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Hermann Bauer schnappte die Banklady

Bad Segeberg Hermann Bauer schnappte die Banklady

Der heute 75-jährige ehemalige Polizist und seine Kollegen stellten die Täter in Rotenhahn. Nächste Woche kommt die Verfilmung des mehr als krimireifen Stoffs in die deutschen Kinos.

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„Hier geschah der Überfall“: Hermann Bauer zeigt auf die alte Sparkasse. Im Ruhestand wirkt er heute in Männerchor und Seniorenbeirat.

Quelle: Kullack

Bad Segeberg. Diese Szene hat sich ihm ins Gedächtnis gebrannt: „Der Bankräuber zückte eine Maschinenpistole und schoss auf uns. Doch es machte nur ,Klick‘, sein Magazin war herausgefallen.“ Hermann Bauer gehörte zu den Segeberger Polizisten, die am 15. Dezember 1967 „Banklady“ Gisela Werler und ihren Komplizen Hermann Wittorff festgenommen hatten. Am kommenden Mittwoch hat der Film „Die Banklady“ mit Nadeshda Brennicke im Cine-Planet 5 Premiere. Die Vorstellung ist ausverkauft.

Eigentlich hat Bauer mit dem aufregenden Geschehen jenes Dezembertages längst abgeschlossen: „Das ist immerhin 47 Jahre her. Da verblasst so einiges, auch in der Erinnerung“, sagt der 1998 pensionierte Polizei-Hauptmeister. Doch der Film — zu dessen Premiere er ebenso eingeladen ist wie alle anderen noch Lebenden, die dabei waren — lässt alles noch einmal hochkochen. „Damals habe ich alle Zeitungsausschnitte zum Thema gesammelt. Die habe ich jetzt der Sparkasse zur Begleitung des Films zur Verfügung gestellt.“

Gisela Werler und Hermann Wittorff hatten in den Jahren zuvor in Norddeutschland bereits 18 Banken überfallen, die Segeberger Volksbank war gleich zweimal ausgeraubt worden. Ihre Gesamtbeute hatte sich auf rund 400 000 Mark summiert. Von der „Banklady“ sprachen Polizei und Presse seinerzeit, weil Gisela Werler bei den Überfällen stets schick gekleidet war und eine Blondhaar-Perücke trug.

Anders am 15. Dezember 1967 in Bad Segeberg: Der Überfall auf die Kreisparkasse — die damals im heutigen Gebäude der Stadtbücherei im Heinrich-Wickel-Haus untergebracht war — sollte der krönende Abschluss der Karriere des Gangsterpärchens sein. Es kam zum abrupten Abschluss — aber ganz anders, als das Gangsterpaar es sich gedacht hatte.

Nach dem Überfall, bei dem Kunden wie Kassierer sich wehrten und einige angeschossen wurden, flüchtete das Bankräuber-Duo zu Fuß den Seminarweg hinunter zum heutigen Zob. Der war damals ein Kohlen-Umschlagplatz, dort hatten Werler und Wittorff ihren für den Überfall gestohlenen Volkswagen geparkt.

Gisela Werler war an diesem Tag rein optisch keine „Lady“: Sie trug weder Blondhaarperücke noch schickes Outfit, sondern Männerkleidung und eine Wollmütze. Vom Äußeren her also ein Bruch mit der räuberischen Tradition — nicht aber mit der Vorliebe für einen VW als Fluchtwagen wie auch bei anderen Überfällen zuvor. Und dieser „Herbie-Spleen“ geriet dem Gangsterpärchen zum Unheil: „Den VW hatten sie Stunden zuvor vor der Kreisverwaltung geknackt, und der Diebstahl war uns bereits gemeldet worden. Deshalb waren wir schon unterwegs, auf der Suche nach dem verschwundenen Auto“, erzählt Bauer, der damals 29 Jahre jung war und gerade ein Jahr zuvor vom Bundesgrenzschutz zur Polizei gewechselt hatte. Gleich nach dem Überfall-Alarm lenkte Bauer den Polizeibus mit vier Kollegen auf der Suche nach den Räubern. Die „Lady“ und ihr Komplize waren auf der B 206 Richtung Hamburg unterwegs. In Höhe der Bushaltestelle bei Högersdorf sahen die Polizisten das Fluchtfahrzeug. 

Die Beamten stellten die Gangster und noch heute erregt sich Hermann Bauer, wenn er daran denkt, wie der 2009 verstorbene Wittorff über die Jahre in Fernsehinterviews davon gesprochen hatte, dass er doch nie auf die Polizisten habe schießen wollen. Hermann Bauer: „Natürlich hat er geschossen, es hat doch ,Klick‘ gemacht.“ Wittorff habe eine Maschinenpistole, Kaliber 11, amerikanischer Bauart benutzt. Und wenn das Magazin der MP nicht herausgefallen wäre, hätte alles ein böses Ende nehmen können: „Meine Frau Ingrid war damals gerade mit unserer zweiten Tochter schwanger, und wenn es schief gegangen wäre, hätten Christine und Ulrike ohne Vater aufwachsen müssen“, schaudert es ihn noch heute.

Nachlesen: "Banklady" - Sex and Crime im Hamburg der 60er Jahre

Lothar Hermann Kullack

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