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German Doctors: Oft die letzte Rettung

Bimöhlen German Doctors: Oft die letzte Rettung

Sechs Wochen unter Kranken: Die Segebergerin Dr. Christine Heins behandelt auf den Philippinen die Ärmsten.

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Pfiffig: Mit Hilfe von Holzspateln hat sich diese Helferin ein spezielles „Wartenummersystem“ ausgedacht. Es funktioniert.

Bimöhlen. Null Luxus, fast keine Privatsphäre, primitivste sanitäre Verhältnisse, Hitze, Schlangen und Ungeziefer, Essen und Trinken, von dem du nicht weißt, ob es gut oder schlecht ist — und ständig umgeben von kranken Menschen: Wer sich das sechs Wochen lang zumutet, muss sehr motiviert sein. So wie Dr. Christine Heins aus Bimöhlen. Die Ärztin war im August 2014 für die „German Doctors“ auf der philippinischen Insel Mindoro im Einsatz. Ihr „Lohn“: Tausendfacher Dank, ansonsten ein „Vergelt‘s Gott“. Die heute 52-Jährige war ehrenamtlich dort, hat sogar ihre Reisekosten zur Hälfte getragen. Und Ende Januar fährt sie wieder los, dieses Mal auf die philippinische Insel Cebu.

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Das Stethoskop ist ihr wichtigstes Diagnosewerkzeug. Damit kommt Christine Heins Lungenentzündung, Asthma und Bronchitis auf die Spur.

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Warum tut sich die Frau so eine Strapaze an? Christine Heins‘ Augen bekommen einen strahlenden Glanz: „Wenn du das einmal gemacht hat, lässt es dich irgendwie nicht mehr los: Das ist kein Helfer-Syndrom, sondern es ist das Kreativste, was man als Mediziner machen kann.“ Kreativität ist in der Tat nötig. „Man kommt in ein Dorf, da warten schon 200 oder 300 Menschen, die wirklich Not haben. Und der Arzt kann mit wenig Mitteln sehr viel tun. Kinder, die voller Würmer sind, entwurmt man, dadurch kriegen sie weniger Infektionskrankheiten. Oder sie haben heftige Lungenentzündungen, die wir behandeln können. Oft sieht man sofort eine Wirkung des eigenen Handelns. Das ist eine ganz direkte, sinnige Hilfe.“

Lungenentzündung, Masern, Krätze, Hautkrankheiten, Abszesse, Mangelernährung, hohe Kindersterblichkeit — am Ende der zivilisierten Welt ist die Chirurgin für nahezu alle Krankheiten zuständig.

Entweder sie behandelt die Menschen. Oder keiner. TBC ist dort extrem verbreitet. „Ein Tuberkulosekranker steckt ungefähr 30 andere an.“ TBC müsse langfristig behandelt werden. Das übernehmen vielfach die Health-Worker, wenn der German Doctor wieder fort ist.

Christine Heins war nicht allein im Einsatz. Die German Doctors, die von der gemeinnützigen Organisation geschickt werden, können auf kleine lokale Teams setzen, die den Ärzten helfen: „Ich hatte einen Fahrer für den Jeep, eine Art Sprechstundenhilfe, eine Helferin, die sich um die Medikamente kümmert, und eine Dolmetscherin.“ Sie haben eine Grundausbildung, arbeiten mit örtlichen Hilfsorganisationen zusammen, bringen ihre Kompetenzen ein und sind in den Dörfern sehr angesehen. Mit jedem Einsatz eines German Doctors lernen sie dazu. Heins: „Die Grundidee ist: Wir leisten Hilfe, die dort bleibt.“

Auf Mindoro, wo abseits fast aller Infrastrukturen die diskriminierte Bevölkerungsgruppe der Mangyanen lebt, ist sie der einzige Mensch, der ihnen medizinisch helfen kann. „Die Leute warten teilweise zu Hunderten auf das Kommen meines Teams“, sagt sie. Trotzdem gehe es freundlich und diszipliniert zu. „Das sind ganz liebe Menschen“, hat Heins festgestellt. In vielen Dörfern versuche man den Ärzten sogar ein wenig „Luxus“ zu bieten — ein Bett mit Moskitonetz beispielsweise. In einem Dorf hatte man ihr ein richtiges Keramik-Klo hinter Paravents ins Gras gestellt. Natürlich war es nicht angeschlossen — es gibt dort ja weder Spülung noch Abwasserleitungen . . .

