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Segeberg Großeinsatz bei Lactoprot: Natronlauge kippte von Lkw
Lokales Segeberg Großeinsatz bei Lactoprot: Natronlauge kippte von Lkw
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22:26 15.04.2016
Großeinsatz der Feuerwehren aus Leezen und Bad Segeberg. Quelle: Spreer
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Leezen

Großeinsatz der Feuerwehren aus Leezen und Bad Segeberg: Auf dem Werksgelände der Leezener Firma Lactoprot, die im Ortszentrum Milchprodukte herstellt, ist gestern ein Behälter mit 700 Kilo Natronlauge umgekippt und ausgelaufen. Ein Fall für den ABC-Zug (Gefahrguterkundung) des Kreis-Feuerwehrverbandes, weil anfangs der Verdacht bestand, Säure sei ausgetreten und es habe die Gefahr der Verätzung bestanden. Tatsächlich kann Natronlauge zwar vielfältige positive Eigenschaften haben. Doch als kristalline Substanz (Ätznatron) kann sie die Haut und Schleimhäute verätzen. Und bei Kontakt mit den Augen besteht sogar die Gefahr der Erblindung. Doch bei diesem Unfall ist nach Aussage von Lactoprot-Betriebsleiter Norbert Luft niemand verletzt worden.

700 Kilo der ätzenden Chemikalie liefen auf dem Firmengelände in Leezen aus — Feuerwehr und Firmenangehörige hielten Schaden in Grenzen — Verletzt wurde niemand.

Natronlauge ist die wässrige Lösung von Natriumhydroxid. Sie wird als preiswerte, wichtige Grundchemikalie in fast allen Bereichen der chemischen Industrie eingesetzt. In der Nahrungsmittelindustrie wird sie zum Spülen von Flaschen in Abfüllanlagen und zur Reinigung von Edelstahltanks verwendet.

Etwa 70 Einsatzkräfte dürften nach Leezen gefahren sein, nachdem um 10.35 Uhr der Alarm ausgelöst worden war. Wie die LN von Betriebsleiter Luft erfuhren, sei der Unfall beim Verladen der Behälter durch einen Spediteur geschehen, der die Lauge angeliefert hatte. Der Behälter sei von dessen Lkw gekippt, aufgeplatzt und teilweise ausgelaufen. Von den 700 Kilogramm Inhalt habe man schätzungsweise 300 Kilogramm in einen anderen Behälter umpumpen können. Was ausgelaufen war, sei mit Bindemitteln „eingefangen“ worden. Zudem sei verhindert worden, dass Lauge in Abflüsse oder ins Erdreich habe sickern können.

Wie Norbert Luft sagte, werde Natronlauge bei Lactoprot reichlich verwendet. „Wir reinigen damit unsere Tanks.“ Darin befinden sich hauptsächlich Milch und Milchprodukte. Luft legt Wert auf die Feststellung, dass keinem Mitarbeiter seiner Firma das Missgeschick passiert sei, sondern dem Fahrer einer Spedition. Gegen 14 Uhr war ein Fahrzeug der Lübecker Firma Possehl dabei, die ausgelaufene Natronlauge inklusive Bindemittel zu bergen, um sie zu entsorgen. Mitarbeiter der Firma und Feuerwehrleute, die mit der Lauge Kontakt hatten, mussten anschließend in einer Wanne ihre Schuhe dekontaminieren.

Die Feuerwehren werden recht häufig auf das Betriebsgelände an der Meiereistraße in Leezen gerufen. In diesem Jahr sei dies schon fünf Mal der Fall gewesen, sagte ein Zugführer den LN.

Allerdings habe dies stets an der Brandmeldeanlage gelegen, die noch nicht einwandfrei laufe. Im September 2015 hatte es zuletzt einen Chemieunfall gegeben. Bei Laborarbeiten war stark ätzendes Ammoniak ausgetreten. Ein 16-jähriger Mitarbeiter musste mit Verletzungen der Atemwege in eine Klinik gebracht werden. Ein weiterer Mitarbeiter wurde noch am Einsatzort vom Notarzt untersucht. Bei ihm wurden seinerzeit aber keine Verletzungen festgestellt.

Von Christian Spreer

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