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Grenzen aufzeigen: Kinder lernen „Nein“ zu sagen

Bad Segeberg Grenzen aufzeigen: Kinder lernen „Nein“ zu sagen

Projekt an der Heinrich-Rantzau-Schule soll Schüler vor sexuellem Missbrauch schützen.

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Was sind gute, was schlechte Berührungen? Tim, Leonardo, Clemens, Leon und Tammo (v.l.) beschäftigen sich an einer Station damit.

Quelle: sd

Bad Segeberg. Ernst und bestimmt „Nein“ sagen, den Tigerblick üben. Schüler der Heinrich-Rantzau-Schule lernen gerade, stark und selbstbewusst aufzutreten. Eine wichtige Voraussetzung, um persönliche Grenzen aufzuzeigen und nicht in die Opferrolle zu geraten. Denn: Sexueller Missbrauch ist zu einer Alltagserfahrung vieler Mädchen und Jungen geworden. Nach Einschätzungen des Bundeskriminalamtes (BKA) erlebt jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder sechste bis siebte Junge sexuelle Übergriffe, fast die Hälfte aller betroffenen Kinder sind dabei im Alter zwischen fünf und zehn Jahren.

Um vorzubeugen und die Schüler zu sensibilisieren, hat sich die Heinrich-Rantzau-Schule für die Wanderausstellung „Echt Klasse — Spielstationen zum Starksein“ des Präventionsbüros „Petze“

entschieden. Altersgerecht werden anhand von sechs Spielstationen Themen wie Gefühle, Grenzen, gute und schlechte Geheimnisse erarbeitet. Die Sieben- bis Elfjährigen lernen so, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und zu erkennen, dass sie selbst etwas zum Schutz vor sexuellem Missbrauch beitragen können.

Tim, Leonardo, Clemens, Leon und Tammo aus der 4c stehen gerade an der Station, wo es um Berührungen geht. Ein Haus ist aufgemalt, verschiedene Türen lassen sich öffnen, dahinter sind diverse Szenen dargestellt: eine Kissenschlacht mit viel Körperkontakt unter Kindern, ein Papa füttert sein Baby, eine Mutter platzt ins Badezimmer als der Teenie-Sohn duscht, eine Oma küsst den Enkel, der große Bruder will der jüngeren Schwester die Decke wegziehen. Die fünf Jungen diskutieren darüber, welche Szene gute, welche schlechte Berührungen darstellt. Denn sie müssen pro Tür einen Smiley vergeben.

Sehen die Kinder hinter den Türen fröhlich aus, scheint die Aktion Spaß zu machen, oder sind sie ängstlich oder wütend? Viele Smileys sind schnell vergeben, nur die Oma-Szene ist nicht eindeutig. „Es kann auch schön sein, wenn die Oma einen in den Arm nimmt und küsst“, gibt Tammo zu Bedenken. Über den Kopf streicheln sei okay, aber nicht von Fremden, ist Leons Meinung. „Wir müssen laut Nein sagen, damit Erwachsene das Nein auch verstehen“, ist sich der Schüler sicher.

Laura und Ann-Marie stehen an der Hilfestation. Eine Glühlampe soll zum Leuchten gebracht werden. Jede drückt zwei Knöpfe, doch nun brauchen sie noch eine weitere Hand für eine Kurbel. Jessica hilft. „Wir dürfen uns Hilfe holen, und es ist schlau, das zu machen“, so die Mädchen. Auch sie finden die Ausstellung gut und hilfreich. So haben sie zum Beispiel den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen gelernt. „Es gibt Geheimnisse, die man verraten muss“, sagt Jessica. Zum Beispiel wenn man bedroht oder erpresst wird. „Aber auch wenn man etwas angestellt und deswegen ein Bauchwehgefühl hat, sollte man das sagen“, ergänzt Ann-Marie.

„Es ist so wichtig, dass wir unsere Kinder stark machen“, sagt Schulleiterin Anja Look. Das Thema bleibe im Verborgenen, und die Signale eines sexuellen Missbrauchs zu erkennen, sei sehr schwer.

Antje Albertsen, Vorsitzende des Kinderschutzbundes (DKSB) in Bad Segeberg, ergänzt, dass es die Aufgabe der Erwachsenen sei, ihre Antennen zu schärfen. Deshalb gehört zur Wanderausstellung auch eine Vor- und Nachbereitung für die Lehrkräfte. Der DKSB hat die Kosten für die Ausstellung übernommen.

Von sd

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