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Segeberg Gibt’s ein Comeback des "Red Porsche Killers"?
Lokales Segeberg Gibt’s ein Comeback des "Red Porsche Killers"?
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21:35 10.04.2017
Der Start sah noch ganz gut aus. Doch dann verschaltete sich Brösel mit seiner Maschine und verlor das legendäre Rennen in Hartenholm.
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Hartenholm

Über 200000 Menschen haben sich auf den Weg gemacht, zumeist junge Leute. Der Flugplatz Hartenholm und das Gelände ringsherum haben sich in ein riesiges Zeltlager verwandelt. Ausnahmezustand! Benzinschwaden wabern durch die Luft. Infernalischer Krach erschüttert das Flugfeld: Vier Horex-Motoren in Reihe befeuern den „Red Porsche Killer“ von Rötger Feldmann, der sich als Comiczeichner „Brösel“ nennt. Doch das Rennen ist bereits nach 600 Metern und 20 Sekunden zu Ende: Brösel versemmelt das Rennen, „Holgi“, Feldmanns Freund und Kneipenwirt Holger Henze aus Kiel („Club 68“), siegt auf seinem Porsche. Fast 30 Jahre ist das jetzt her, und zum Jubiläum im September 2018 könnte es eine Wiederholung auf dem Hartenholmer Flugfeld geben.

Nach 30 Jahren: Neuauflage des Werner-Rennens im Gespräch.

Rotzfrecher Held

Rötger Feldmann alias Brösel kam 1950 in Travemünde zur Welt. Sein rotzfrecher, biertrinkender Comic-Held feierte 1981 mit dem ersten Buchband „Werner - Oder was?“ den großen Durchbruch. Es folgten viele weitere Bände, mit „Werner - Beinhart!“ 1990 dann auch die erste Verfilmung des Comics.

Allerdings bewegt sich das Ganze zurzeit noch im Abgasdunst der Spekulation. Immerhin bestätigt Bürgermeister Klaus-Wilhelm Schümann aus Hasenmoor – zu dieser Gemeinde gehört der Flugplatz –, dass es für September 2018 eine Anfrage zum Thema gibt. Und laut Medienberichten soll auch der Flugplatz-Chef von der Idee Kenntnis haben. Doch Holger Hübner, Geschäftsführer von ICS Festival, auf den Bürgermeister Schümann verweist, wiegelt auf Anfrage der LN vorerst noch ab: „Die Veranstalter melden sich gerne, wenn es etwas zu berichten gibt.“ Die Kieler Nachrichten vermeldeten jetzt, dass eine Revanche für 2018 „abgemacht“ sei und beziehen sich dabei auf Aussagen von Holgi Henze, dessen Red Porsche angeblich schon startklar sein soll.

Auch wenn so gut wie nichts fix ist: Fest steht, dass sich wohl wieder zigtausende Menschen auf den Weg machen würden, um Brösel gegen Holgi, Red Porsche Killer gegen den 911er, erneut zu erleben – zumal als Beiwerk wieder jede Menge guter Rockmusik geboten werden dürfte. Damals, 1988, standen bei der dreitägigen „Paaadie“ unter anderem Roger Chapman sowie die Kölner Band BAP mit Wolfgang Niedecken auf der Bühne, damals höchst angesagte Gruppen, die ganze Stadien füllten.

Ob es bei einer Neuauflage 2018 auch wieder 200000 Fans werden dürften, mag zwar bezweifelt werden, denn ab 1988 war die Werner-Welle auf ihrem Höhepunkt. Neben Comics gab es ab 1990 fünf Filme („Beinhart“), und die Sprüche des Installateur-Lehrlings („Gas, Wasser, Scheiße“) hatten sich in den Alltag geschlichen. So beliebt ist der langnasige Comicheld heute wohl nicht mehr – aber auch damals hatte kein Mensch mit 200000 Besuchern gerechnet. Die Veranstalter auch nicht . . . und so zeigten sie sich zuerst überrollt von den Blechlawinen, die sämtliche Straßen rund um Hartenholm und sogar die Autobahn 7 verstopften, und am Ende von einer unvorstellbaren Mülllawine. Der Flugplatz war über Tage nicht benutzbar – es waren unter anderem 600000 Würstchen und 450000 Liter Bier vertilgt worden. Die Tankstellen im Umkreis von 20 Kilometern waren leergekauft . . . bis zur allerletzten Chipstüte. Dieser Ansturm hatte seinerzeit aber nicht nur für grenzenlose Freude gesorgt. Die Einwohner, die nicht vom großer Hunger und noch viel größeren Durst der Werner-Fans profitierten, beklagten sich anschließend über Müllberge und andere unappetitlichen Hinterlassenschaften auf ihren Grundstücken und in Vorgärten.

Sollte die ICS Festival Service GmbH im nächsten Jahr eine Neuauflage dieser Veranstaltung übernehmen, läge das Werner–Ereignis – gleich wie viele Besucher kommen mögen – in guten Händen; denn ICS weiß bereits durch das alljährliche Wacken-Festival, wie mit großen Besucherzahlen umzugehen ist. Übrigens hatte es Rötger Feldmann und Holger Henze bereits 2004 in den Fingern beziehungsweise im Gasfuß gejuckt, ihre Ewigkeitswette (die „Brösel“ bereits 1985 im Comic vorgestellt hatte) zu wiederholen. Dieses „Rännen“ fand auf dem Lausitzring in Brandenburg statt. Und wieder gewann der rote Porsche.

 Lothar Hermann Kullack

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