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Segeberg Hehlerei und Unfallflucht: Geldstrafe von 125 Tagessätzen
Lokales Segeberg Hehlerei und Unfallflucht: Geldstrafe von 125 Tagessätzen
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21:17 17.03.2016

„Das ist eine Frechheit, was Sie hier gerade machen“: Max Erwin B. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) zeigte nicht viel Einsicht in das Urteil und fiel Richterin Sabine Roggendorf mehrfach bei der Urteilsbegründung ins Wort. Dabei war er gerade relativ milde davongekommen: 125 Tagessätze à zehn Euro wegen Hehlerei, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Unfallflucht, vorsätzlicher Trunkenheit und fahrlässiger Körperverletzung.

Zudem muss der 52-Jährige ein weiteres halbes Jahr auf seinen Führerschein verzichten (der ihm im Mai 2015 abgenommen worden war) und die Kosten des Verfahrens tragen. Letzteres dürfte sich als eigentliche Strafe herausstellen: Vier Verhandlungstage mit fast 30 Zeugen — da kommt einiges an Kosten zusammen.

Max Erwin B. soll einem Wahlstedter Händler ein gestohlenes Wohnmobil verkauft haben. Er habe den vermeintlichen Besitzer nur nach Wahlstedt gefahren, hatte B. argumentiert. Eine recht „bunte Geschichte“ befand Richterin Roggendorf und vertraute der Aussage des Autohändlers: B. — und ausdrücklich nur B. — sei mit dem Wohnmobil bei ihm aufgekreuzt. Auch im zweiten Fall, einer wilden, alkoholisierten Verfolgungsjagd, soll ein großer Unbekannter am Steuer des schwarzen Mercedes-Kombi des Max Erwin B. gesessen haben. B. hatte in einer Kaltenkirchener Kneipe üppig Wodka gebechert, dann selbst die Polizei gerufen, weil seine Schwester ihm die Autoschlüssel gestohlen habe. Die Polizei konnte keine Schlüssel sicherstellen und das aufgebrachte, stark betrunkene Geschwisterpaar nicht beruhigen. Unverrichteter Dinge zogen die Beamten wieder ab, wurden wenig später erneut von der Schwester angerufen: Nun sei ihr Bruder alkoholisiert losgefahren. Die beiden Polizisten warteten im abgedunkelten Wagen vor dem Haus des 52-Jährigen. Der kam dann auch in seinem Kombi, rammte den Polizeiwagen, wobei einer der Beamten verletzt wurde, und raste davon. Beide Polizisten wollen ihn beim Crash eindeutig am Steuer erkannt haben.

Verteidigerin Isabelle Knaipp hatte einen Gutachter losgeschickt, der in acht Versuchen zwischen 20 und 50 km/h vor Ort und Stelle ermittelt habe, dass man im Fernlichtkegel niemanden klar erkennen könne. Doch die Richterin vertraute den Polizeibeamten und glaubte auch drei Bekannten B.‘s nicht, die am zweiten Verhandlungstag erklärt hatten, sie hätten ihn an jenem Tag aus Kaltenkirchen abgeholt und seien mit ihm nach Bad Segeberg gefahren. Zu sehr zurechtgelegt, so Richterin Roggendorf, würden die übereinstimmenden Aussagen von einer hellblauen Jacke klingen — die Polizisten hatten gemeint, B. in einer schwarzen Jacke gesehen zu haben. Im Übrigen, so am vierten Verhandlungstag Marion V., ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten, habe er die Verfolgungsjagd in einem Gespräch eingestanden.

Die Staatsanwältin hatte gegen den 21-fach vorbestraften B. 100 Tagessätze von je zehn Euro (B. ist Sozialhilfeempfänger) verlangt; die Verteidigerin forderte Freispruch.

Von Lothar Hermann Kullack

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