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Segeberg Gegengutachten: S21 ist unwirtschaftlich
Lokales Segeberg Gegengutachten: S21 ist unwirtschaftlich
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22:54 13.01.2016
Diese Fotomontage der BI zeigt, wie dicht die Bahn künftig an den Häusern vorbeifahren würde, nur getrennt durch eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand.

Schweres Geschütz, das die Bürgerinitiative (BI) Bahnstraße jetzt gegen die geplante Elektrifizierung der AKN-Bahnstrecke Kaltenkirchen—Ulzburg—Ellerau—Eidelstedt auffährt: Demnach dürfte die S-Bahn 21, wie von den beiden Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein für das Jahr 2020 angekündigt ist, nie auf dieser Strecke fahren. Denn das Projekt sei volkswirtschaftlich und ökologisch sinnlos, habe nun ein von der BI für 5000 Euro in Auftrag gegebenes Gegengutachten ermittelt. „In der vorliegenden Form darf die S21 Hamburg—Kaltenkirchen weder mit Bundes- noch mit Landesmitteln bezuschusst werden“, heißt es in der Expertise des Verkehrsplanungsbüros Vieregg-Rössler aus München, das sich seit 25 Jahren vor allem in Bayern mit Bahnprojekten beschäftigt.

So erhebt das Gegengutachten schwere Vorwürfe gegen die standardisierte Berechnung der Firma Intraplan Consult, ebenfalls aus München, die Grundlage für das länderübergreifende 100-Millionen-Euro-Investitionsprojekt ist. Dieses hätte insbesondere die künftigen Betriebskosten und den CO2-Ausstoß viel zu niedrig angegeben. Intraplan seien sogar „schwere Rechenfehler“ unterlaufen und habe zum Teil für ein und denselben Sachverhalt mit unterschiedlichen Zahlen gerechnet, die „geradezu chaotisch voneinander abweichen“.

Das Büro Intraplan kam in seiner Analyse im Oktober 2014 zu dem Schluss, dass der Nutzen-Kosten-Faktor bei 1,12 läge, wenn künftig die S-Bahn diese AKN-Strecke bediente und die Fahrgäste aus Richtung Quickborn nicht mehr in Eidelstedt umsteigen müssten. Dieser Wert muss bei solchen Verkehrsprojekten über der Zahl Eins liegen, sonst dürften dafür keine Bundesmittel fließen. Das heißt dann in diesem von Intraplan errechneten Fall, der finanzielle Vorteil, der sich aus der Reisezeitverkürzung (etwa fünf Minuten je Fahrt), steigenden Fahrgastzahlen (zwischen 21 und 95 Prozent), Bequemlichkeit (kein Umsteigen mehr) sowie weniger Autofahrten (3900 weniger Pkw-Fahrten pro Tag) und Unfallschäden ergibt, wenn 1300 bis 11700 Menschen mehr als heute diese Bahnstrecke nutzen, liegt um zwölf Prozent über den einzusetzenden Investitions- und Abschreibungskosten sowie den zusätzlichen Betriebskosten und steigenden Energieverbrauch, der auch aus der Taktverdichtung entsteht.

Das Gegengutachten der BI kommt nun zu einem Wert unter null (minus 0,16), der besagt, dass die Kosten weit über dem volkswirtschaftlichen Nutzen liegen würden. „Dieses S21-Projekt ist unwirtschaftlich, umweltschädlich und nicht zukunftsfähig“, fasst Florian Börner von der BI Bahnstraße das Ergebnis dieser Studie zusammen.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigt sich Intraplan-Projektleiter Bernd Kollberg gelassen: „Bislang haben sich bei anderen Projekten sämtliche Vorwürfe von Vieregg-Rössler als unberechtigt erwiesen. Das wird hier auch der Fall sein“, wie er schon nach erster Lektüre sagen könne. Sofern es die Auftraggeber wünschen sollten, könne er die Fehlerhaftigkeit des Gegengutachtens auch im Detail nachweisen, so Kollberg.

Heute hat die BI alle Bürgermeister jener Kommunen, die sich entlang der Strecke Kaltenkirchen—Eidelstedt befinden, sowie die Landespolitiker aus Hamburg und Schleswig- Holstein und Vertreter der S-Bahn und der Nah SH GmbH eingeladen, um ihnen das Gegengutachten zu präsentieren. Die Zeit drängt. Voraussichtlich im April soll das Planfeststellungsverfahren für die Elektrifizierung beginnen.

Die AKN hat von den beiden Ländern den Auftrag, das Planverfahren zu beaufsichtigen, auch wenn sie anschließend den größten Teil ihrer bisherigen Verkehrsleistung an die S-Bahn Hamburg verlöre, wie AKN-Vorstand Wolfgang Seyb darstellte.

Die BI Bahnstraße hatte sich im August 2015 gegründet, als bekannt wurde, dass wegen des noch fehlenden zweigleisigen Ausbaus zwischen den Haltestellen Tanneneck und Ellerau etwa 30 Eigentümer am Hamburger Weg erhebliche Teile ihrer Grundstücke für das zweite Gleis hergeben müssten.

„In der vorliegenden Form darf die S 21 nicht bezuschusst werden.“
Zitat aus der Expertise

Burkhard Fuchs

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