Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Hahnenkampf um Flüchtlingsheime

Bad Segeberg Hahnenkampf um Flüchtlingsheime

Bis die Kämme schwollen: Im Bad Segeberger Rathaus stritten Politiker über Standorte von Asylbewerberunterkünften. 260 Flüchtlinge müssen in diesem Jahr untergebracht werden. Eine Lösung soll unter anderem eine weitere Unterkunft in der Südstadt sein.

Voriger Artikel
Gold und Silber für Per Nielsen und Volker Albers
Nächster Artikel
Warder: Das Konzert nach dem Workshop

Bevor die Stadt Bad Segeberg mit leeren Händen bei Flüchtlingsheimen da steht: Bürgermeister Dieter Schönfeld leistet Überzeugungsarbeit bei SPD-Fraktionschef Joachim Wilken-Kebeck.

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg. Wohin, wohin bloß mit den Flüchtlingen? Bloß nicht in die Bad Segeberger Turnhallen, meinen alle. Der Druck ist jetzt so stark, dass die Stadt gegenüber den Anliegern der Südstadt ihr Wort bricht. Auf dem Gelände der jetzigen Asylbewerberunterkunft mit etwa 50 Menschen sind noch über 1000 Quadratmeter Platz. Dort soll, anders als vor einem Jahr noch seitens der Stadt hoch und heilig versprochen, eine weitere Unterkunft für 30 Bewohner entstehen. Diese könnten dann auch die Gemeinschaftsräume im Bienenhof mitnutzen. Vor der Entscheidung knallte es heftig in der Stadtvertretersitzung.

Doch zuerst wurde die geplante Asylbewerberunterkunft hinter der Oldesloer Straße 79 „durchgewunken“. Dort sollen 60 Menschen untergebracht werden (die LN berichteten). In der Theodor-Storm-Straße entsteht eine Unterkunft (ebenfalls Kieler Modell für 58 Leute). Übrig bleiben 120 bis 150 Personen. „Wir sind unter großem Termindruck“, klagte Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD). Wolfgang Tödt (BBS) sprach von „gewaltigen Bauchschmerzen“, hier zuzustimmen. „Das ganze Verfahren an der Oldesloer wird holterdipolter durchgezogen.“ Für ihn sei der Zeitdruck nicht nachvollziehbar, hier würden städtebauliche Veränderungen vorgenommen, mit denen die Segeberger die nächsten 50 Jahre leben müssten.

Joachim Wilken-Kebeck (SPD) war empört: „Mir schwillt der Kamm.“ Mehrfach sei allen der Zeitdruck erklärt worden, weil in diesem Jahr noch 260 Flüchtlinge ein Dach über den Kopf bekommen müssten.

Als Bürgervorsteherin Ingrid Altner (CDU) die Diskussion abwürgen wollte, die Stadtvertretung sei doch „kein Debattenverein, sondern ein Beschlussgremium“, gab es fast tumultartige Szenen. Ingeborg Ilgmann (BBS): „Jetzt schwillt mir aber der Kamm, ich habe hier Rederecht, so lange ich es benötige.“ Trotz Bedenken stimmte der BBS dem Vorhaben zu, die Verwaltung kann nach einstimmigem Votum ihre Vorbereitungen für den Millionenbau treffen.

Höchst umstritten war die Idee des Bürgermeisters, neben der Asylbewerberunterkunft „Bienenhof“ in Modulbauweise ein Haus für maximal 30 Personen zu errichten. Kostenpunkt 400 000 Euro. Vorteil: Das schnell aufgestellte Haus könnte schon im Mai bezogen werden. „Betreuer, auch Ehrenamtliche, haben dort ihren Anlaufpunkt.“ Das Gebäude könne man auch schnell abbauen, an anderer Stelle errichten, es sei später als Obdachlosenunterkunft nutzbar.

Schönfeld gab zu, dass es ausdrücklich auch sein Ziel gewesen sei, auf dem Bienenhof-Grundstück nicht mehr als die jetzige Anzahl an Asylbewerbern unterzubringen. Torsten Bohlmann (BBS): „Wir stehen bei den Anwohnern im Wort.“ Mehr als die 50 Asylbewerber sollten es dort nicht werden. Es dürfe nicht sein, „dass die Politik hinterher ihre Versprechen wieder einsammelt“. Auch hätte es vorher eine Anwohnerversammlung geben müssen.

Der BBS forderte, einen anderen Standort für das neue Haus zu suchen. Wolfgang Juhls (Unabhängige) plädierte dafür, es im Gewerbegebiet aufzustellen. Norbert Reher (CDU) wollte das neue Haus neben dem Bienenhof mittragen, dann müsse aber gleichzeitig der Abbau-Termin festgelegt werden. „Nur so haben die Anwohner ein klares Zeitfenster — zur Not bis Ende 2017.“ Das aber wollte die SPD partout so nicht begrenzen. Jens Lichte: „Wenn es keine anderen Vorschläge gibt, müssen wir damit leben.“ In einer Beratungspause redeten sich in Gesprächsrunden alle die Köpfe heiß. Der Antrag von BBS und Unabhängige, die Südstadt mit weiteren Asylbewerbern zu verschonen, fand keine Mehrheit. Da sich die SPD-Fraktion der Stimme enthielt, fand die befristete Lösung eine knappe Mehrheit. Ende 2017 sollen die 30 Asylbewerber woanders hin. Versprochen. Alle angeschwollenen Kämme bekamen wieder Normalformat. . .

Bau der Asylunterkunft Oldesloer Straße startet bald

 Hinter der Oldesloer Straße 79 soll im rückwärtigen Bereich eine Asylbewerberunterkunft nach dem Kieler Modell gebaut werden. Die jetzige Obdachlosenunterkunft wird abgerissen, dort könnte stattdessen ein kleines Haus von der Stadt gebaut werden. Der Abriss des dahinterliegenden Speichers soll schon im April erfolgen. Geräte und Maschinen der Karl-May-Spiele werden anderweitig untergestellt. Der große Busparkplatz soll erhalten bleiben. Am 15. März soll die Stadtvertretung einen Beschluss zum Neubau fassen. Vorher wird alles vorbereitet für den Bauantrag, zwei Millionen Euro stehen bereit. Das Haus entsteht nach dem Kieler Modell, nachdem die Flüchtlinge das Haus verlassen, werden Balkone angebaut, und das dreistöckige Haus wird für Senioren oder Familien umgestaltet. wgl

„Jetzt schwillt mir aber der Kamm, ich habe hier Rederecht.“

Ingeborg Ilgmamn (BBS)

Wolfgang Glombik

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt.

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt. mehr

  • Lifestyle
    Unser Lifestyle-Portal

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Reisetipps
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

Karl-May-Spiele

Nachrichten zu den Karl-May-Spiele am Kalkberg in Bad Segeberg.

Kinokritik

Kurz und knapp erklärt, ob sich ein neuer Film lohnt oder nicht.