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Henning Wulf tritt nach 48 Jahren aus der CDU aus

Bad Segeberg Henning Wulf tritt nach 48 Jahren aus der CDU aus

Für die CDU-Fraktion, ja für den Segeberger Kreistag ist das ein Schlag ins Kontor: Henning Wulf tritt aus der CDU-Fraktion aus und verlässt auch nach 48 Jahren Mitgliedschaft seine Partei. Kürzlich führten die LN mit ihm ein Gespräch über Kreispolitik. Es wurde eine Abrechnung.

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Henning Wulf (74) steht für klare Ansagen: Jetzt macht der Kommunalpolitiker einen Schnitt, verlässt CDU-Fraktion und Partei.

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg. Bis zum Ende der Wahlperiode plant Henning Wulf, als fraktionsloser Abgeordneter im Kreistag zu bleiben. Erst jüngst bei der Kreistagssitzung zog er noch Bilanz seiner über 19 Jahre als Vorsitzender im Hauptausschuss. Nun dieser harte, konsequente Schnitt des 76-Jährigen. „Aufgrund der Diskussionen der letzten vier Wochen, nicht beantworteter Fragen und der mir gezeigten geringen Wertschätzung“ habe er sich zu dem Schritt entschieden, sagte er den LN. „Ich will mir das nicht länger antun.“

LN-Bild

Für die CDU-Fraktion, ja für den Segeberger Kreistag ist das ein Schlag ins Kontor: Henning Wulf tritt aus der CDU-Fraktion aus und verlässt auch nach 48 Jahren Mitgliedschaft seine Partei. Kürzlich führten die LN mit ihm ein Gespräch über Kreispolitik. Es wurde eine Abrechnung.

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„Im Kreistag wird nur noch durch- gewunken.

Da ist nur noch Friede, Freude, Eierkuchen.Henning Wulf

langjähriger Vorsitzender im Hauptausschuss

Er habe Kreispräsident Zylka und den CDU-Fraktionsvorsitzenden informiert. Damit die CDU erst gar nicht in Verlegenheit komme, gegen ihn ein Ausschlussverfahren führen zu müssen, habe er sich auch dazu entschieden, die Partei zu verlassen. Wie berichtet, hatte Wulf unlängst den Hauptausschussvorsitz niedergelegt. In einer nichtöffentlichen Sitzung war er heftig mit Landrat Jan Peter Schröder aneinandergeraten. In harschen Worten soll der Haushaltsexperte dem Landrat vorgeworfen haben, dass die Verwaltung Beschlüsse des Kreistages nicht ordentlich umgesetzt habe. Im Gespräch mit den LN am Dienstag war dazu von Wulf Klartext zu hören.

Landrat Schröder habe immer mehr das Sagen, meint Wulf. Zulasten der Politik. Er sei als Hauptausschussvorsitzender mehrfach deutlich geworden, weil die Verwaltung es nicht für nötig gehalten habe, die Politik über ihre Arbeit zu informieren. „Wenn ich eine klare Ansage mache, wird das als schroff bezeichnet. Meine Sitzungsleitung empfinde ich als klar und deutlich.“ Gewünscht seien aber meist freundliche, unverbindliche Äußerungen, so der frühere Polizeichef. Dabei sei der Hauptausschuss Dienstvorgesetzter des Landrates.

Es könne doch zum Beispiel nicht angehen, dass der Kreistag Beschlüsse fasse und deren Durchführung der Verwaltung überlasse – ohne sie zu kontrollieren. Wulf: „Wir bekommen nicht einmal Rückmeldung, ob unsere Vorgaben überhaupt gut und richtig waren oder wir nachbessern müssen.“ Auch bemerke er, dass immer häufiger erst Vorschläge aus der Politik vom Landrat abgelehnt und später doch auf dessen Initiative durchgeführt würden. Die CDU habe 2016 mindestens 15, besser 35 Azubi-Stellen gefordert. Das sei erst abgelehnt worden, jetzt gebe es eine neue Ausbildungsinitiative vom Landrat. Auch sei abgewehrt worden, die Verwaltung „von außen“ auf ihre Effizienz zu untersuchen. Wulf: „Frösche fragt man nicht, ob man den Sumpf trockenlegt.“ Gründe zu prüfen, gebe es: „Seit Herr Schröder Landrat ist, haben wir rund 200 Stellen in der Verwaltung mehr.“ Schröder habe ihn als „Formalisten“ bezeichnet. „Das bin ich, denn wenn die Form nicht stimmt, können wir es ja ganz sein lassen“, sagt Wulf.

Wer, wie einige Politikerkollegen, blauäugig darauf verzichte zu kontrollieren, solle sich aus der Kreispolitik zurückziehen.

Damit scheinen nicht alle klarzukommen, auch nicht aus der CDU-Fraktion. Claus-Peter Dieck, stellvertretender Landrat, habe, als in der Hauptausschusssitzung im September die Fetzen flogen, den Raum verlassen. „Flapsige Bemerkungen“ von ihm seien von Dieck als Kritik empfunden worden, berichtet Wulf selbst. Auch habe die SPD-Fraktionsvorsitzende Doris Lessing gegen ihn schon einen Abwahlantrag vorbereitet. Dabei gehe es ihm doch darum, dass die Politik nicht von der Verwaltung vorgeführt werde. Das beschlossene Berichtswesen müsse dringend umgesetzt werden. So sei ihm ein Fall bekannt, bei dem ein Kreistagsbeschluss von 2013 immer noch nicht befolgt worden sei, sagt Wulf.

Wenn ihm der Landrat sage, er wolle einen Beschluss nicht umsetzen, dann müsse er als Hauptausschussvorsitzender, der ihn kontrollieren muss, doch sagen: „Ziehen Sie die Konsequenz und legen Sie Ihr Amt nieder.“ Der Job des Landrats sei es, politische Vorgaben umzusetzen und nicht, diese für sich auszulegen.

Arnold Wilken (SPD), Gottlieb Dingeldein (CDU), der verstorbene Professor Dietrich Wiebe (SPD), Hans Peter Sager – das seien, so Wulf, Politiker mit Ausstrahlung gewesen. Die seien für ihre Themen „in die Bütt“ gegangen. In den letzten Jahren erlebe man das nicht mehr, da werde nur noch durchgewunken. Wulf: „Da ist nur noch Friede, Freude, Eierkuchen.“

Wolfgang Glombik

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