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Segeberg Grapscher im Hallenbad: Eine Verwechslung?
Lokales Segeberg Grapscher im Hallenbad: Eine Verwechslung?
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10:40 28.01.2016
Im Bad Segeberger Hallenbad soll es zu der Tat gekommen sein.
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Bad Segeberg

Ein junger Afghane soll am Wochenende eine Elfjährige unsittlich berührt haben. Die Polizeimeldung klingt eindeutig: Das Mädchen, das kurz nacheinander von zwei jungen Männern an den Po gefasst wurde, meldete sich bei der Bademeisterin, die Polizei wurde verständigt, kurz darauf identifizierte das Mädchen einen 22-jährigen Afghanen als einen der Täter.

„Er musste die Schwimmhalle verlassen und muss sich jetzt in einem Strafverfahren für seine Tat verantworten“, heißt es wörtlich in der Polizeimeldung. Fall gelöst? Oder handelt es sich womöglich um eine Verwechslung? Der Verein Alleineinboot stellt sich nun vor den Beschuldigten, der die Tat abstreitet: „Zu Hause habe ich kleine Schwestern, ich mache sowas nicht.“

Schon seit einiger Zeit sei der Afghane dem Verein von verschiedenen Angeboten her bekannt, sagt Leon Flucke, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Alleineinboot. Verwirrt und ängstlich sei der 22-Jährige nach der Begegnung mit den Polizisten gewesen, die er wegen seiner geringen Deutschkenntnisse kaum verstanden habe. Ein Dolmetscher stand kurzfristig nicht zur Verfügung. Eine Einlassung zu dem Vorfall liegt der Polizei bisher nicht vor, wie Polizeisprecherin Silke Westphal auf LN- Nachfrage bestätigte. Das Recht auf Gehör stehe aber natürlich auch dem Afghanen zu. Mit einem Dolmetscher. Noch sei das aber nicht möglich gewesen. Man habe jedoch keinen Grund, an der Aussage des Mädchens zu zweifeln.

Könnte die Elfjährige den Täter mit dem Beschuldigten verwechselt haben? „Wir haben mit dem Betroffenen gesprochen“, so Flucke. Demnach sei der junge Mann mit drei Freunden im Hallenbad gewesen. Da er aber nicht schwimmen kann, habe er im Nichtschwimmerbecken tauchen geübt. Dort habe er versehentlich unter Wasser eine Person mit der Hand gestreift. Beim Auftauchen sei nicht feststellbar gewesen, wen. Etwa eine halbe Stunde später saß der Beschuldigte mit den Freunden auf der Empore über dem tiefen Becken, wo er von der Bademeisterin und der Polizei heruntergebeten und befragt worden sei, schildert der Verein in einer schriftlichen, öffentlichen Stellungnahme auf Facebook. Demnach versuchte der Afghane trotz mangelnder Sprachkenntnisse, die Sache aufzuklären und bestritt die Tat, die in den Medien und in sozialen Netzwerken für Wirbel sorgt.

Die Tat selbst sei zu verurteilen, betont der Verein. Der beschuldigte Afghane könne es aber nicht gewesen sein, da der Übergriff laut Polizei im tiefen Becken passiert sein soll. „Den Sachverhalt zu klären ist nun Aufgabe der Polizei“, sagt Flucke. Der Verein warnt vor pauschalen Beschuldigungen, die zu einer Spaltung der Gesellschaft führten — befeuert durch Diskussionen über die Ausgrenzung bestimmter Personengruppen, etwa durch spezielle Badezeiten für Asylbewerber. „Was wir brauchen“, so Flucke, „ist eine Gesellschaft, die auch in dieser angespannten Lage einen kühlen Kopf bewahrt.“

„Jeder hat das Recht auf Gehör, auch der Afghane.

Das wird noch stattfinden.“
Silke Westphal, Polizeisprecherin

Nadine Materne

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