Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Große Mehrheit will Seekauf! Aber nicht für 1,4 Millionen Euro
Lokales Segeberg Große Mehrheit will Seekauf! Aber nicht für 1,4 Millionen Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:49 28.09.2016
Idylle auf gut zehn Hektar, plus Wald und Haus: Viele Bürger befürworten einen Kauf durch die Gemeinde – aber nur deutlich unter dem Preis. 1,4 Millionen Euro will die Eigentümerin für den Itzstedter See haben.

„Und am Ende der Straße steht ein Haus am See . . .“ Barde Peter Fox besingt das idyllische Fleckchen in seinem Hit und offenbar gehen die Textzeilen zumindest im Amt Itzstedt so manchem nicht aus dem Kopf. Uwe Voss, CDU-Kreisgeschäftsführer und Mitglied der Christdemokraten im Kreistag, jedenfalls läuft derzeit zur Höchstform auf, um den zum Verkauf stehenden Itzstedter See mit seiner Badeanstalt für die Öffentlichkeit zu retten (die LN berichteten). Finanziert werden könnte der Kauf durch einen Teil der überörtlichen Schlüsselzuweisungen, rechnet er vor. Am Montagabend lud Voss Bürgermeister, Amtsvorsteher und Bürger in Juhls Gasthof, um sich „mal ein Stimmungsbild zu machen“. Interesse: rege. Ergebnis: Die große Mehrheit ist für den Kauf des Sees, aber nicht für den ausgeschriebenen Kurs.

Zur Galerie
Bürger diskutierten in Juhls Gasthof hitzig über den zum Verkauf stehenden Itzstedter See – Nun werden sich die Gremien im Amt damit auseinandersetzen müssen.

Zur Erinnerung die Eckdaten: 1,4 Millionen Euro, so die Preisvorstellung von Eigentümerin Sabina Grillo. Ein Makler ist mit dem Verkauf beauftragt. Kurzbeschreibung der Immobilie: Ein Gewässer mit 10,2 Hektar, ein Wäldchen (gut vier Hektar), eine Wiese, darauf ein sanierungsbedürftiges Wohnhaus (knapp 300 Quadratmeter). Ein kleiner Teil des Sees ist im Besitz der Gemeinde Oering. Für die Badestelle gibt es einen bindenden Vertrag, der sie weiter sichert.

„Klar, ich hätte den See auch gerne, aber was hier jetzt abgeht, das kann ich nicht verstehen“, zeigte sich Nahes Bürgermeister Holger Fischer angesichts der Voss’schen Kampagne geradezu überrumpelt.

Man müsse auf den Teppich zurückkommen sagte er – und machte eine Beispielrechnung auf, an dessen Ende um die 500 000 Euro plus X für Folgekosten herauskam. Schließlich gebe es andere, wichtigere Baustellen. „Außerdem stand der See schon häufiger zum Verkauf, das geht nicht von heut’ auf morgen“, erinnerte er an die 50er Jahre. Damals sollte der See für 100000 Mark den Besitzer wechseln, was der Politik damals überteuert erschien und darum abgelehnt wurde. Auch Itzstedts Bürgermeister Peter Reese empfand die „Welle, die auf mich zurollte, durch den Hype um den See“ als unglaublich.

Es täte dem Gewässer sicherlich gut, wenn es in öffentliche Hände käme, schon mit Blick auf die Verbesserung der Wasserqualität, die Jahre gedauert hatte, weil sich Kommune und Eigentümerin nicht immer einig waren. Aber: „Die Immobilie muss genau betrachtet werden.“ Ein weiteres Statement wollte er nicht abgeben, denn es habe sich noch kein Fachausschuss mit dem Thema befasst.

Ein ähnlich unscharfes Bild zeichnete sich unter den 60 bis 80 Bürgern ab, die sich in Juhls Gasthof eingefunden hatten. Es gab Skepsis: Man müsse erst mal eine Zukunftswerkstatt initiieren, „um die Ideen zum See, die noch nicht ausgesprochen sind, zu erfassen“ (Uwe Fossemer); konkrete Vorschläge: „Wenn jede Familie 100 Euro gibt, dann haben wir das Geld doch schon zusammen“ (Evelyn Krauß) und völlige Ablehnung: „Was wollen wir mit dem See? Ich sehe da keinen Sinn drin. Wenn man Umweltschutz will, muss die Badestelle dichtgemacht werden, und das will niemand“ (Holger Studt).

„Wir sollten nicht selbst Gutachter spielen, sondern einen Sachverständigen hinzuziehen“, dämmte Eberhard Krauß die immer wiederkehrenden Spekulationen über einen angemessenen Kaufpreis ein. Und Helmut Trahn verwies noch einmal auf die Schwierigkeiten in der Vergangenheit hin, die es zwischen Amt und Eigentümerin wegen des See und seiner Qualitätsverbesserung gegeben habe.

Das Ziel von Uwe Voss, dass „man an das Thema ’rangeht“ und sich mit der Immobilie auseinandersetzt, wurde zumindest erreicht. Aber noch befindet man sich in Itzstedt und Umgebung ganz am Anfang der Straße – an deren Ende vielleicht ein Haus am See steht. . .

 Heike Hiltrop

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige