Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg HSV-Fan griff zum Messer
Lokales Segeberg HSV-Fan griff zum Messer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:40 09.11.2018
Prozess in Norderstedt, der HSV-Fan steht wegen Totschlags vor Gericht. Quelle: Thomas Geyer
Kiel/Norderstedt

Ein 44-Jähriger aus Norderstedt muss sich wegen versuchten Totschlags vor dem Kieler Landgericht verantworten. Die Liebe des Angeklagten (44) zu seinem Verein geht unter die Haut: Zu den zahlreichen Tätowierungen an Hals und Armen zählt neben Reichsadler und Spinne auch das HSV-Emblem. Nachdem ein Zechkumpan ihn im Mai 2018 am letzten Bundesliga-Spieltag vor dem Fernseher immer wieder mit dem Abstieg des Vereins provozierte, sah der HSV-Fan Rot: Er griff zum Messer und stach laut Anklage sechs Mal auf die Brust des Opfers ein.

Seit Freitag muss sich der in U-Haft sitzende Gerüstbauer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Kieler Landgericht verantworten. Seinem Widersacher (54) soll er am Abend des 12. Mai 2018 die sieben Zentimeter lange Klinge direkt ins Herz gestoßen haben. Zudem verletzte er beide Lungenflügel. Bis heute klagt der Norderstedter über Atemprobleme. Seine Anwältin will mindestens 15 000 Euro Schmerzensgeld für ihn erstreiten.

Es ging nicht um nur Fußball, sondern auch um eine Frau

Fußball war nicht der einzige Konflikt zwischen den beiden Männern: Sie stritten auch um eine Frau, in deren Wohnung der Streit eskalierte: Die 52-jährige Gastgeberin ist die Ex-Frau des Opfers und die Lebensgefährtin des Täters. Dass sie den Älteren immer noch zu mehrtägigen Zechgelagen in ihre Wohnung einlud, machte den Jüngeren eifersüchtig.

Vor Gericht ließ sich die Zeugin gestern entschuldigen, sie habe gerade eine Entziehungskur in einer Hamburger Klinik angetreten. Ein amtsärztliches Attest überzeugt das Gericht nicht. Jetzt soll die Frau noch einmal auf ihre Aussagefähigkeit untersucht werden. Begutachtet wird wohl auch der Täter, der neben Alkohol auch Kokain konsumiert haben soll. Der ehemalige Chef der Kieler Rechtsmedizin, Professor Hans-Jürgen Kaatsch, soll als Sachverständiger die Frage der Schuldfähigkeit klären.

Laut Anklage eskalierte der Streit, als der Angeklagte den Nebenbuhler vergeblich aufforderte, ihm beim Entsorgen des Leerguts zu helfen. Offenbar hatte das Trio so viel getrunken, dass man gegen 20 Uhr mit dem Flaschenpfand weitere Getränke finanzieren wollte. Als das Opfer ihm nicht helfen wollte, soll der Angeklagte ihn als „Nassauer“ und „Penner“ beschimpft haben.

Ex-Frau rief den Rettungswagen

Im Flur griff der 44-Jährige zum Messer, stach laut Anklage sechs Mal gezielt in die obere Brust und verließ die Wohnung mit dem Leergut, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern. Das übernahm dessen Ex-Frau. Sie alarmierte die Rettungskräfte. Bei der Einlieferung in die Asklepios Klinik Barmbek schwebte das Opfer in akuter Lebensgefahr. Während der Notoperation wurden die behandelnden Ärzte per Standleitung von Kollegen der Uni-Klinik Eppendorf unterstützt, hieß es.

„Das Ganze war schlimm und tut mir sehr leid“, beteuerte der Angeklagte in einer persönlichen Erklärung, die sein Verteidiger zum Prozessauftakt verlas. Er habe sich nach der Tat selbst der Polizei gestellt und ohne anwaltliche Beratung dazu bekannt. Drei Mal habe ihn der andere geschubst, bevor er zum Messer griff. Der Verletzte sei nach den Stichen stehen geblieben und nicht zusammengesackt. „Ich habe schon geglaubt, dass er etwas abbekommen hat. Aber nicht so schlimm.“

Zur Person gab der gehbehinderte Angeklagte an, früher bei Arbeitsunfällen und einer Schlägerei schwer verletzt worden und jahrelang krank gewesen zu sein. Seit 20 Jahren beziehe er 550 Euro Unfallrente. Zuletzt arbeitete er als Küchenhelfer bei der Lufthansa am Hamburger Airport. Im Sommer 2017 zog er bei seiner Lebensgefährtin in Norderstedt ein, deren Wohnung zum Tatort wurde. Für den Prozess hat die Strafkammer drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll noch im November verkündet werden.

gey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei der Wahl des neuen Amtsvorstehers in Itzstedt gab es am Donnerstag zwar keinen Durchbruch, aber nach Monaten ist endlich eine Lösung in Sicht. Eventuell ist Bernhard Dwenger der Kompromisskandidat. Obwohl noch im Amt, ist der scheidende Volker Bumann verabschiedet worden.

09.11.2018

Das Standardwerk für Segeberg-Touristen bietet alles, was die Gäste über die Region wissen müssen. Jedes Jahr erscheint das Ferienlandmagazin in einer Auflage von 30 000 Stück – und geht förmlich weg wie warme Semmeln.

08.11.2018

Seit 1806 gibt es den traditionsreichen Schützenhof. Es ist das Stammlokal der noch älteren Stadtvogelschützengilde, der kultige Treff für Jazz-Freunde. In ein, zwei Jahren wird damit Schluss sein: Inhaber Jürgen Dill plant Wohnbebauung auf dem Gelände.

08.11.2018