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Hefekringel als Jungbrunnen: Walter Gräper wird 100

Bad Segeberg Hefekringel als Jungbrunnen: Walter Gräper wird 100

Der Senior-Bäckermeister steht gegenwärtig noch jeden Tag in der Backstube, um seine berühmten Kringel herzustellen. Die LN durften ihm dabei über die Schulter gucken. Am Montag feiert er seinen runden Geburtstag.

Die Hefekringel sind zum Markenzeichen von Bäckermeister Walter Gräper geworden, der morgen, am 17. Oktober, gemeinsam mit seiner Familie und Freunden seinen 100. Geburtstag feiert.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Bad Segeberg. Dass Walter Gräper in seinem hohen Alter noch zum Fernsehstar wird, und dass danach seine Hefekringel zum Kassenschlager werden, damit hat der rüstige Bäckermeister nicht gerechnet. Statt wie wie bisher immer nur dienstags und freitags, steht er jetzt jeden Tag in der Bäckerei in der Oldesloer Straße, um mindestens 300 Hefekringel zu backen. „Ich kann gar nicht mehr durch die Stadt gehen“, sagt Walter Gräper und lacht. Morgen feiert er im Kreise seiner Familie seinen 100. Geburtstag.

LN-Bild

Der Senior-Bäckermeister steht gegenwärtig noch jeden Tag in der Backstube, um seine berühmten Kringel herzustellen – Morgen feiert er seinen runden Geburtstag.

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Damit dürfte er wohl der älteste noch aktive Bäckermeister im Lande sein, wenn nicht sogar bundesweit. Genau kann das aber niemand sagen, auch die Innung nicht. Ob die Hefekringeln als Jungbrunnen wirken, wie manche glauben? Man weiß es nicht. Für Walter Gräper jedenfalls sind sie so etwas Ähnliches. „Ich habe eine Aufgabe. Die hält mich jung“, erzählt der Senior. Seit einer Fernsehsendung, die unlängst eine Woche im Leben der drei Bäckermeister-Generationen Walter, Torsten und Tim Gräper dokumentierte, ist er auch weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Auch der Kundenkreis der Bäckerei hat sich enorm vergrößert, denn die Hefekringel sind gefragt wie nie zuvor. Von weit her machen sich Menschen auf den Weg, um die besagten Hefekringel zu kaufen.

„Bis zur Fernsehsendung war alles in Ordnung. Danach nicht mehr. Wir haben schon unser gesamtes Kekssortiment hochgefahren, damit Auswärtige nicht ganz umsonst hierher kommen. Denn spätestens nach drei Stunden sind die Hefekringel ausverkauft“, erzählt Torsten Gräper. Sein Betrieb hätte natürlich genug Personal, das das Backen der Hefekringel übernehmen könnte. Immerhin gehören 23 Mitarbeiter, darunter vier Gesellen, vier Bäcker-Azubis, ein Bäckermeister in Vollzeit und ein Halbtags-Bäckermeister zum Team. Dass aber jemand von ihnen die Produktion der berühmten Hefekringel übernimmt, lässt Walter Gräper nicht zu. „Da lässt er keinen ran. Das macht ihm niemand gut genug“, verrät Sohn Torsten, der die Bäckerei 1980 von seinem Vater übernommen hat. Das Gebäck entsteht nach dessen „Geheimrezept“.

Walter und Torsten Gräper sowie dessen Sohn Tim, der ebenfalls Bäckermeister geworden ist, waren im September in einer Live-Sendung des NDR zu Gast, um auf die Ausstrahlung der Dokumentation am Abend hinzuweisen. Während Torsten Gräper seinem Vater den Stress nicht zumuten wollte, ließ sich dieser den Liveauftritt nicht nehmen. „Ich hatte dem Fernsehteam gesagt, dass er nur mitkommt, wenn er sich auch mal hinlegen kann. Das nämlich muss sein“, so Torsten Gräper. Der Senior wurde daraufhin bestens versorgt. „Ich bekam ein Zimmer mit Bett und Wolldecke. Das war wie in einem Hotel“, erzählt der Senior, der trotz der Aufregung tief und fest geschlafen hat und anschließend ein ausgeruhter Gesprächspartner mit bester Laune war.

Walter Gräper sitzt der Schalk immer noch im Nacken. In der Backstube flachst er mit den Mitarbeitern, schlägt dann aber auch nachdenkliche Töne an: „Ich kann von Glück sagen, dass ich hier sitze. Da muss man einfach dankbar sein“, sagt er. Aufgewachsen ist Walter Gräper in Breitenfelde im Herzogtum Lauenburg. Sieben Kinder waren sie damals. Alle fünf Jungen mussten in den Krieg ziehen. Er selbst wurde fünfmal verwundet, erzählt Walter Gräper. Aber alle kamen aus dem Krieg zurück. Er lernte das Bäckerhandwerk in der Schwarzenbeker Bäckerei Maas und legte 1946 seine Meisterprüfung ab. Die Liebe zu seiner ersten, früh verstorbenen Frau verschlug ihn nach Bad Segeberg. Hier übernahm er 1951 die ehemalige Bäckerei Reese, die er später kaufte.

Vor 36 (!) Jahren ging Walter Gräper in den Ruhestand, der angesichts der Zeit, die er noch in der Backstube verbringt, eindeutig ein Unruhestand ist. Wenn er morgen seinen 100. Geburtstag feiert, sind seine ganze Familie und natürlich auch Freunde dabei. Akkordeonspieler und Sänger „Hein Sorgenfrei“ hat er für die musikalische Unterhaltung engagiert. „Darauf freue ich mich sehr“, erzählt der Senior, der stolz auf seine Familie ist, zu der neben Sohn Torsten die weiteren Kinder Inga und Kai gehören. Während Kai Gräper bei der Sparkasse in Bad Segeberg arbeitet und zudem weithin als Hobby-Zauberer bekannt ist, hat es Tochter Inga nach Bad Schwartau verschlagen. Sie kommt oft vorbei, um Backstubenluft zu schnuppern.

Im Hause Gräper ist Walter nicht der einzige, der in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiert. Walter Gräpers Ehefrau Carla, mit der er immer noch einen eigenen Haushalt führt, ist 90 Jahre alt geworden. Tochter Inga hat ihren 70. Geburtstag gefeiert, Sohn Torsten den 60., und Enkel Tim wird nächsten Monat 30 Jahre alt.

Bäckerei mit Tradition

Die Geschichte der heutigen Bäckerei Gräper reicht bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Gegründet wurde sie einst von Bäckermeister Herbst. Heinrich Reese übernahm sie 1902, sein Sohn Werner folgte 1933. Als dieser nicht aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, führten seine Schwestern Magda und Hertha sie bis 1950 weiter, bis Walter Gräper, der sich vier Jahre zuvor in der Oldesloer Straße 40 selbstständig gemacht hatte, die Bäckerei Reese in der Oldesloer Straße 68 übernahm. Bis heute ist dort der Firmensitz. pd

 Petra Dreu

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