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Segeberg Hausmeister Krause geht in Rente
Lokales Segeberg Hausmeister Krause geht in Rente
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01:03 30.01.2016
Nach 32 Jahren als Hausmeister der Heinrich-Rantzau-Schule gibt Wolfgang Krause den Besen ab und geht in den Ruhestand. Als Brandschutzerzieher und AG-Leiter bleibt er der Schule aber erhalten. Quelle: Materne

Kiloweise Streusand hat das Hausmeisterteam der Rantzau-Schule an den eisigen Tagen auf dem Schulgelände verstreut. „Nun muss das alles wieder weg“, sagt Wolfgang Krause und schiebt den dickborstigen Besen über den Asphalt. Allemal besser als Schneeschippen, meint der 65-Jährige. Hausmeister Krause kann sich an Winter in den 80ern erinnern, da stand er mit seiner „Hakorette“ schon halb fünf Uhr morgens draußen, um den gut 1000 Quadratmeter großen Pausenhof vom Schnee zu befreien, bevor die ersten Schüler eintrudelten. Dann doch lieber Streusand fegen. Es ist eine seiner letzten Amtshandlungen. Gestern wurde Krause in den Ruhestand verabschiedet — nach 32 Jahren.

Die Hausmeisterwohnung steht bereits seit Sommer leer, Krause ist mit seiner Frau nach Klein Rönnau gezogen. „Früher war es vorgeschrieben, dass wir an der Schule wohnten.“ Als Hausmeister noch ganz selbstverständlich bis abends 22 Uhr im Dienst waren. „Solange die Sporthalle belegt war.“ Arbeitsrechtlich natürlich bedenklich. „Deshalb wurde das vor einigen Jahren auch geändert.“ Krause aber ist in dem niedlichen Klinkerhaus auf dem Schulgelände wohnen geblieben — im Gegensatz zu vielen Kollegen. „Das war ein tolles Wohnen“, schwärmt Krause. Die Bäume drumherum, da zwitschern morgens die Vögel, der Specht klopft. . .

Der offizielle Dienstschluss um 16 Uhr konnte so natürlich nur bedingt eingehalten werden. „Mit einem Ohr war man immer bei der Schule.“ Da wurde auch am Wochenende nachgeschaut, wenn die Kontrolllampe für die Heizung leuchtete. Und die Tür geöffnet, wenn einem Schüler am Wochenende vor dem Fußballspiel auffiel, dass der Turnbeutel noch in der Halle liegt. Das hat sich auch über die Jahrzehnte nicht verändert — im Gegensatz zu vielen anderen Dingen im Alltag eines Schulhausmeisters.

Das fängt schon bei den Einstellungsvoraussetzungen an. Als Maurer hätte er heute kaum Chancen gehabt. „Die Anforderungen sind gestiegen.“ Als Krause 1984 den Dienst an der Rantzau-Schule antrat, „bestand die Heizungsanlage aus einem Schalter“. Heute ist die Anlage eine Technikzentrale. Elektriker und Heizungstechniker seien heute gefragt. Überhaupt die Technik: Internet, Smartboards, Computer-Raum. Daran war in den 80ern nicht zu denken. Trotzdem war der Job schon damals mehr als Glühbirnen wechseln (was wegen der heutigen, langlebigen Beleuchtungsmittel eh kaum eine Rolle spiele). Das musste Krause schon an seinem ersten Arbeitstag erfahren. „Es war der 1. April, ein Sonntag.“ In der Turnhalle war eine Veranstaltung — und prompt waren die Abflüsse der Toiletten verstopft.

Eine Panne, die damals öfter passierte. Ursache seien die alten Tonrohre im Boden und die Wurzeln der Bäume gewesen, die dort hineinwuchsen. Das Rohrnetz sei aber längst saniert. Die Bäume sorgen aber jedes Jahr für viel Arbeit: Berge von Laub müssen jeden Herbst weggeräumt werden. Zu Beginn sogar „Karre für Karre“. Erst 1993 bekam Krause einen kleinen Trecker. „Das war allein kaum zu schaffen.“ Deshalb habe die Familie häufiger mal mitanpacken müssen — gerade auch im Winter.

Manchmal seien auch Schüler zu ihm geschickt worden, „wenn sie etwas angestellt hatten“, erzählt Krause. Laub harken, Sand schippen. „Sie waren meist mit Begeisterung dabei, auch wenn es eigentlich eine Strafe sein sollte.“ Einige 1000 Grundschüler hat Krause in über drei Jahrzehnten kommen und gehen sehen. Nicht nur als Hausmeister. Als Mitglied der Bad Segeberger Feuerwehr gibt der 65-Jährige in den Klassen Brandschutzerziehung. In seinem Ruhestand will er daran erstmal festhalten. Genau wie an seiner wöchentlichen Lauf-AG, wenn das Interesse anhält. Stolz erzählt Krause von seinen talentierten Schützlingen, die bei Laufveranstaltungen regelmäßig gute Ergebnisse erreichten. „Man fühlt sich doch mit der Schule verbunden.“ Mit dem Schulkollegium habe er immer gut zusammenarbeiten können, es seien Freundschaften entstanden.

Krause bleibt der Rantzau-Schule also erhalten. Sowieso hinterlässt er mehr als lackierte Garderoben und Magnetleisten: den Bolzplatz. „Das war mal ein Teich.“ Um den sich aber niemand kümmerte. Dass der Teich zugeschüttet und dort ein Fußballplatz angelegt wurde, „ist auf meinem Mist gewachsen“.

„In 30 Jahren hat sich viel getan an der Schule, vor allem technisch.“
Hausmeister Wolfgang Krause (65)

Nadine Materne

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