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„Hauptsache ich bin nicht alleine“

Bad Segeberg „Hauptsache ich bin nicht alleine“

Das richtige Lebenskonzept im Alter zu finden, ist nicht leicht. Aber es gibt Hilfe.

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Jahrzehnte trennen Elfriede Mohr (86) und Vivian Romring (16): Die Seniorin wird in der Tagespflege betreut, hat sonst ihre Kinder. Auch die 16-Jährige FSJlerin würde im Alter gerne bei der Familie sein.

Quelle: Heike Hiltrop

Bad Segeberg. „Ich bleibe so lange in meiner Wohnung, bis sie mich in der Kiste raustragen“, sagt Rita Reckling mit Nachdruck. Obwohl man es ihr nicht ansieht, ist die sympathische Seniorin schon 77 Jahre alt. Doch Gedanken darüber, was wäre, wenn es mal nicht mehr so läuft, Körper oder Geist nicht mehr wollen, hat sie sich nicht richtig gemacht. Seniorenheim klingt für sie wie ein Schreckgespenst. Sie habe „keinen Bock auf betüddeln“, sagt sie. Auch die 16-jährige Vivian hat eine klare Vorstellung davon, was sie nicht will: „Hauptsache ich bin nicht alleine.“

Das ungewisse Gefühl, die Selbstbestimmung aufgeben zu müssen, schwingt bei vielen älteren Menschen mit, wenn es um die Gestaltung des letzten oder vorletzten Lebensumfelds geht. Oft wird das Thema verdrängt, manchmal sogar, bis andere Menschen die Entscheidungen treffen müssen. Ulrich Mildenberger kennt das aus seiner Arbeit im Pflegestützpunkt Segeberg.   1980, als diese als „Beratungsstelle für ältere Menschen“ in Norderstedt an den Start ging, war es bundesweit die erste Anlaufstelle dieser Art. Heute finanzieren Kreise, Land und Pflegekassen so etwas als Regelangebot für Senioren, Pflegebedürftige und deren Angehörige. „Kostenlos, anonym und vertraulich“, betont Mildenberger.

Infos

17 Millionen Menschen in Deutschland sind laut Statistik über 65 Jahre alt.

Beratung vom Pflegestützpunkt ist kostenfrei. Die Zentren gibt es in Bad Segeberg, Bornhöved, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Norderstedt. Öffnungszeiten, Anschriften, Infos im Internet unter www.pflegestuetzpunkt-se.de.

Die Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte bietet neutrale Beratung zur Förderung besonderer Wohn-Pflegeformen im Alter. Mehr im Netz unter www.kiwa-sh.de.

„Wie kriege ich mein Wohnumfeld so hin, dass ich mich wohlfühle, welche Hilfsangebote gibt es, wie finanziert sich das – das sind sehr häufige Fragen“, so der Sozialwissenschaftler. „Ein Teil unserer Arbeit ist die Begleitung der Menschen im Umgang mit einer neuen Situation, da muss man auch manchmal in biografische Familiengeschichte eintauchen.“ Der zweite Teil sei die psychosoziale Begleitung und Unterstützung. Dabei gehe es um Problembewältigung, wie die Hilfe im Umfeld von an Demenz Erkrankten. „Aber auch darum, zur Seite zu stehen, damit ,Mutti’ den ambulanten Pflegedienst akzeptiert.“

Über 1000 Klienten kommen im Schnitt jährlich. Manche mehrmals, andere nur für ein Beratungsgespräch. Bis zu 700 Neukontakte sind darunter. „Das Thema Demenz rückt langsam aus der Tabuzone.“ Es sei eine positive Entwicklung, dass in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein entstehe, dass der Betroffene, aber auch der Angehörige damit nicht alleine ist. So werde frühzeitiger Hilfe angenommen. Das können Angehörigenkurse, Ratschläge zur seniorengerechten Wohnungen und Pflegediensten sowie ehrenamtliche Besuchsdienstler sein. Deutlich wachsend sei der Teil der Menschen, die alleine leben und Hilfe bräuchten – sie sich aber nicht holen. „Menschen unterhalb von Pflegestufen und ohne Betreuung, die aber überfordert sind.“ Hier müsse Nachbarschaft die Lücke im Hilfssystem schließen, sagt Mildenberger. Leider funktionierten ländliche Strukturen nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Das bedeutet im Bezug auf Wohnen im Alter, sich zum Beispiel rechtzeitig ein Netzwerk zu schaffen.

Erreichbarkeit, Barrierefreiheit und Zentralität sollten wichtige Entscheidungsfaktoren sein.

Das Land hat neue Konzepte im Blick

"Jetzt geht es uns um die Vielfalt der Wohnkonzepte.“ Irene Fuhrmann (56), KIWA

"Jetzt geht es uns um die Vielfalt der Wohnkonzepte.“ Irene Fuhrmann (56), KIWA

Quelle:

„Ich kann mir sehr gut vorstellen mit meiner Frau in einer altengerechten WG zu leben. Aber das kann man nicht erst mit 65 anfangen, da muss man viel früher ran“, sagt Helge Möller. Der 50-Jährige macht deutlich, dass alternative Wohnlösungen längst nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch für Senioren in Betracht kommen. Das bestätigt Irene Fuhrmann von der Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte, kurz KIWA, die dem Sozialministerium angegliedert ist. „Unser Schwerpunkt liegt auf der Beratung von Dienstleistern“, so die 56-Jährige. Dabei gehe es sowohl um die inhaltliche wie rechtliche Ausgestaltung.

Strukturen sollen geschaffen werden, Wohnungswirtschaft, ambulante Pflegedienste und Kommunen sollen dort eingebunden sein. Das gehört zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle. In den zehn Jahren, die es die KIWA gibt, hat sich vieles getan. Viele Wohn- und Pflegegemeinschaften wurden auf den Weg gebracht. Betreute Wohngruppen und WGs seien ein sehr positiver Trend für Senioren mit Demenz, aber auch andere könnten gut in solchen Gemeinschaften leben. Allerdings seien solche Lösungen städtisch und im ländlichen Raum seltener.

Fuhrmann: „Jetzt geht es um die Vielfalt der Wohnkonzepte.“Und da ist offensichtlich noch viel Luft nach oben: „Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit den meisten stationären Plätzen. Unsere Aufgabe ist es auch, das aufzulösen.“ Wahlfreiheit für den Lebensabend sei wichtig. Das zeichnet sich heute deutlich ab: Senioren wollen immer später in stationäre Einrichtungen. Die Verweilzeit werde kürzer, der Pflegegrad höher, bis in die Palliativ-Pflege. „Das klassische Feierabendheim gibt es so gar nicht mehr“, so Fuhrmann.

 hil

 Heike Hiltrop

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