern bei der Enthüllung der Tafel die Gäste zu. Hermine Daniels – über 70 Jahre lang aktiv beim Deutschen Roten Kreuz, Mitbegründerin des Trappenkamper Ortsvereins, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und erste Ehrenbürgerin Trappenkamps. Gestern wäre sie 97 Jahre alt geworden, doch 2013 ist sie verstorben. Bis zum Schluss sei sie geistig fit gewesen, nur der Körper habe einfach nicht mehr mitgemacht. Doch den Trappenkampern, gerade den älteren, bleibt sie ein Begriff und für viele unvergessen.

Zum Beispiel für Gabriele Riecken-Hübner. Für ein Buch anlässlich des 60. Jubiläums der Gemeinde hatte die ebenfalls 60-Jährige einen Beitrag zu Hermine Daniels verfasst. Immer hilfsbereit, immer engagiert und freundlich sei Hermine gewesen, wie sie von allen vertraut genannt wurde, sagt Riecken-Hübner. Wenn jemand eine Wohnung suchte oder Kleidung brauchte, Hermine wusste eine Lösung. „Und ich weiß gar nicht, ob es einen Tag gab, an dem sie nicht in der Kleiderkammer war.“ Hermines Boutique gibt es auch schon seit über 40 Jahren. Und sie heißt noch immer so. Mit diesen Überlegungen ist Riecken-Hübner auf die Idee mit der Gedenktafel gekommen und begann Mitstreiter zu suchen. Nun steht die Tafel, finanziert aus privaten Spenden, von DRK und Gemeinde direkt an „Hermines Uhr“ in der Gablonzer Straße .

Die Uhr, das ist eine eigene Geschichte. „Sie hatte genau hier gewohnt“, deutet Manfred Künkel, stellvertretender DRK-Vorsitzender, auf die Wohnung über der Ladenzeile. Früher habe hier eine Uhr zu Werbezwecken gestanden. „Und Hermine konnte aus dem Fenster die Uhrzeit sehen.“ Doch dann wurde die Uhr aus Kostengründen abgebaut. Das sei doch aber die einzige öffentliche Uhr in Trappenkamp, habe Hermine für den Erhalt gekämpft – und so erreicht, dass schließlich eine neue aufgestellt wurde, gestiftet von Trappenkamper Vereinigungen und Firmen. „Hermines Uhr“ steht auch auf einer kleinen Plakette am Pfahl. „Doch niemand, der ihr Bild sieht und die Plakette, weiß wirklich, wer Hermine ist“, nennt Gabriele Riecken-Hübner einen weiteren guten Grund für die Gedenktafel.

Eine runde Messingplatte, eingefasst in einer geschwungenen, floral anmutenden Metallkonstruktion. Weiß gestrichen. Eine Referenz zur Gestaltung des Pfahls der Uhr, erklärt der Erbauer Dreyer, der nun seine eigene Metallwerkstatt in der Gemeinde hat. Eingeschlagen ins Messing sind die erinnernden Worte an „Ehrenbürgerin Hermine Daniels, geborene Aitzetmöller“ – sie war Österreicherin. Dazu die Lebensdaten.

Obwohl ihr Tod bereits dreieinhalb Jahre zurückliegt, ist die Enthüllung der Plakette ein emotionaler Moment für manche hier. Etwa für Silke Lensch. „Wir waren Nachbarn“, sagt sie. Seit ihrer Geburt kenne sie Hermine. „Sie war für mich und meine Schwester eine Ersatzoma.“ Wie eigentlich für die ganze Nachbarschaft. „Sie war ein Goldstück.“ Mit der Gedenktafel gebe es nun auch einen Anlaufpunkt.

Zum Bedauern einiger Anwesender wurde Hermine Daniels anonym bestattet.

Ein Leben für die anderen

Hermine Daniels wurde am 31. August 1919 in Österreich geboren, am 27. Mai 2014 verstarb die „Mutter Theresa Trappenkamps“. Über sieben Jahrzehnte war Daniels für das DRK tätig, zunächst als Krankenschwester. 1964 gründete sie den DRK-Ortsverein in Trappenkamp mit und eröffnete später die Kleiderkammer „Hermines Boutique“. Noch mit über 80 Jahren sei Hermine Daniels für ältere Leute zum Einkaufen losgezogen, sagte der DRK-Vorsitzende Uwe Christ nach Daniels Tod.

Nadine Materne

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