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Segeberg Geldnot – jeder Zehnte ist überschuldet
Lokales Segeberg Geldnot – jeder Zehnte ist überschuldet
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21:48 22.06.2017
Im Nordkreis beraten Barbara Lüdtke-Nunnenkamp (Bornhöved) und Michael Grossnick (Bad Bramstedt).
Bornhöved/Bad Segeberg

Ratenzahlung für das neue Auto oder die Waschmaschine: Viele Menschen haben Schulden, wirtschaftlich ist es sogar erwünscht. Aber: „Jeder zehnte Bundesbürger über 18 Jahre ist überschuldet. Das heißt, er kann seine laufenden Kredite nicht mit den monatlichen Einnahmen bedienen“, berichtet Schuldnerberaterin Barbara Lüdtke-Nunnenkamp. Zählt man diejenigen dazu, die ganz knapp zurechtkommen, wird die Zielgruppe für die Schuldnerberater der Verbraucherzentrale noch viel größer. Gemessen daran, sind die Beratungszahlen überschaubar im Sozialraum Nord zwischen Bornhöved und Bad Bramstedt. 191 Klienten wurden 2016 im Beratungsbüro Bornhöved und der Bad Bramstedter Außenstelle beraten. Doch die meisten Klienten kämen erst, wenn der Schuldendruck immens ist.

Die Schuldnerberatung hilft Betroffenen kostenlos – Zahlreiche neue Klienten seit Büro-Eröffnung in Bornhöved – Bad Segeberg ist weiter überlastet.

Schulden – hier gibt’s Hilfe

Termine für die Schuldnerberatung in Bornhöved, Lindenstraße 5, gibt es unter Telefon 045 51/9084 40 im Bad Segeberger Büro. Zur offenen Sprechstunde donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr können Neuklienten ohne Anmeldung kommen. Betroffene in Bad Segeberg bekommen Hilfe in der offenen Sprechstunde montags von 15 bis 18 Uhr, Kirchplatz 1.

„Die Kontopfändung ist häufig der Grund für den Erstkontakt“, sagt Lüdtke-Nunnenkamp. Wenn nichts mehr geht. Mit Hilfe der Schuldnerberatung bekommen die Betroffenen dann ein „P-Konto“, ein Pfändungsschutzkonto. Doch selbst dann dauere es bei manchen noch eine Weile, bis sie sich ihren Geldproblemen stellen und sich Hilfe holen, weiß die Beraterin aus langjähriger Erfahrung. Dabei können die Schuldnerberater auch bei kleineren Problemen helfen, sie gehen mit den Betroffenen die Einnahmen- und Ausgabensituation durch, erklären die Führung eines Haushaltskontos, helfen bei der Regulierung von Schulden bei den Gläubigern.

Im Gegensatz zur Beratungsstelle in Bad Segeberg hat das Büro in Bornhöved noch freie Kapazitäten. Die Anlaufstelle für den Sozialraum Nord im Beratungszentrum, Lindenstraße 5, gibt es seit 2015 und brachte bereits zahlreiche neue Betroffene in die Beratung: „In Bad Segeberg hatten wir vorher kaum Klienten aus dem Raum Bornhöved.“ Die Kehrseite: Teilweise lange Wartezeiten in Bad Segeberg, dort wurde Beratungskapazität abgezogen bei gleichbleibend hohem Bedarf. Deshalb verhandele man derzeit mit dem Kreis, der die Schuldnerberatung finanziert, so Lüdtke-Nunnenkamp. Dafür gebe es in Bornhöved so gut wie keine Wartezeiten. Die Schuldnerberaterin ermuntert Betroffene, das kostenlose Angebot wahrzunehmen. Die Erfolgsquote liege bei über 90 Prozent. Entweder seien die Schulden am Ende reguliert oder ein Ratenzahlplan erarbeitet.

Der Weg dahin ist nicht immer leicht, kann in Einzelfällen sogar Jahre dauern. Die Betroffenen müssen mitmachen, bereit sein, sich dem Problem zu stellen, Unterlagen zusammensuchen, diszipliniert sein, denn häufig müssen sie auch ihr Konsumverhalten ändern. „Das kann schmerzhaft sein“, weiß Lüdtke-Nunnenkamp, die zusammen mit Anika Huß die Beratung in Bornhöved anbietet. Gründe für Schulden seien zumeist nicht vorhersehbare: Jobverlust, Krankheit, Trennung/Scheidung. Besonders gefährdet seien Menschen, die in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wo jede größere Anschaffung nur über einen Kredit leistbar ist. Auch der Wunsch nach Teilhabe könne dazu führen, sich zu verschulden, berichtet Lüdtke-Nunnenkamp.

 Nadine Materne

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