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Segeberg Haft- und Geldstrafe für Todesfahrer
Lokales Segeberg Haft- und Geldstrafe für Todesfahrer
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19:24 08.09.2016
Das  Amtsgericht Bad Segeberg. Quelle: Materne

Wenn ein 16-jähriges Mädchen bei einem Unfall stirbt, reißt das Wunden, die kaum zu schließen sind. Auch nach eineinhalb Jahren nicht. Und das war am Mittwoch vor dem Segeberger Schöffengericht deutlich zu spüren. Die Eltern der getöteten Yvonne S. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) kommen nicht über den Verlust hinweg. Die künftige Schwiegermutter des Angeklagten nicht, die den schrecklichen Unfall selbst miterlebt hatte. Und auch Florian G. (24) nicht.

Er hatte an jenem schrecklichen 24. März 2015 beim Überholen mit seinem Skoda Fabia nahe Sülfeld die 16-jährige Skaterin gerammt. Sie wurde durch die Luft geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Wegen fahrlässiger Tötung wurde Florian G. dafür gestern zu vier  Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung verurteilt. Außerdem muss er als Bewährungsauflage 3000 Euro an den Weißen Ring zahlen.

„Es ist nicht so, dass sie zu wenig Abstand gehabt hätten. Sie hatten gar keinen Abstand.“ Sabine Roggendorf, Richterin

Staatsanwältin Dr. Katrin Hassel sah nach der fünfstündigen Verhandlung mit vier Zeugen und zwei Sachverständigen von der Dekra den Tatbestand der fahrlässigen Tötung zwar als erwiesen an, forderte aber trotzdem nur eine Geldstrafe von 9000 Euro – und keine Haftstrafe. Das reichte Jörn Wohlgehagen, dem Rechtsbeistand der Eltern als Nebenkläger nicht aus. „Der Sicherheitsabstand war Null“, sagte der Jurist an die Adresse des Angeklagten – eine Ansicht, dem sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Sabine Roggendorf am Ende anschloss. Verteidiger Arne Ullmann hatte sich nicht konkret festgelegt und lediglich um eine milde Strafe gebeten: „Nach den Gutachten werde ich nun keinen Freispruch fordern.“

Ullmann bat auch um Verständnis dafür, dass sich sein Mandant bisher nicht an die Eltern der Getöteten gewandt habe. Der Vater hatte in der Verhandlung angemahnt, dass man dringend auf ein Wort gewartet habe. Zugleich kritisierte er, dass es offenbar keine Regelung gebe, wie mit den Angehörigen eines solchen schrecklichen Unfalls umgegangen werde. Die Notfallintervention war nach einer Stunde weg – danach habe sich niemand um die Familie gekümmert, die noch heute unter dem Verlust leidet. „Da hat offenbar, so viel habe ich erfahren, niemand etwas falsch gemacht. Aber richtig gemacht hat auch niemand etwas“, sagte er.

Florian G. war an jenem Märzabend auf dem Weg zu seiner Freundin nach Tönningstedt. Dort wollte er auf die Alarmierung für eine angekündigte gemeinsame Feuerwehr- und Rot-Kreuz- Übung warten. Auf der Strecke am Klingberg kam ihm in ihrem Wagen noch die Mutter seiner Freundin entgegen. Man winkte sich zu, und auch die Skaterin, die in dieselbe Richtung fuhr wie er, hatte G. schon gesehen. Als er die Skaterin überholte, sei die plötzlich ins Straucheln geraten. Das habe er beim Überholen nur noch im Augenwinkel gesehen. Er habe noch rasch nach links gelenkt, doch da hatte sein Auto das Mädchen auch schon erfasst. Florian G., selbst ausgebildeter Rettungsassistent, leistete selbst Erste Hilfe durch Herz-Lungen-Wiederbelebung – hatte aber keinen Erfolg, ebenso wenig wie seine sofort herbeigerufenen Kollegen. „Und dann sah ich, wie der Notarzt den Kopf schüttelte und das Mädchen mit der Plane abgedeckt wurde“, sagte die Mutter der Freundin unter Tränen. Sie hatte den Unfall noch im Rückspiegel gesehen und sofort gehalten.

Der Vater des Opfers warf dem Angeklagten in der Verhandlung vor, dass man an dieser Stelle überhaupt nicht überholen sollte. Das könne man zwar doch, erklärte wenig später auf Befragen einer der beiden Polizisten, die den Unfall aufgenommen hatten. Aber nicht so wie Florian G. überholt hatte – mit null Sicherheitsabstand, erklärte die Richterin.

In seinem Schlusswort fand Florian G. dann doch jene Worte, um die er eineinhalb Jahre erfolglos gerungen hatte: Er sprach der Familie, den Freunden und Bekannten der Toten sein Beileid aus.

 Lothar Hermann Kullack

Fahrer erhielt nur vier Monate Bewährungsstrafe

Bad Segeberg/Sülfeld. Manchmal spielt auch einem Journalisten das Gehör einen üblen Streich: Am Mittwoch wurde vor dem Bad Segeberger Schöffengericht ein 23-jähriger Mann aus dem Kreis Segeberg nicht zu zehn Monaten zur Bewährung verurteilt, wie gestern in den LN berichtet, sondern lediglich zu vier Monaten Haft zur Bewährung. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.
Wie berichtet, muss der Mann außerdem 3000 Euro an den Weißen Ring zahlen. Der Mann hatte mit seinem Auto im Frühjahr 2015 in Nähe des Klingbergs bei Sülfeld beim Überholen eine 16-jährige Skaterin gerammt. Das Mädchen wurde durch die Luft geschleudert und verstarb noch an der Unfallstelle. Das Urteil lautete auf fahrlässige Tötung.

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