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Gemeinsam to Hus: Gelebte Nachbarschaft zum Wohl der Mieter

Henstedt-Ulzburg Gemeinsam to Hus: Gelebte Nachbarschaft zum Wohl der Mieter

Kooperation zwischen einem Verein und einer Genossenschaft – Vorzeigeprojekt in Henstedt-Ulzburg.

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Eine Zusammenkunft des Kreis-Seniorenbeirates im Gemeinschaftsraum des Mehrparteienhaus.

Henstedt-Ulzburg. Wenn sich eine Wohnungsgenossenschaft und Menschen, die ihrer Hausgemeinschaft das Höchstmaß an Miteinander verleihen wollen, zusammentun, dann kann daraus ein Vorzeige-Projekt werden. So wie „Am Wöddel“ in Henstedt-Ulzburg. Hier leben Mitglieder des Vereins „Gemeinsam to Hus – Wohnen 50Plus“ in 23 barrierefreie Wohnungen eines Neubaus des Bauvereins Kaltenkirchen.

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Kooperation zwischen einem Verein und einer Genossenschaft – Vorzeigeprojekt in Henstedt-Ulzburg.

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Die Serie

Wie wollen wir wohnen , wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. In Teil neun der Serie geht es heute nach Henstedt-Ulzburg. Hier haben Senioren den Verein „Gemeinsam to Hus – Wohnen 50+“ gegründet.

„Das war genau die richtige Entscheidung“: Eva-Maria Juschkus steht mit den Bastubbes von nebenan im Hausflur zusammen und plaudert über den noch frischen Einzug vor ein paar Monaten. Die Etagenflure sind großzügig bemessen und lichtdurchflutet. Ein Fahrstuhl verbindet Keller, Erdgeschoss, ersten und zweiten Stock. Die breiten Gänge sind mit schallschluckendem Nadelfilz belegt. Pflegeleicht. Die Wohnungen – teils gefördert, teils frei vermietet – haben ebenerdige Duschen und zu jedem Raum breite Türen. Sie verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse und bestehen aus mindestens zwei Zimmern, Küche, Bad.

Neben der Einrichtung ist aber noch etwas von entscheidender Bedeutung: Die Mieter wollen füreinander da sein, wenn ein anderer Hilfe braucht. Ein Miteinander ohne sich auf die Pelle zu rücken, wird am Wöddel, einem kleinen Teich mitten in Henstedt-Ulzburg, groß geschrieben. „Man hört das doch immer wieder, dass jemand drei Wochen tot in seiner Wohnung gelegen hat und keiner hat's gemerkt. Hier soll das niemandem passieren. Wir wollen gemeinsam alt werden und uns aktiv unterstützen. Und 5,80 Euro beziehungsweise 8,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete, das ist ein Traum für Henstedt-Ulzburg“, freut sich Doris Tachezy, Vorsitzende von „Gemeinsam to Hus – Wohnen 50Plus“ über die Realisierung.

Die 31 Mieter – alle sind Mitglied im Verein, das ist Voraussetzung – kommen gar nicht mehr raus aus dem Schwärmen. „Ich bin so froh, nicht mehr die viele Arbeit mit Haus und Garten zu haben. Die große Last ist weg. Wir leben viel unbeschwerter und die Hausgemeinschaft ist sehr gut. Ein schöner Neustart“, stimmt Margot Buchholtz in den Lobgesang der Nachbarschaft ein, wie auch Sigrid und Harald Bastubbe, Nachbarin Juschkus und auch Besucher, die sich das Projekt ansehen. So wie unlängst der Kreisseniorenbeirat. „Das ist die Wohnform der Zukunft“, ist sich etwa Renate Amthor sicher.

Die Geschichte der „Nachbarschaft, die sich im Blick behält – freiwillig ohne Verpflichtung“, wie es auf der Vereinshomepage heißt, begann mit einem Vortrag im Sozialausschuss des Kreises. „Das war 2011, und es ging um das Fahrenkruger Wohnprojekt“, erinnert sich Doris Tachezy. „Das ist klasse, aber eine Genossenschaft zu gründen, das kam für uns nicht in Frage. Das ist für viele nicht finanzierbar.“

Man könne doch versuchen, irgendwo „unterzuschlüpfen“, meinte jemand. So wurde Kontakt zu Genossenschaften, darunter die Wankendorfer, und zum Bauverein Kaltenkirchen aufgenommen. „Die Idee kam überall super an. Realisiert haben wir sie dann mit dem Bauverein, mit dem wir einen Kooperationsvertrag geschlossen haben.“ Jetzt zahle jeder im Haus eineinhalb Genossenschaftsanteile (225 Euro) pro zehn Quadratmeter Wohnfläche. Somit unterscheidet sich die Summe kaum von einer üblichen Mietkaution.

