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Segeberg Hehlerei und Amokfahrt: Wortgefechte vor Gericht
Lokales Segeberg Hehlerei und Amokfahrt: Wortgefechte vor Gericht
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12:54 11.02.2016

Da bestätigt einer der dieses Mal acht Zeugen, was bereits am ersten Verhandlungstag einer von 16 Zeugen ausgesagt hatte. Da erklärt eine andere Zeugin, dass auch sie es nicht besser wisse als ein Zeuge vor zwei Wochen. So plätschert der Vormittag im Bad Segeberger Amtsgericht dahin. Doch da tritt die ehemalige Partnerin des Angeklagten in den Zeugenstand: „Gib endlich zu, dass Du gefahren bist! Hör auf damit, unseren Sohn da hineinzuziehen“, herrscht sie den mutmaßlichen Amokfahrer an.

„Kommen Sie mal vorbei bei uns — aber keinen Wodka trinken!“

„Einladung“ von Wirtin Sabine W., als sie sich mit Richterin Roggendorf kabbelte

„Ich kenne diese Geschichte — und noch viel mehr.“

Anwältin Isabelle Knaipp, als die Ex-Partnerin ihren Mandanten beschuldigte

 Zum einen Hehlerei (es geht um den Verkauf eines gestohlenen Wohnmobils) wirft die Anklage Max Erwin B. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) vor; zum anderen soll er sich am 21. Februar 2014 volltrunken mit seinem schwarzen Mercedes-Kombi eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben, die von Hartenholm über Bark und Wittenborn bis nach Wahlstedt führte, wo der Flüchtende den Polizisten schließlich entkam.

Er sei keinesfalls gefahren, drei Bekannte hätten ihn aus der Kneipe abgeholt, hatte B. bereits am ersten Verhandlungstag erklärt. Und diese drei Bekannten bestätigten vor zwei Woche seine Version:

Sie hätten B. aus einer Kaltenkirchener Kneipe abgeholt und nach Bad Segeberg verfrachtet, wo er auch übernachtet habe. Zuvor, so B.‘s Einlassung, habe er in einer Kaltenkirchener Kneipe zusammen mit dem Ehemann der Wirtin drei Flaschen Wodka getrunken. Dann habe er seinen heute 19-jährigen Sohn angerufen, der ihn zu einer zweiten Kaltenkirchener Kneipe gefahren habe, wo die Schwester des Angeklagten in ihren 42. Geburtstag hineinfeierte. Dort sei es zum Streit gekommen, in dessen Verlauf B. sogar die Polizei rief: Seine Schwester habe ihm die Autoschlüssel gestohlen. Die bestritt das energisch, und nachdem nach einer Weile — die Polizei war schon abgerückt — von Max Erwin B. und dessen Auto nichts zu sehen war, habe sie wegen der vermeintlichen Alkoholfahrt erneut die Polizei gerufen, sagte die Schwester. Während eine andere Streife nach dem Mercedes suchte, warteten zwei Beamte in einem Dorf bei Kaltenkirchen vor dessen Haus auf den Beschuldigten. Der kam auch und rammte den stehenden Polizeiwagen. Dabei hätten beide Beamten ihn im Scheinwerferlicht zweifelsfrei am Steuer des Mercedes erkannt.

Am neuen Verhandlungstag erklärte die Mutter des 19-Jährigen, der Sohn habe durchblicken lassen, dass er die Fahrt zwischen den Kneipen nicht für seinen Vater unternommen habe, dass er jedoch vor Gericht das Gegenteil aussagen werde. Sie habe auf ihn eingewirkt, bei der Wahrheit zu bleiben. Daraufhin habe ihr Ex, der Vater des Sohnes, sie mehrfach beschimpft und bedroht. Er selbst habe „nichts mehr zu verlieren“ und 2016 werde ihr „letztes Jahr“, heißt es in einer SMS, die Marion V. (31) präsentierte. Richterin Sabine Roggendorf schickte die Frau damit zur Kripo.

Nun musste der Sohn, der 19-jährige Alf V., erneut in den Zeugenstand. Seine erste Version sei richtig, bestätigte er, er habe an seiner Aussage, den Vater gefahren zu haben, nichts zurückzunehmen.

Zu unschönen Wortgefechten kam es, als Angeklagter wie Ex-Partnerin sich gegenseitig ihre Verfehlungen vorwarfen, wobei Verteidigerin Isabelle Knaipp sich nicht zu schade war, die Kindheit des Sohnes ins Feld zu führen, bis Richterin Roggendorf sie belehrte, dass derlei bei Heranwachsenden in einem öffentlichen Verfahren nicht üblich sei.

Unter den gut zwei Dutzend Vorstrafen des 52-jährigen Angeklagten — die seit 1983 stets mit Geld- oder Bewährungsstrafen, nie mit Haft endeten — finden sich alle möglichen Delikte, auch Körperverletzung und Beleidigung, sodass man sicher sein darf, dass am dritten Verhandlungstag Manches aus den Auseinandersetzungen der Ex-Partner mitschwingen wird. Die Verteidigerin hat die Einbeziehung einer Akte aus einem Kieler Verfahren zwischen beiden beantragt.

Weiterverhandelt wird am Montag, 29. Februar, ab 10.15 Uhr. Dann soll unter anderem ein Mann aus dem Landesteil Schleswig im Zeugenstand erscheinen, der B.‘s Theorie vom „großen Unbekannten“ stützen könnte: Einen ihm fremden Mann will B. samt gestohlenem Wohnmobil auf dessen Wunsch nach Wahlstedt gefahren haben. Der Autohändler dagegen kann sich nur an Max Erwin B. und nicht an einen Dritten erinnern.

Außerdem ist über Anträge der Verteidigung zu entscheiden: Gutachter sollen belegen, dass die beiden Polizeibeamten B. im Fernlicht der Scheinwerfer gar nicht erkannt haben könnten. Außerdem hält Rechtsanwältin Knaipp eine am Ende „erfolgreiche“ Verfolgungsjagd samt kontrolliert herbeigeführtem Unfall bei einer derart hohen Promillezahl für ausgeschlossen.

Lothar Hermann Kullack

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