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Herr Yddeste und das freie Dorf

Herr Yddeste und das freie Dorf

Eine bewegte Geschichte hat die Gemeinde Itzstedt hinter sich. Urkundlich erwähnt ist, dass 1317 einem Herrn Yddeste der Bürgerstand verliehen wurde. Mittlerweile ist die Gemeinde zu einem Schlafort geworden.

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Bürgermeister Peter Reese auf der Brücke über die Norderbeste. Sie ist ein kleines Stück Ortsgeschichte, ist 1841 gebaut worden und immer noch intakt. 13 Jahre lang dauerte damals das Genehmigungsverfahren.

Quelle: Fotos: Domann

Eine bewegte Geschichte hat die Gemeinde Itzstedt hinter sich. Urkundlich erwähnt ist, dass 1317 einem Herrn Yddeste der Bürgerstand verliehen wurde. Der Mann besaß Wiesen in der heutigen Gemarkung Itzstedt, aus seinem entstand der Name Itzstedt. Aber auch Steinzeitmenschen hatten offensichtlich bereits zwischen See und Norderbeste gesiedelt. Bei Ausgrabungen wurden Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge gefunden.

LN-Bild

Itzstedt wurde 1317 erstmals erwähnt – Mittlerweile ist die Gemeinde zu einem Schlafort geworden.

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„Itzstedt war schon immer ein freies Dorf, es gehörte nie zum Gut Borstel, sondern war dem Amt Tremsbüttel zugehörig“, erklärt Bürgermeister Peter Reese. Er hat ein paar Daten aus der Dorfgeschichte für die 700-Jahr-Feier zusammengetragen, viele stammen aus der Dorfchronik. Die hat Reeses Schwiegervater, Erich Feist, einst zum 675. Geburtstag erstellt. Auch wenn Itzstedt nie zum Gut Borstel gehörte, gab es doch immer wieder Streitigkeiten um Mühlen- und Wasserrechte. Auch haben die Borsteler Wegezoll verlangt.

1475 wurden die amtsangehörigen Dörfer an den Herzog Johann von Lauenburg für 9200 Lübsche Mark verkauft. „Eine Kuh kostete damals drei Mark Lübsch, die Dörfer waren also 3066 Kühe wert.“ 1517 wurden das erste Mal steuerzahlende Einwohner gezählt: Es gab sieben Hufner und vier Kätner (Hofbesitzer). 1804 hatte die Gemeinde 344 Einwohner, 72 Familien lebten in 51 Häusern. Heute hat die Gemeinde 2378 Einwohner bei über 1000 Haushalten.

Dass sich die Verwaltung im 19. Jahrhundert viel Zeit ließ, zeigt der Bau der Brücke über die Norderbeste. Die hatten Bürger 1828 gefordert, 1841 wurde die Baugenehmigung erteilt und mit dem Bau begonnen. Doch was sehr lange währte, wurde gut – die Brücke hält bis heute.

Fortschrittlich war Itzstedt dagegen bei der Gründung der Ortskrankenkasse 1884, ein Jahr zuvor hatte Otto von Bismarck im Zuge der Sozialgesetzgebung die Krankenversicherung eingeführt. Zur Ortskrankenkasse gehörten die Landgemeindebezirke Itzstedt, Nahe, Sievershütten und Stuvenborn. Sie wurde durch die Gründung der AOK Segeberg 1914 aufgelöst.

Und auch der Fusionsgedanke mit den Nachbargemeinden Nahe und Kayhude – heute wieder ganz aktuell – ist nicht neu. 1938 wurde per Erlass eine Großgemeinde Nahe aus den drei Orten gebildet. Pro Ort gab es zwei bis drei Gemeindevertreter, die die Verwaltung der Großgemeinde stellten, ein Bürgermeister hatte das Sagen. 1951 wurde Itzstedt dann wieder selbstständig. Der Bauer Ernst Wrage wurde Bürgermeister, als dieser zum Amtmann gewählt wurde, folgte ihm Richard Arps, der Onkel des heutigen Bürgermeisters.