Der Verein gründete sich 2013, die Mitglieder wuchsen zur Gemeinschaft, das Vorhaben nahm Gestalt an. Die Erbin eines idealen Grundstücks, sie lebt in Neuseeland, verkaufte gerne. Eine erfahrene Architektengemeinschaft übernahm die Planung. Der Verein legte Wert auf bezahlbare Mieten und hatten Mitspracherecht in vielen Bereichen. So wurde dem Wunsch nach einem Gemeinschaftsraum und einer behindertengerechten Toilette im Erdgeschoss entsprochen. Die Fassade bekam roten Klinker, die Wohnungen sind mit Fußbodenheizung ausgestattet. „Das Ganze ist das Ergebnis langer, fruchtbarer Überlegungen. Herausgekommen ist viel mehr als eine ganz normale Hausgemeinschaft“, so Jürgen Hartung, technischer Leiter beim Bauverein. „Das Investitionsvolumen lag bei 3,27 Millionen Euro.“ Rund die Hälfte sei durch Fördermittel aufgebracht worden. „Darum ist der Anteil der geförderten Wohnungen mit zwölf auch sehr hoch“, so Christian Schwalger aus dem Vorstand des Bauvereins. „Wir erleben in unserem Wohnungsbestand oft, dass alte, alleinstehende Menschen vereinsamen. Hier setzt man auf Miteinander. Das Grundsatzprojekt hat uns sehr gut gefallen“. Man könne von einer „Win-Win-Situation“ sprechen. Auch das vertraglich vereinbarte Mitspracherecht des Vereins bei der Belegung sieht er als großes Plus, so sei eine gute Nachbarschaft langfristig gewährleistet.

Beim Verein „Gemeinsam to Hus – Wohnen 50Plus“ herrscht derzeit Aufnahmestopp, denn die Liste derjenigen, die sich für eine Wohnung am Wöddel interessieren, ist lang. „Und wir wollen ja so lange wie möglich hier leben, darum wird es dauern, bis die abgearbeitet ist“, sagt Doris Tachezy. „Wenn es nach der positiven Resonanz geht, könnten wir fünf solcher Häuser bauen“, ergänzt Schwalger.

Seniorenarbeit im Kreis

12Kommunale Seniorenbeiräte gibt es im Kreis Segeberg (Stand Juni 2016). In Wahlstedt will sich derzeit ein Seniorenbeirat gründen.

Segebergs Kreisseniorenbeirat setzt sich zusammen aus Mitgliedern der kommunalen Gremien. Die Aufgaben so eines Beirates, bei dem man 60 Jahre alt sein muss um mitzumischen, sind, die Interessen der älteren Bürger zu vertreten, sich für ihre Belange einzusetzen. Außerdem berät ein Seniorenbeirat, gibt praktische Hilfe und Anregungen zur Selbsthilfe. Ebenso gibt der Seniorenbeirat beratende Empfehlungen an den Kreistag. Darum sind dessen Mitglieder in allen Fachausschüssen und Arbeitsgruppen dabei. Sie können zu allen Themen Stellung nehmen, Einwände zum Ausdruck bringen und Vorschläge einbringen, ein Stimmrecht haben sie allerdings nicht. Infos im Netz unter www.senioren-kreis-segeberg.proaktiv.de

Beratung vom Pflegestützpunkt ist kostenfrei. Die Zentren gibt es in Bad Segeberg, Bornhöved, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Norderstedt. Öffnungszeiten, Anschriften, Infos im Internet unter www.pflegestuetzpunkt-se.de.

Die Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte bietet Beratung zur Förderung besonderer Wohn-Pflegeformen im Alter. Mehr im Netz unter www.kiwa-sh.de.

hil

Heike Hiltrop

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