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Segeberg Hausärzte-Bedarf steigt: Aber Praxisnachfolge ist ein Problem
Lokales Segeberg Hausärzte-Bedarf steigt: Aber Praxisnachfolge ist ein Problem
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21:15 20.01.2016

Mehr als die Hälfte der Hausärzte im Kreis sind älter als 55 Jahre. Der demografische Wandel bedeutet nicht nur, dass die Bevölkerung älter wird, sondern auch die Mediziner — bei steigendem Versorgungsbedarf. Für weite Teile des Ostkreises prognostiziert Martin Albrecht eine Steigerung der Ärztekontakte um zehn bis 20 Prozent. Der Diplom-Ingenieur vom Planungsbüro „Gertz Gutsche Rümenapp“ für Stadtentwicklung und Mobilität begleitet den Kreis beim Projekt Segeberg 2030. Um die Perspektiven der hausärztlichen Versorgung im Kreis Segeberg ging es gestern im Kreishaus.

„Sei Chefarzt — werde Landarzt!“ Mit solchen Kampagnen wirbt die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein für den Allgemeinmediziner. Es gebe unter anderem Zuschüsse für Blockpraktika auf dem Land, berichtet Bianca Hartz von der KVSH, und Fortbildungen für junge Ärzte — zum Beispiel in Praxisführung. Was den Kreis Segeberg angeht, gibt sie sich aber „ganz entspannt“:

„Segeberg ist für uns kein Brennpunkt.“ Da gebe es schlechter versorgte Regionen an der Westküste. In Dithmarschen seien 43 Prozent der Allgemeinmediziner über 60 Jahre alt, in Segeberg seien es 34 Prozent.

„Für die Leute ist es ein Brennpunkt“, sagt dagegen Landarzt Christian Kraus im LN-Gespräch. Als die Zweitpraxis der Trappenkamper Gemeinschaftspraxis in Rickling aus Kostengründen geschlossen wurde, war der Aufschrei groß. Trotzdem sieht er in der Zweitpraxis ein mögliches Modell für die ärztliche Versorgung auf dem Land. Dort, wo so eine Einrichtung einen eigenen Einzugsbereich hat. Das betont auch Dr. Thomas Maurer vom Hausärzteverband Schleswig-Holstein. Als Arzt in Nordfriesland kennt er ganz andere Zustände. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, brauchten Ärzte einen Einzugsbereich von mindestens 2000 bis 3000 Patienten, die regelmäßig kommen. Jedoch suchten Patienten nicht unbedingt die nächstgelegene Praxis auf, sondern den vermeintlich besten Arzt. Und führen dabei „ganz entspannt an drei anderen Praxen vorbei“.

Mit dem Pkw können die meisten Segeberger bequem einen Arzt erreichen, zeigen die Grafiken von Stadtplaner Albrecht. Auch mit dem ÖPNV seien akzeptable Zeiten möglich — bis zu 20 Minuten. „Die Frage aber ist: Fährt ein Bus?“ Und da sieht es ganz anders aus. Deshalb kommen die meisten Patienten auch mit dem Wagen — oder werden von Angehörigen gefahren, berichten Joachim Dautwiz, Allgemeinmediziner in Stocksee, und Dr. Toni Koudmani aus Hartenholm im LN-Gespräch. Wenn die Mobilität mit steigendem Alter sinke, werde es schwierig, sagen sie.

Beide, Dautwiz und Koudmani, betreiben Einzelpraxen. Ein Auslaufmodell, laut Maurer. Junge Ärzte suchten die Anstellung, am besten in einer Gemeinschaftspraxis. Auf ewig binden wollten sie sich nicht, schon gar nicht mit einem Investment für Praxisräume.

Koudmani und Dautwiz haben Aussicht, dass ihre Töchter die Praxen in ein paar Jahren übernehmen. Glück gehabt. Denn die Folgewirkung einer Schließung für die Erreichbarkeit ärztlicher Versorgung wird für die Hartenholmer Praxis als „eher hoch“ eingeschätzt, für die Stockseer als „hoch“. Gleiches gilt für die Praxen in Geschendorf und Nehms, wo für Experte Albrecht hohe Aufmerksamkeit geboten sei für die Daseinsvorsorge in der Zukunft.

Dass aber auch eine Gemeinschaftspraxis kein Selbstgänger für eine Nachfolge ist, erlebt derzeit Mediziner Christian Kraus in Trappenkamp mit eher städtischer Struktur. Es gibt Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kitas. Sogar ein Ärztezentrum. Bisher hat der 67-Jährige noch keinen Ersatz gefunden. Doch Kraus ist zuversichtlich, bis zum 70. Lebensjahr will er eh weitermachen.

Immerhin gibt es für die Trappenkamper eine andere gute Nachricht: Ein Augenarzt wird sich ansiedeln, die Zulassung sei erteilt, so Kraus. Es wird eine Zweitpraxis.

Nadine Materne

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