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Segeberg Hat Mutter drei Monate alten Säugling geschüttelt?
Lokales Segeberg Hat Mutter drei Monate alten Säugling geschüttelt?
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10:08 09.08.2017
Symbolbild Quelle: Arno Burgi/dpa
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Bad Segeberg

Schädelhirntrauma, ein Hämatom am Auge, drei Rippenbrüche – die Verletzungen, die bei Baby Mia (alle Namen geändert) im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster festgestellt wurden, sind eindeutig. Mia wurde schwer misshandelt. Doch wer war es? Auf der Anklagebank des Bad Segeberger Amtsgerichts saß am Dienstag die Mutter des Kindes, Maren K., doch an deren Schuld hat Richterin Clivia von Dewitz offenbar starke Zweifel.

Die Eltern hatten den erst drei Monate alten Säugling im Juli 2016 in die Klinik gebracht, nachdem er sich immer wieder übergeben hatte. Nach Hause durfte er nach den Befunden nicht mehr – auch ihre dreijährige Tochter wurde der Angeklagten weggenommen. Am Tattag, mutmaßlich der 22. Juli 2016, war Maren K. allein mit beiden Kindern. Ihr Verlobter sei auf der Arbeit gewesen. Am Abend soll es stressig gewesen sein, die größere der Mädchen sei „zickig“ gewesen, berichtet K., und das Baby „kränkelte“. „Ich habe versucht, es zu beruhigen“, sagt die 26-Jährige vor Gericht aus. Vermutlich habe sie das Kind zu stark gewogen.

„Davon aber stammen nicht diese Verletzungen“, sagt die Richterin deutlich. Durch die Blutung am Auge könnte das Baby dauerhaft sein Augenlicht verlieren, liest von Dewitz aus den Befunden vor. Laut einer neueren Untersuchung gibt es zumindest Hoffnung, dass dies nicht eintritt. Die Verletzung habe sich zurückgebildet.

Nach Aktenlage und den Aussagen aus dem Umfeld traut niemand der Angeklagten zu, dass sie das Kind derart stark geschüttelt haben könnte, macht von Dewitz mehrfach deutlich. Wer hatte noch mit dem Kind zu tun, will sie wissen. Da fällt Maren K. aber nur ihr Verlobter ein, ihre Mutter habe lediglich einen Tag lang auf das Baby aufgepasst.

„Schützen Sie jemanden?“, will die Richterin immer wieder wissen? Was ist mit dem Partner? Doch auf den lässt die Angeklagte nichts kommen: „Er ist immer so liebevoll mit ihr umgegangen.“ Wer war es dann, hakt die Richterin immer wieder nach – bis Maren K. in Tränen ausbricht: „Ich will nicht länger um den heißen Brei herumreden. Ich war es“, bricht es aus ihr heraus. Sie sei überfordert gewesen, ihre Familie habe sie fertig gemacht wegen der Beziehung, der schnellen Schwangerschaft. „Es tut mir so leid, ich wollte das nicht, ich war überfordert“, sagt die Angeklagte weinend.

Doch auf die Nachfrage der Staatsanwältin zum Tathergang wird Maren K. wieder vage. An den eigentlichen Schüttelvorgang erinnere sie sich nicht genau. Offenbar hat das Gericht Zweifel am Tathergang, fragt immer wieder nach Details. Und nach dem Partner, gegen den ein eigenes Verfahren aber bereits eingestellt wurde. „Warum, das weiß ich nicht“, sagt Richterin von Dewitz. Sie habe bereits oft erlebt, dass Frauen sich nicht wie Löwenmütter vor ihre Kinder, sondern den Partner stellten. Zu reflexartig erscheint der Richterin die Inschutznahme der Angeklagten. Doch K. bleibt dabei: Ihr Verlobter habe mit den Verletzungen nichts zu tun, die teilweise älter sind und für die sie teilweise gar ihre größere Tochter verantwortlich gemacht hat („Ich schäme mich dafür“). Das Verfahren wird also nicht ohne Zeugen und Sachverständige auskommen. Da von Dewitz aus gesundheitlichen Gründen den Prozess nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist fortführen kann, setzt sie das Verfahren aus.

Es muss neu terminiert werden. Bis dahin solle die Angeklagte nochmal in sich gehen, ob sie die Wahrheit gesagt habe.

 Nadine Materne

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