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HSV-Pfosten hängt im Wohnzimmer

Bad Segeberg HSV-Pfosten hängt im Wohnzimmer

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in eine neue Saison. Am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit erregte ein Bad Segeberger bundesweit Aufsehen, weil er einen Torpfosten aus dem Volksparkstadion „verschleppte“. Heute ist das gute Stück eine Deckenlampe mit LED-Leuchten.
 

Der Torpfosten, den Ole Gardthausen am 20. Mai aus dem Volkspark entführt hat, ist jetzt eine Deckenlampe mit LED-Leuchten.

Quelle: Schwartz

Bad Segeberg. Sonnabend, 20. Mai. Es läuft die 87. Minute im Bundesligaspiel zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg. Flanke von links, Luca Waldschmidt wuchtet den Ball zum 2:1 für die Rothosen in die Maschen. Kurz darauf Abpfiff. Der Dino ist – wieder einmal – gerettet. Die Fans stürmen den Rasen, feiern den Nichtabstieg wie einen Meistertitel. Mittendrin: Ole Gardthausen. „Wir sind gar nicht gleich aufs Spielfeld gegangen“, sagt Gardthausen, der an dem Sonnabend mit seinem Sohn in der Nordkurve steht und zunächst den Moment genießt. Dann stürzen sich beide aber doch in den Trubel auf dem Rasen. „Die Eckfahnen waren zuerst weg“, erzählt Ole Gardthausen. „Danach ist der Rasen auseinandergenommen worden.“

Dann schlägt die Stunde des Bad Segebergers: Er sieht, wie andere an einem Torpfosten zerren, ihn aber nicht aus der Halterung hieven können. „Da habe ich gar nicht weiter nachgedacht. Ich habe den Pfosten gepackt, ihn rausgezogen und danach nicht mehr aus der Hand gegeben“, erzählt der kräftige Mann mit dem Rauschebart. Er lässt seine wertvolle Trophäe tatsächlich nicht mehr aus den Augen: Nicht auf dem Weg aus dem Stadion, nicht im Shuttle-Bus, nicht in der S-Bahn und im Zug, auch nicht mehr in der Nordbahn nach Bad Segeberg.

Ole Gardthausen mit dem Torpfosten aus dem Volkspark auf dem Bahnhof in Bad Oldesloe – auf dem Weg in die Nordbahn nach Bad Segeberg.

Quelle: hfr/privat

Niemand stoppt den treuen HSV-Fan mit der Rückennummer 65 bei der Entführung eines Torpfostens, die schon wenig später in digitalen Medien und sozialen Netzwerken hochploppt. Dennoch: Verein und Polizei haben sich bis heute nicht bei ihm gemeldet. Er hofft, dass das so bleibt, sagt angesichts des Pfosten-Klaus aber auch: „Ich stehe zu dem, was ich da gemacht habe, mit allen Konsequenzen.“

Und der Torpfosten? „Ich habe lange überlegt, was ich damit mache“, erzählt Gardthausen. Dann kommt ihm quasi die Erleuchtung: Er klebt ein Band mit kleinen LED-Lichtern in den Pfosten, montiert ihn an die Decke – fertig ist Lampe, die das Wohnzimmer in permanent wechselnde Farben taucht. „Das ist wohl die billigste Lampe, die ich je besessen habe“, sagt Gardthausen und lacht, „aber auch die wertvollste.“

Verrückte Dinge sind dem 52-Jährigen, der zum Fanclub „Old Crazy Fans Hamburg“ gehört, nicht fremd, wenn es um seinen HSV geht. Wie einst die Tour nach Porto: „Da haben wir uns zwei Tage vorher überlegt, dass wir zu diesem Europacup-Spiel fahren.“ 17 Stunden Hinfahrt, das Spiel geschaut (das der HSV 1:2 verliert), nonstop zurück in den Norden. Seit Mitte der 1970er Jahre, als die Karte in der legendären Westkurve noch fünf Mark kostet, fiebert und leidet der Vater zweier Kinder mit seinem HSV. Die Meisterschaft 1979, „das war meine erste prägende Stadion-Erfahrung“, sagt Gardthausen, der in Fahrenkrug aufgewachsen ist.

In jenen Zeiten fährt er häufig auch zum Training der Stars, sammelt Trophäen, wo er kann. Kevin Keegan hat ihm die Single signiert, mit der der Engländer 1979 in die Hitparaden stürmt („Head over Heels in Love“). Das Autogramm von Kult-Masseur Hermann Rieger ist ihm „heilig“, betont Ole Gardthausen. Ebenso ein Foto, auf dem der frühere Publikumsliebling Ali Albertz seine beiden Kinder hält. Für die Unterschriften der HSV- Helden, die 1983 Meister und Europapokal-Sieger werden, düst Gardthausen kurzerhand zu einem Richtfest nach Kükels, wo ein gewisser Horst Hrubesch gerade ein Haus baut . . .

Ole Gardthausen betreut seit sieben Jahren in Rickling demente Menschen. „Diese Arbeit bringt mir sehr viel Spaß“, erzählt er. Dieser Job gibt ihm viel fürs Leben. Wie der Fußball. „Der hat mich geprägt im Umgang mit Menschen und Werten.“ Gardthausen hat selbst gekickt, als Torwart, er war Trainer, Betreuer, Schiedsrichter beim TuS Fahrenkrug. Später ungezählte – freundschaftliche – Begegnungen mit Fans anderer Teams aus anderen Ländern. In der Zeit lernt er Menschen kennen, die ihn tief beeindrucken, die Spuren fürs Leben hinterlassen.
„Heute“, sinniert er, „ist mir Vieles zu oberflächlich geworden.“ Auch beim Fußball. Wahnsinns- Transfers, keine Vereinstreue, junge, hochbezahlte Spieler, die noch nichts geleistet haben . . . Die Zeiten, als Uwe Seeler, auch Gardthausens Allzeit-Held beim HSV, sich vom Geld nicht verbiegen ließ, sind lange vorbei. Der Segeberger spart auch seine Fußball-Liebe, bei der ein Geldgeber stets großzügig die finanziellen Lücken stopft, nicht von der Kritik aus: „Mir wäre es lieber, wenn wir mehr auf Talente setzen würden, die groß werden im Volkspark, und diese Preistreiberei nicht mitmachen“, sagt Gardthausen. „Dann wäre es mir auch egal, wenn der Weg mal zwei, drei Jahre in die Zweite Liga führt.“ <NO1>Das hören eingefleischte HSVer nicht gern, „auch mir würde das natürlich richtig weh tun“.

Den Weg mit vielen jungen Talenten geht der Dino bekanntlich auch dieses Jahr nicht. Und wo landet sein HSV in der neuen Saison? „Das kommt auf den Start an“, sagt Ole Gardthausen, lacht – und merkt sofort, als er den Satz ausgesprochen hat: „Das sind jetzt fünf Euro ins Phrasenschwein.“ Er entscheidet sich bei seiner Prognose schließlich für eine gewagte Schwarz-Weiß-Variante: „Entweder geht diese Saison richtig in die Hose – oder es geht nach Europa.

Apropos Europa: Die erste Urlaubswoche steht für Ole Gardthausen im Zeichen des Fußballs. Groundhopping in Holland: Venlo, Eindhoven. Amsterdam. Und zum Abschluss das Spiel der Rothosen beim 1. FC Köln. Er wird von der Tour gewiss einige Souvenirs mitbringen, einen Torpfosten aber gibt’s dabei wohl nicht abzutauben.

Von Holger Schwartz

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