Rege war auch die Vereinskultur im Dorf, 1877 gründete sich der Gesangsverein „Melodia“, der erst 1987 in einen gemischten Chor umgewandelt wurde. 2016 löste er sich aus Mangel an Sängern auf. 1888 gründete sich der Itzstedt-Oeringer Kriegerverein, ein Verein ehemaliger Soldaten. 1960 ging dieser in den Schützenverein Itzstedt über. Die Freiwillige Feuerwehr bildete sich 1931, bereits ein Jahr später entstand eine Jugendwehr, die erste in Schleswig-Holstein und vermutlich die erste in Deutschland. „Sie war dem Lehrer ein Dorn im Auge. Denn nach den Dienstreffen machten die Jugendlichen keine Schularbeiten mehr, sodass es am nächsten Tag Senge vom Lehrer gab“, erzählt Reese amüsiert.

Auch heute gibt es in Itzstedt noch Vereine, doch wie fast überall sei es schwierig, neue Mitglieder zu finden. „Itzstedt ist mehr oder minder zu einem Schlafdorf geworden, daran krankt das Vereinsleben“, sagt Reese. Er hofft, das mit der 700-Jahr-Feier ein Stückweit ändern zu können.

Tunnel für einen sicheren Nachhauseweg?

Gern haben Alt-Itzstedter ihren Feierabend im Gasthof Juhls bei einigen Gläsern Bier ausklingen lassen. Vor allem, wenn es etwas zu feiern gab. „Ein Hilfsbürgermeister ist dabei einmal bei uns versackt“, erinnert sich Elke Wilhelmi. Auf dem Rückweg habe er sich nach dem Licht gerichtet, das seine Frau für ihn rausstellte. Bis zur Tankstelle sei alles gutgegangen, doch bei der Querung der Hauptstraße sei er von einem Auto angefahren worden. Einige Zeit später sei das Gleiche einem weiteren Juhls-Besucher passiert. „Ich habe dann vorgeschlagen, den Heimweg für meine Besucher untertunneln zu lassen“. Doch bei dem Vorschlag ist es geblieben . . . Und im Gasthof gibt es kein Bier mehr.

sd

Kein Tanz mit Naher

Für Elke Wilhelmi (76) ist die Doppeleiche schon immer der Dorfmittelpunkt gewesen. Dort hat man sich verabredet, wenn man mit Bus oder Bahn fahren wollte oder eine Filmvorführung im ehemaligen Gasthof Sandkrog sehen wollte. „Um es warm zu haben, hat im Winter jeder noch Torf und ein Stück Holz mitgebracht.“ Auch die Tanzveranstaltungen sind ihr gut in Erinnerung geblieben. „Auf der einen Seite des Saals saßen die Itzstedter, auf der anderen die Naher. Kein Naher hat uns zum Tanz aufgefordert.“

Ihre Kindheit und Jugendzeit waren von Arbeit geprägt: Rüben ziehen und hacken, bei der Heuernte und beim Torfstechen helfen. Sie war die Älteste von drei Mädchen, ihre Eltern betrieben Juhls Gasthof. Auch an den Hand- und Spanndienst erinnert sie sich noch. Der galt bis in die 1950er Jahre. Je nach Größe des Betriebes musste ein Gespann mit Fahrer zur Verfügung gestellt werden, außerdem musste jeder Dorfbewohner eine bestimmte Stundenzahl für die Gemeinde arbeiten. So wurde der Seeweg mit Sand und Kies von vielen Bürgern angelegt. „Schön waren auch die Kinderfeste, die reihum in den Gasthöfen stattfanden“, erzählt Elke Wilhelmi. Die Eltern lieferten Kuchen, die Kinder brachten eine Tasse für Limo oder „Muckefuck“ mit. Auch der Zusammenhalt in der Gemeinde untereinander sei damals besser gewesen, sagt die Alteingessene.

