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Segeberg Gutachten: Skaterbahn zu laut für Standort an den Fischteichen
Lokales Segeberg Gutachten: Skaterbahn zu laut für Standort an den Fischteichen
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21:39 25.11.2016
Standortsuche mit Hindernissen: Seit 2009 steht die Stadt im Wort, die von der Backofenwiese abgebaute Skateranlage wieder aufzubauen. *FOTO: MAXWITAT

Es ist gerade eineinhalb Wochen her, da stimmten Bad Segebergs Stadtvertreter einstimmig dafür, ein Gelände bei den Fischteichen auf Eignung für eine Skateranlage prüfen zu lassen. Vertreter des Jugendbeirates saßen im Publikum und hörten, wie sehr die Jugend gelobt wurde für ihren Einsatz bei der Standortsuche. Was sie nicht wussten: Zu diesem Zeitpunkt lag der Verwaltung längst eine schalltechnische Untersuchung vor zur Frage, ob eine Skaterbahn dort stehen kann. Und die fällt vernichtend aus: „Der angedachte Standort für die Skateranlage ist aus schalltechnischer Sicht nicht zu empfehlen.“

SPD will trotzdem Bauantrag stellen und weitere Untersuchungen erwirken.

Die Wirksamkeit von Lärmschutzmaßnahmen in Form von Lärmschutzwänden sei „fraglich“, auf eine „detaillierte Prüfung wurde aufgrund der hohen prognostizierten Überschreitungen innerhalb der Ruhe- und Nachtzeit verzichtet“, heißt es im Ergebnis.

Von dem Gutachten habe man zum Zeitpunkt der Abstimmung nichts gewusst, beteuert Jens Lichte (SPD), der den Antrag vorgestellt hatte. „Das war keine Trickserei.“ Und man werde die Ergebnisse sehr genau betrachten, man habe das Vertrauen in gutachterliche Untersuchungen verloren, so Lichte. Die Fraktion hat sich bereits mit der vorliegenden Untersuchung beschäftigt. „Und wir werden das so nicht hinnehmen“, betont SPD-Fraktionschef Joachim Wilken-Kebeck. Er kündigt an: „Wir werden nun einen Bauantrag stellen – trotz des Gutachtens.“ Dann nämlich seien weitergehende Untersuchungen nötig. „So einfach werden wir es uns dieses Mal nicht machen.“ Das Gutachten macht keinen Hehl daraus, dass es von einem „Maximalansatz“ ausgeht. Gerechnet wird von vornherein mit den lauteren Emissionswerten von Skatern (im Unterschied zu Inlinern) – da das Verhältnis von Skatern zu Inlinern nicht bekannt sei, schreibt der Sachverständige Diplom-Ingenieur Hans-Ulrich Mücke in der Untersuchung. Da die Bad Segeberger Anlage seit 2009 nicht mehr steht, könnte die Frage gestellt werden, woher er überhaupt weiß, wie viele Skater es in der Stadt gibt. Bei den Nutzungszahlen greift Mücke auf eine Untersuchung des Bayrischen Landesamts für Umwelt zurück über „Geräusche von Trendsportarten“. Sie ist von 2005. Und demnach würden bei gutem Wetter Anlagen-Teile wie eine Funbox zwei Mal pro Minute genutzt, eine Quarter-Pipe einmal, eine Rail ebenfalls zwei Mal pro Minute. Alles in allem geht der Sachverständige von üppigen 330 „Ereignissen“ pro Stunde auf einer Skaterbahn aus.

Und jedes überschreitet bereits die tagsüber geltenden Dezibel-Richtwerte in reinen und allgemeinen Wohngebieten. Der von den Jugendlichen vorgeschlagene Standort liegt in einem Wohngebiet. In der Nähe sei sogar ein weiteres geplant.

„Unter diesen Voraussetzungen kann man nirgends in Bad Segeberg eine Skateranlage aufstellen“, so Wilken-Kebeck. „Dann könne man die Skaterbahn auf dem Friedhof begraben“, meint Lichte. „Natürlich muss eine Skaterbahn in einem Wohngebiet stehen, ansonsten heißt es wieder, der Ort könnte zu einem Drogenumschlagplatz werden.“

Wilken-Kebeck kritisiert, dass sich das Gutachten nicht mit geräuschdämpfenden Materialien auseinandergesetzt hat. Auch das würde mit einem Bauantrag geprüft werden. Dabei erinnert er an einen diskutierten Standort an der Burgfeldschule. „Damals hat die Schule den Standort verhindert. Eine Baugenehmigung hatten wir dort aber“, betont der SPD-Fraktionschef, der sich fragt, warum die Verwaltung bei der Diskussion des nicht berichtet hat, dass längst Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Man habe das Gutachten vernünftig aufarbeiten wollen und nicht als kurzfristige Tischvorlage präsentieren oder mündlich berichten wollen, begründet Bauamtsleiterin Antje Langethal die Entscheidung, die Ergebnisse zur Skateranlage in der jüngsten Stadtvertretung zurückzuhalten. „Jetzt können sich alle mit der Untersuchung beschäftigen und weiterberaten. Das halte ich für den richtigen Weg“, so Langethal.

 Nadine Materne

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