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Segeberg Große Sehnsucht nach den Töchtern
Lokales Segeberg Große Sehnsucht nach den Töchtern
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18:07 08.03.2018
Yassin Ali Mauda und seine Frau Thanaa Ahmed sind verzweifelt, weil sie ihre minderjährigen Töchter Aleen und Alja (kleines Foto) in Jordanien zurücklassen mussten und nicht hierher nachholen dürfen. Quelle: Fotos: Fuchs
Norderstedt

In seiner Heimatstadt Taizz im Süden des Jemens war er als Dekan für Zahnmedizin an der Universität Leiter der Gesundheitsbehörde. Jetzt sitzt Yassin Ali Mauda (51), der neben Arabisch auch Englisch, Russisch, Spanisch und ein bisschen Deutsch spricht, mit seiner Frau Thanaa Ahmed (44) in der Küche der kleinen Wohnung in Norderstedt und ist verzweifelt. „Wir wünschen uns nichts so sehr, wie dass unsere beiden minderjährigen Töchter Aleen und Alja endlich hierher nachreisen können“, sagt der Mann, während seine Frau die Tränen nicht mehr zurückhalten kann. „Vor allem für meine Frau ist das eine so große Belastung, dass sie immer depressiver wird und kaum noch schlafen kann.“

 

Ihre beiden Töchter haben sie seit über zwei Jahren nicht mehr gesehen. Sie leben in einem Flüchtlingslager in Jordanien. Die Familie aus dem seit Jahren vom Bürgerkrieg geschüttelten Land im Südwesten der Arabischen Halbinsel ist Opfer der Bundespolitik, die den Familiennachzug von hierher geflüchteten Menschen noch weiter bis Ende Juli ausgesetzt hat. Dabei genießen Thanaa und Yassin Mauda subsidären Schutz in Deutschland. Ihr ältester Sohn Abdulla (25), der in Hamburg Flugzeugtechnik studiert, will in diesem Jahr seine Verlobte heiraten, mit der er zusammen in Eimsbüttel lebt.

Vater wurde bedroht und gefoltert

 Im November 2015 musste der Uni-Professor aus dem Jemen sein Heimatland verlassen. Seine Praxis in Taizz und sein Wohnhaus seien von den Raketen Irans oder Saudi-Arabien zerstört worden, die sich im Jemen einen sogenannten Stellvertreterkrieg um die sunnitische oder schiitische Vorherrschaft innerhalb des Islam liefern. Er sei bedroht und gefoltert worden, weil er für die abgesetzte Regierung gearbeitet und auch politische Gefangene behandelt habe, erzählt Yassin Ali Mauda.

Seit der Misshandlung leidet Mauda unter einer seltsamen Nervenkrankheit, aufgrund der er kaum stehen und nur wenige Meter laufen kann. Über Jordanien flüchtete er nach Deutschland, wo Sohn Abdulla seit 2011 zunächst in Clausthal-Zellerfeld und nun in Hamburg studiert. Von der deutschen Botschaft in Amman bekamen nur er und seine Frau ein Visum ausgestellt, die beiden 15 und 17 Jahre alten Töchter mussten sie zurücklassen.

Über München, Harburg, Neumünster und Eggebek gelangten sie im Februar 2016 nach Norderstedt. In Hamburg ließ sich der kranke Mauda in der Klinik für Neurologie im UKE wegen seiner Bewegungsstörung untersuchen, die bei ihm ein „progredientes spinozerebelläres Syndrom“ diagnostizierte, eine Nervenerkrankung, die zu zunehmenden Koordinationsstörungen führt. Ihm wurde Krankengymnastik verschrieben und ein Schwerstbehindertenausweis ausgestellt.

Inzwischen ist der Akademiker immer häufiger auf den Rollstuhl und die Hilfe seiner Frau angewiesen. Im August 2017 erkannte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dem Ehepaar „subsidiären Schutz“ zu. Diesen erhält ein Ausländer, „wenn er stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht“, wozu Folter, Todesstrafe oder die Bedrohung des Lebens gehören, heißt es in dem Bescheid.

Subsidärer Schutz ermöglicht nach dem deutschen Aufenthaltsrecht, dass die Familie „aus humanitären Gründen“ Kinder und Verwandte hierher nachholen darf. Zumindest galt dies so bis zum März 2016, als die Bundesregierung den Familiennachzug für diese Menschen für zwei Jahre aussetzte, erfuhr ein Mitarbeiter der Caritas in Norderstedt, der die Familie betreut, vom Auswärtigen Amt.

Im Februar 2018 hat der Bundestag den Familiennachzug für subsidär schutzberechtigte Flüchtlinge erneut bis Ende Juli ausgesetzt, teilt Susanne Beger-Blum vom Auswärtigen Amt mit. „Anschließend kann den Ehegatten oder den minderjährigen, ledigen Kindern von subsidiär Schutzberechtigten beziehungsweise den Eltern von minderjährigen subsidiär Schutzberechtigten aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden“, schreibt sie weiter. Deren Anzahl dürfe aber monatlich 1000 erteilte Aufenthaltserlaubnisse nicht überschreiten.

Das ist das Ergebnis der Verhandlungen von CDU/CSU und SPD für eine erneute Große Koalition. Als die Familie im Herbst 2017 ihren Antrag stellte, war davon noch keine Rede. Sohn Abdulla war im September wegen seiner ausgezeichneten Deutschkenntnisse eigens zur deutschen Botschaft nach Amman gereist, wo er auf seine Schwestern traf, die er seit Jahren nicht gesehen hatte, um den Visum-Antrag für sie zu begründen.

Botschaft will den Fall noch einmal prüfen

 Seitdem ging die Botschaft auf Tauchstation und beantwortete seine Nachfrage-Mail vom 16. Oktober, wann Aleen und Alya nachreisen dürften, erst nach abermaliger Nachfrage einer Norderstedter Flüchtlingshelferin am 22. Februar mit dem Hinweis auf die erwähnte Aussetzung des Familiennachzuges. Der künftige Schwiegervater Abdullas sei bereit, die Mädchen bei sich zu Hause in einem Dorf bei Norderstedt aufzunehmen.

Die menschliche Tragödie der Familie Mauda scheint den Behörden aber nicht gleichgültig zu sein. So teilt das Auswärtige Amt den LN nun mit: „Die Botschaft Amman wird den Fall nochmals prüfen.“

Vater Mauda sagt: „Wir stecken in einem Dilemma, das meine Frau und mich immer stärker belastet.“ Aus Sorge, dass ihren Töchtern, die ganz allein in Jordanien leben müssen und seit zwei Jahren keine Schule besuchen konnten, irgendetwas zustoßen könnte, zerreißt ihnen das Herz. Ehefrau Thanaa sagt: „Ich würde alles dafür tun, dass meine Töchter endlich in Sicherheit gebracht werden.“ Am liebsten wäre es ihr, „wenn wir im Jemen gestorben wären, als diese Qual zu erleiden, nicht zu wissen, wann wir unsere Töchter wiedersehen können.“

 Von Burkhard Fuchs

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