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Segeberg Häusliche Gewalt: Haftstrafe um sieben Monate gemildert
Lokales Segeberg Häusliche Gewalt: Haftstrafe um sieben Monate gemildert
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22:54 13.01.2016

Drei Jahre und sechs Monate Haft lautete das Urteil gegen Florian L. (Name geändert) im Juli 2015. Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, zweimal mit Freiheitsberaubung. L. hatte zwei Frauen schwer körperlich misshandelt. Gegen das Urteil hatte Rechtsanwalt Andreas Meyer das Rechtsmittel der Sprungrevision eingelegt, wandte sich direkt ans Oberlandesgericht Schleswig und bemängelte das Strafmaß — mit Erfolg.

Der Fall wurde gestern erneut vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg behandelt „Der Tatbestand ist rechtskräftig“, betonte Richterin Dr. Clivia von Dewitz gestern. Wie L. schon im Sommer selbst eingeräumt hatte, kam es im Tatzeitraum 2011 bis 2013 zwischen ihm und seiner damaligen Freundin Mia J. (Namen der Opfer geändert) immer wieder zum Streit — aus Eifersucht. In einem Fall verpasste L. der damals 17-Jährigen eine Kopfnuss — Nasenbeinbruch. Ein anderes Mal schlug er ihr mitten auf der Straße ihre schwere Handtasche über den Kopf.

In einer der Beziehungspausen lernte L. Carla M. kennen. Im September 2012 verbrachten die beiden eine Nacht zusammen, tranken viel Wein. Sie schwankte, er fand das „abtörnend“. Es kam zum Streit, der damit endete, dass Carla grün und blau geschlagen, gewürgt wurde. Die Gewalt gegen Kopf und Hals seien potenziell lebensbedrohlich gewesen, so das rechtsmedizinische Gutachten. Im Februar 2013 musste wiederum Mia J. von der Polizei aus der Wohnung des Angeklagten gerettet werden.

Die beiden Frauen hatten ihre Erlebnisse dem Gericht im Sommer unter Tränen berichtet. Nur um ihnen eine erneute Aussage zu ersparen, das machte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt deutlich, ließ er sich auf einen Deal mit einem Strafrahmen von zwei Jahren und elf Monate bis zu drei Jahre und einen Monat ein.

Die Strafmaß-Begründung im ersten Urteil war vom OLG teilweise kritisiert worden. Unter anderem sei die Einschätzung des Sachverständigen zu kurz gekommen, so Winterfeldt zu den LN. Dieser hatte L.

dissoziale Persönlichkeitsanteile mit manipulativen und narzisstischen Zügen bescheinigt. Sein Verhalten gegenüber Frauen könne sich wiederholen. Verteidiger Meyer beanstandete, dass das Gericht befangen argumentiert habe.

Dieses Mal wurde L. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, elf Monate verurteilt. Mit einer neuen Beweisaufnahme wären es vielleicht drei Jahre, drei Monate geworden, so Staatsanwalt Winterfeldt.

„Was hätte uns das gebracht?“ Elf Monate der Haftstrafe hat L. bereits abgesessen. Im Gefängnis hat er eine Ausbildung zum Koch begonnen. „Sonst hänge ich da nur rum“, so L., der auch in diesem Verfahren seine missliche Situation betonte („Ich bin kein Verbrecher“). Richterin von Dewitz zeigte Verständnis, sprach L. gut zu. Er solle die Lehre beenden, Selbstbewusstsein aufbauen. „Sie müssen an sich arbeiten.“ Damit solche Vorfälle nicht wieder passierten.

nam

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