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Segeberg Gelungene Integration mit zwei Gewinnern
Lokales Segeberg Gelungene Integration mit zwei Gewinnern
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20:56 28.07.2017
Abdullah Ardalan versorgt Patient Hans-Jürgen Diener. Der Gnissauer hat in den Segeberger Kliniken ein neues Knie bekommen. Quelle: Fotos: Kullack

Zuletzt arbeitete Ardalan für das Rote Kreuz im Gefängniskrankenhaus von Herat. Doch vor einem Jahr ging auch das nicht mehr – im von den Taliban geknechteten Land wollte er seinen Sohn (10) und die Tochter (8) nicht länger aufwachsen lassen. Die Familie flüchtete, und ahnte da noch nicht, dass Abdullah – Abdul nennen ihn die Patienten – zum guten Beispiel für gelungene Integration der Segeberger Kliniken geraten würde: Anfangs Praktikant, bekam er jetzt eine Anstellung als Pflegehelfer.

Segeberger Kliniken stellen erstmals einen Flüchtling als Pfleger ein.

„Dass ich schnell in meinen Beruf integriert wurde, verdanke ich besonders Frau Bening." Abdullah Ardalan (30), afghanischer Flüchtling

Flüchtlinge in der Pflege, das hilft auch den Kliniken, die inzwischen fast 2000 Beschäftigte haben, 135 davon aus 40 verschiedenen Ländern. Pflegekräfte sind Mangelware. „Auch aus anderen Berufen besteht verstärkt Nachfrage nach Flüchtlingen – vom Servicebereich über die Produktion bis zum Gartenbau“, sagt Nico Brandenburg. In der Agentur für Arbeit in Elmshorn betreut er 200 geflüchtete Menschen. „Viele Unternehmen empfangen sie inzwischen mit offenen Armen“, sagt er.

Die Segeberger Kliniken engagieren sich seit einem halben Jahr verstärkt für Flüchtlinge, sagt Personalreferentin Bernadette Schmidt. Seitdem gab es bereits zwölf Praktikanten – bisher aber noch nie jemanden mit einer Festanstellung wie Abdullah Ardalan. Der Afghane ist bestens vorgebildet: In seiner Heimat hat er Krankenpflege gelernt und sich 2005 in Frankreich in Intensivmedizin und Chirurgie weitergebildet. Auch in der Segeberger Klinik arbeitet er in der Chirurgie – wenn auch nur als Helfer. „Wir werden ihn dabei unterstützen, dass seine Ausbildung anerkannt wird. Aber das ist nicht einfach“, sagt Referentin Schmidt. Viele Vergleiche, Nachschulungen, Prüfungen stehen an. Das ganze Prozedere aber beginnt mit besseren Deutschkenntnissen.

Für sein knappes Jahr in Deutschland spricht Abdullah schon recht beachtlich Deutsch. Und wenn er mit seiner offenen Art und einem Lächeln das Krankenzimmer betritt, strahlen die Patienten ohnehin.

„Trotzdem fehlt es ihm an Grammatik – nur anerkannte Asylbewerber werden vernünftig geschult“, beklagt Mechthild Bening vom Förderkreis Leezen. Sie hat sich der in Fredesdorf lebenden Familie angenommen, nachdem die vier Ardalans es im zehnten Fluchtversuch über Bulgarien und einer Reise von 105 Tagen endlich nach Deutschland geschafft hatten. Im Leezener Flüchtlingscafé fragte sie den Vater, was ihm denn fehle. „Mir fehlt ein Job“, war die klare Antwort. Er wolle seine Familie selbst ernähren. Außerdem werde er zu dick, wenn er ständig in der Wohnung herumhänge.

 Lothar Hermann Kullack

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