NACHGEFRAGT

Ich kenne hier jeden Baum

Vier Fragen an Bürgermeister Peter Reese:

Was bedeutet Itzstedt für Sie?

Itzstedt ist meine Heimat. Bis auf acht Jahre Bundeswehr in Schleswig habe ich immer in Itzstedt gewohnt. Ich kenne fast jeden Baum, es gibt nur wenige Bäume, auf die ich nicht geklettert bin. Damals gab es fünf Pfennige für ein Krähenei, viel Geld für einen Jungen.

Welche Bedeutung hat Itzstedt heute?

Die Gemeinde verfügt über eine gute Infrastruktur: gut vertaktet im Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Kindergarten, eine Schule in Nahe, diverse Vereinsangebote, Freibad am See und ein umfangreiches Wander- und Radwegenetz.

Wie denken Sie über eine Fusion mit Nahe und Kayhude?

Eine Fusion kann nur gelingen, wenn sich die Partner auf Augenhöhe begegnen und die Fusion auf Augenhöhe ver- und behandelt wird.

Haben Sie einen Geburtstagswunsch für die Gemeinde?

Einen besseren Zusammenhalt in der Gemeinde wünsche ich mir. Dass mehr miteinander kommuniziert wird und sich auch die „Zugezogenen“ in die Dorfgemeinschaft einbringen.

Hier liegt Sibirien

In der Gemarkung Itzstedt gibt es eine Fläche am Nienwohlder Moor, die „Sibirien“ genannt wird. Aufgrund des Moores und den freien Wiesen, über die der Wind ungehindert wehen kann, ist dort die kälteste Stelle im Ort. „Sie wird schon immer Sibirien genannt“, betont Bürgermeister Peter Reese. Dort fließt auch die „Labek“, die laue Bek, entlang. Der Bach entwässert den Bereich, führt viel Wasser, sodass er im Winter nicht zufriert. Außerdem läuft durch Sibirien auch die Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee. Westlich der Wasserscheide fließt das Niederschlagswasser über Rönne und Alster in die Nordsee; im Osten fließt es über Norderbeste und Trave in die Ostsee. sd

Das Festprogramm

Die 700-Jahr-Feier findet an diesem Wochenende am und um den Bolzplatz herum statt. Dort wird ein Festzelt errichtet, in dem die Tanzveranstaltungen stattfinden. Da alle Generationen feiern sollen, beginnt das Fest mit einer Kinder- und Jugenddisco am Freitag ab 18 Uhr. Auch Erwachsene sind willkommen. DJ Crazy Ardo wird für die Musik sorgen, der Eintritt ist bis 21 Uhr frei, danach beträgt er zwei Euro.

Am Sonnabend gibt es ab 10.30 Uhr einen Empfang für geladene Gäste aus Politik und Verwaltung. Von 13 bis 18 Uhr folgt dann ein bunter Familiennachmittag mit Spiel und Spaß. Außerdem nutzen Itzstedter Vereine die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Um 20 Uhr beginnt der große Ball im Festzelt. Abendgarderobe ist nicht erforderlich. Für die Musik ist die Top 40-Gala-Coverband „Tonados“

zuständig.

Am Sonntag beginnt der Festgottesdienst um 10.30 Uhr im Zelt. Der Jugendchor und die Jazzband „Jazz Lips“ gestalten musikalisch den Gottesdienst. Mit einem Jazz-Frühschoppen klingt das 700-jährige Gemeindejubiläum aus.

Karten für den Ball gibt es im Vorverkauf für fünf Euro bei der Drogerie Klaus Siegenthaler, im Blumenhaus Hübner, bei Confetti und im Amt bei Doris Beckmann. An der Abendkasse kosten die Karten sieben Euro. sd

 Sd Silvie Domann

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