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Segeberg Glaspalast bis Schlichtbau: Bad Segebergs Bahnhofspläne
Lokales Segeberg Glaspalast bis Schlichtbau: Bad Segebergs Bahnhofspläne
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20:25 31.08.2013
Wie ein hohler Zahn ragt einer der Silotürme am Bahnhof in den Himmel. Mit viel Geld verschuldete sich die Stadt 2004 mit dem Abriss, um das Grundstück für Investoren interessant zu machen. Noch immer bedient Bad Segeberg dafür Kredite. Eine gigantische Fehlinvestition. *Foto: wgl

Der Jubel in Bad Segeberg war groß, als es vor 15 Jahren hieß: Die Bahnstrecke zwischen Neumünster und Bad Oldesloe mit Halt in Bad Segeberg wird wiedereröffnet. Die Stadt sah ihre Chance für einen ganz großen städteplanerischen Wurf. Ein neues Entree sollte her, der Bahnhof besser mit dem Zob verbunden werden, ein Mobilitätszentrum entstehen, der alte Busbahnhof einem schicken Kaufhaus weichen. Dafür wurde der Haltepunkt sogar 150 Meter Richtung Stadtmitte verlegt, auf ein altes Silogelände. Doch mit dem „Jahrhundertprojekt“, wie der damalige Bürgermeister Udo Fröhlich es nannte, hatte sich die Kreisstadt mächtig verhoben.

2002 Idee des Räderwerks

„Räderwerk“ nannte der Bad Segeberger Autohändler Detlef Zielke seinen ehrgeizigen Plan für ein Mobilitätszentrum auf dem Silogelände. Kulturstätte und Dienstleistungen rund ums Auto in einem gläsernen Bau. Dafür hätte es sogar EU-Gelder gegeben. Doch die Stadtpolitiker zögern, sie wollen mehr Geld für die Flächen und haben eigene Planer beauftragt.

2003 Auto-Service-Park

Die Züge rollen, ein Container wird als „Provisorium“ aufgestellt. Die Stadt stellt einen neuen Investor vor: Die Auto Service Park GmbH aus Ahrensburg. Bahnhof, Fastfood-Restaurant und drei Geschäfte rund ums Auto sollen entstehen. Konkrete Pläne bleiben aber aus.

2005 Ärztehaus und Shops

Die Stadt hat inzwischen die Silo-Türme abgerissen — auf Pump. Eine halbe Million soll das gekostet haben. Schon nach einem Jahr fallen 15 000 Euro Zinsen an. Aber mit dem Büdelsdorfer Unternehmen Top Finanz scheint ein neuer Investor gewonnen. Der plant Großes: ein mehrstöckiges Bahnhofsgebäude mit Glasfassade, 4000 Quadratmeter Geschäftsfläche und Ärztehaus im Obergeschoss. Der Plan scheitert jedoch 2006 an der Wirtschaftlichkeit.

2007 Wettbewerb

Das „Provisorium“ Container feiert fünfjähriges Bestehen und wird durch Graffiti zum „Kunstobjekt“. Als Impuls für einen Bahnhof ruft die Stadt zum Architektenwettbewerb auf. Gewinner ist Torsten Simonsen mit gläserner Wartehalle. Immer noch wartet die Stadt auf Investoren und verzichtet auf Fördergelder für einen Bau in Eigenregie.

2009 Bahnhof mit Rendite

Zuletzt hatte sich die Stadt durchgerungen, selbst einen Bahnhof zu bauen, da tauchen neue Investoren auf: Konkret ist das Angebot der EVM Immobilien GmbH. 3,4 Millionen Euro will sie in einen mehrstöckigen, schlichten, verglasten Bau mit Fitnessstudio im Obergeschoss und mehrstöckige Parkpalette investieren. Aber nur, wenn die Stadt mit einsteigt, die findet das Konzept nicht schlüssig.

2010-12 „Hingucker“

Die Stadt verkauft das Bahnhofsgrundstück an die Andreas Betzer Projektentwicklungsgesellschaft aus München. Die plant einen drei- bis viergeschossigen Glasbau auf insgesamt 950 Quadratmeter Grundfläche. Der „Bahnhof mit Dienstleistungsfunktion“ soll ein „Hingucker“ werden. Wartehalle im Untergeschoss, dazu Kiosk und Bistro für Reisende, dazu Fachmärkte. In den Obergeschossen sollen Büros und Gewerbe möglich sein. Es klang zu schön um wahr zu sein, auch nach Fristverlängerung geschah am Bahnhof nichts. Die Verträge wurden rückgängig gemacht.

2013 Einkaufzentrum

Die Brezel GmbH bekam den Zuschlag von den Stadtvertretern. Hässlich aber zweckmäßig ist der Entwurf der Investoren: Schnell fanden sich Mieter wie Deichmann, Budnikowsky und Bäckerei Günther. Doch die Pendler gehen leer aus. Keine Parkplätze mehr für sie nahe am Bahnsteig. Die Radfahrer bekommen keinen Unterstand für ihre Velos. Die schlechteste aller bisherigen Lösungen wird nun Realität. . .

Nadine Materne

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