Nach ihrem Medizinstudium war Christine Heins Unfallchirurgin in Hamburg. Später zog sie aufs Land, brachte vier Kinder zur Welt. Ihr sei immer klar gewesen: „Wenn die Kinder groß sind, will ich so etwas machen.“ 2014 konnte sie es verwirklichen. „Ich habe in sechs Wochen 3000 Patienten behandelt“, bilanziert Christine Heins ihren ersten Einsatz als German Doctor. Dazu beigetragen habe, dass von der Organisation alles gut vorbereitet gewesen sei. Gerührt war sie vom Empfang in einem Dorf-„Hospital“: „Das ganze Personal, von der Putzfrau bis zur Helferin, begrüßte mich, seine neue Ärztin, mit Gesang.“ Die Helfer werden von dortigen Organisationen bezahlt und sollen das vom ihrem Arzt erlangte Wissen bei den Patienten anwenden. Heins: „Das funktioniert ganz gut.“

Wenn sie durch abgelegene Regionen fährt, wird kurzerhand im Dorf eine Notambulanz eingerichtet. Das kann in einer „Kirche“ sein oder in einer Hütte. Die deutsche Gründlichkeit beginnt sich zaghaft durchzusetzen. „Von den Helferinnen kriegen alle Patienten eine Gesundheitskarte, damit der nächste Arzt, der sie behandelt, weiß, welche Vorgeschichte der Patient hat.“ Das soll die Menschen auch etwas zu Ordnung und Eigenpflege erziehen. „Das klappt sehr gut“, sagt sie. Toll findet sie auch ein Wartenummer-System, das eine Helferin sich ausgedacht hat. Die hat gebrauchte Holzspatel mit Nummern beschriftet. Und die werden an die Wartenden verteilt. Dann geht es nach Nummernaufruf los. So bekommt man Ruhe und System in eine sehr große Menge wartender Patienten.

Viele Menschen laufen tagelang zum German Doctor. Die Alternative wäre, nicht behandelt zu werden. Oft helfe schon ein Antibiotikum. Ende Januar zieht es Christine Heins wieder fort. Mit Impfungen gegen alles Mögliche im Körper geht es erneut auf die Philippinen, nach Cebu. Kranken mit einfachen Mitteln helfen zu können, sei eine beglückende Erfahrung: „Man kriegt tausendmal mehr zurück, als man selber geben kann.“

6000 German Doctors waren schon im Einsatz
„Hilfe, die bleibt“, ist ein Ansatz der German Doctors (früher: „Ärzte für die dritte Welt“). Vor 30 Jahren gegründet, setzt die mildtätige Organisation (Sitz in Bonn) auf direkte Hilfe deutscher Ärzte in Slums und entlegenen Regionen in Kenia, Sierra Leone, Bangladesch, Philippinen, Indien und Nicaragua.
Wert wird darauf gelegt, die medizinische Ausbildung Einheimischer zu fördern. Dabei wird versucht, sich selbst tragende Strukturen anzustoßen. Ziel sei, „uns am Ende selbst überflüssig zu machen“, heißt es auf der Internetseite www.german-doctors.de.
350 Ärzteeinsätze vermittelt die Organisation, die von Spenden lebt, jedes Jahr. Täglich sollen die German Doctors 1500 Patientenkontakte haben. Motto: „Helfen, Heilen, Hoffnung geben“. 2015 wurde der 6000. Einsatz eines German Doctors gezählt.
Die Ärztin und Schauspielerin Dr. Maria Furtwängler ist seit 1998 Präsidentin des Kuratoriums der German Doctors. Sie unterstützt den Verein vor allem bei der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen und den Medien. spr

Christian Spreer

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